Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

Markus Vater

A-Reihe / 362. Wahl II. Quartal 2016
Lithographien

1. Seine Haut war so dünn
70 x 50 cm
2. Damm
50 x 65 cm
3. Reality gap
50 x 65 cm
4. Painter
70 x 50 cm
5. Mond Staubsauger
70 x 50 cm
6. Fenster zur Seele
70 x 50 cm

Papierqualität: 200 g/qm Lessebo rough
Druckerin: Ellen Sturm-Loeding, Hamburg

Ein absurdes Spiel mit der Wirklichkeit

Mit bildlichen und textlichen Notizen reflektiert Markus Vater die Absurditäten des Alltags. Aus der Linie heraus entwickelt der Maler Schwarzweiß-Zeichnungen, die häufig von einer prägnanten Textzeile in sauberer Handschrift begleitet werden. Für die griffelkunst hat der in London lebende Künstler sechs hintersinnige Lithographien entwickelt, in denen er Abstruses, Ironisches und Poetisches in der für ihn charakteristischen Zeichnung mit Tusche direkt auf dem Stein notiert hat:

griffelkunst: Deine Arbeiten haben eine große Nähe zum Cartoon. Bild und Text verbinden sich zu sehr pointierten poetischen, grotesken und humorvollen Geschichten. Wie entstehen Deine Bilder? Reagierst Du mit dem Text auf das Bild oder umgekehrt?

Markus Vater: Häufig beginnt eine Arbeit mit einem Sprachbild, das im Wortschatz existiert, wie »Das Fenster zur Seele«. Ich mag Sprachbilder, da sie ähnlich wie Metaphern ungenau sind und daher Möglichkeiten in sich tragen. Unser Denken ist geformt durch Grammatik, Bilder und Formen, die in der Sprache lauern. Diese Sprachbilder werden oft gesprochen, ohne über die Existenz des Bildes in ihnen zu reflektieren. Ich erforsche die Bilder, die in ihnen angelegt sind, und untersuche die Bedeutungen, die wir damit verbinden. In die andere Richtung beginnt es mit dem Zeichnen. Etwas gerade Beobachtetes, wie eine Wolke, die über dem Horizont abregnet. Ich versuche dann Worte zu finden, die die Vorgänge in der Zeichnung beschreiben wie sie sind, aber selten betrachtet werden: Im Fall der Wolke, die abregnet,
findet sich dann die Unterschrift: »lebensgefährlich verletzte Wolke”. Dabei versuche ich, Abläufe auf existentielle Erfahrungen zu beziehen; sie in eine psychisch spürbare Wirklichkeit zu verwandeln. Oft beginnt es mit einer Zeichnung, dann entsteht ein Text, der nicht funktioniert, aber eine neue Zeichnung herauskitzelt. So schaukeln Textmöglichkeiten und Bildmöglichkeiten miteinander. An den Seiten fallen dann neue Arbeiten herunter.

griffelkunst: Du lebst seit über 15 Jahren in London. Inwieweit beeinflusst der spezielle britische Humor Deine Arbeit?

Markus Vater: Über die Jahre ist mir klar geworden, dass das Spezielle ambritischen Humor seine gesellschaftliche Rolle ist. In Amerika oder in Deutschland existiert sehr ähnlicher Humor. Doch er wird nicht zelebriert an den gleichen Orten. In England ist der Humor zum Beispiel Bestandteil der parlamentarischen Tradition. Seit Hunderten von Jahren machen sich Politiker da gegenseitig übereinander lustig. Wer humorvoller, ehrlicher und schneller argumentiert, kann Stimmen gewinnen. Dabei ist das gesellschaftliche System verdächtig traditionell und sehr unbeweglich. Es wird viel Energie in die Stimme investiert: ins Sprechen und Singen, aber nicht ins Handeln und Verändern. Humor, der in Deutschland die Kneipe oder den Abendbrottisch nicht verlässt, ist in England akzeptiert, im Parlament oder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Frustration und Gefühle von Ungerechtigkeit dürfen sich im Humor an höchster Stelle austoben, sodass sich nicht viel aufstaut und zur destruktiven Aggression wird. Der Humor stabilisiert die gesellschaftlichen Verhältnisse. Mein Humor ist melancholischer und möchte psychisch und existentiell relevant sein.

Das Interview mit Markus Vater führte Brigitte Bedei per E-Mail im Januar 2016.

Markus Vater wird 1970 in Düsseldorf geboren. Er studiert bei Ulrich Erben an der Kunstakademie Münster, bei Dieter Krieg und Alfonso Hüppi an der Kunstakademie in Düsseldorf. 1998 zieht er nach London, wo er im Jahr 2000 seinen Abschluss am Royal College of Art macht. Er ist Stipendiat des Villa
Romana Stipendiums und nimmt an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen teil, u.a. Kunstmuseum Bonn, Museum Kunstpalast Düsseldorf, Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, Kunsthalle Mannheim und Royal Academy in London.
2014 wird er Gastprofessur an der HfBK in Hamburg und arbeitet seit 2015 als Dozent am Royal College of Art in London.

Publikationen
At the end of the world, Verlag Kettler, Boenen, 2013
Markus Vater SOLO, Lubok Verlag, Leipzig, 2012
Heute denke ich mich in ein Blatt hinein, Wilhelm Hack Museum, Ludwigshafen am Rhein, Kettler Verlag Boenen, 2009

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