Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

Ré Soupault

B-Reihe, 343. Wahl, III. Quartal 2011
Photographin der magischen Sekunde
schwarzweiß Photographien aus dem Nachlass

1. Restaurant La Coupole, Paris, 1936
2. Hochzeit, Paris, 1934
3. Bahnhof St. Lazare, Paris, 1936
4. Bahnhof St. Lazare, Paris, 1936
5. Fest zum Wahlsieg der Volksfront unter Léon Blum, Delegationen der Streikenden, Paris, 14. Juni 1936
6. Fest zum Wahlsieg der Volksfront unter Léon Blum, Streikende, Paris, 14. Juni 1936

Papierqualität: Bergger PrestigeWarmton Barytpapier
Hersteller: Larry Lazarus, Hamburg
Mappe: Archivkarton mit Leinenrücken
Hersteller Mappe: Christian Zwang, Hamburg

“Alles was ich photographiert habe, kam direkt aus dem Leben.”

von Inge Herold

Ré Soupaults Wiederentdeckung als Photographin verdankt sich zum einen dem Zufall und zum anderen der Hartnäckigkeit Manfred Metzners, dem Verleger ihres Mannes Philippe Soupault. Nach der Flucht aus Tunis 1942 glaubte sie ihre Negative zunächst verloren. Wie ein Wunder erscheint daher das Wiederauftauchen derselben: Ihre Freundin Simone Bessis hatte in den Souks von Tunis 1946 einen Kasten mit ihren Negativen, Vintages und Glasplatten entdeckt. Trotz einiger Verluste war ein wesentlicher Teil erhalten geblieben. Doch Ré Soupault verwertete diesen Fundus nicht, noch setzte sie ihre Arbeit als Photographin fort, eine Photoreportage, die sie 1950 in bayrischen Flüchtlingslagern machte, blieb ihre letzte Tätigkeit in diesem Bereich. Erst als sie 1987 Manfred Metzner das Material zeigte und er sie davon überzeugte, es zu veröffentlichen, trat Ré Soupault als Photographin wieder ins öffentliche Bewusstsein.

Ohne spezifische Ausbildung, aber ausgerüstet mit einer von Johannes Itten am Bauhaus erlernten „neuen Methode des Sehens“, hatte sie sich seit 1934 nach ihrer Zeit als Modezeichnerin und -schöpferin ambitioniert und souverän mit der Photographie auf ein neues Arbeitsgebiet geworfen, mit dem sie durch den Kontakt zu Umbo, Man Ray, Lee Miller, Florence Henri und Lucia Moholy bereits in Berührung gekommen war. Ré Soupault benutzte die Leica sowie die 6x6-Rolleiflex, später noch das Modell 4x4 – in einer Art Porträt hielt sie die beiden eigens im Bild fest. Die Rolleiflex erlaubte ihr, vor den Bauch gehalten, unauffällig und unbemerkt Aufnahmen zu machen. Ihre Motive fand sie zunächst in Paris, dann auch auf ihren Reisen mit Philippe Soupault. Ihre Photos erschienen begleitend zu dessen Reportagen u.a. in der 1928 von Lucien Vogel gegründeten Zeitschrift „VU“, in „La Revue de Medecin“, in „L´Excelsior“ und in „Travel“. Neben Selbstbildnissen und zahlreichen Porträtaufnahmen ihres Lebensgefährten galt ihr Hauptinteresse Situationen und Menschen, Szenen, die sie mit einem feinen Gespür für die Ausdruckskraft alltäglicher Momente festhielt. Ihr besonderes Augenmerk richtete sie dabei auf das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Masse. Die Serie über den Wahlsieg der Volksfront in Paris 1936 (B 5, B 6) zeigt dies ebenso eindringlich wie die Aufnahmen, die sie 1935 in Norwegen und 1936 in Spanien machte. Als point de vue liebte sie wie viele ihrer Zeitgenossen einerseits die Vogelsperspektive, die die geheime Choreographie der Straße sichtbar macht, und andererseits die Untersicht, mit der sie sich, die Kamera auf Bauchhöhe, unbemerkt den von ihr ins Auge gefassten Menschen nähern konnte. „Ré Soupault hatte keinerlei Interesse an Anekdoten und sensationellen Szenen. Sie interessierte sich für Räume und Strukturen… Die Zeit scheint in diesen studierenden, meditierenden Bildern stillzustehen, auch mitten in der Großstadt. Sie haben nichts mit der Begeisterung der konstruktivistischen Sehweise für Geschwindigkeiten zu tun und erst recht nichts mit den entsprechenden Mitteln optischer Schocks…“, so ihre Biographin Ursula März. („Du lebst wie im Hotel“. Die Welt der Ré Soupault, S. 61f.)

Wie Henri Cartier-Bresson besaß sie dabei den Blick für entscheidende Momente, gepaart mit einem Sinn für geometrische Formen und wirkungsvolle Hell-Dunkel-Kontraste. Dieser „Code der Geometrie“, wie ihn Ursula März nennt, ist in vielen ihrer Bilder zu finden, besonders schön etwa im Photo einer Hochzeitsgesellschaft in Paris, die Ré Soupault in naher Verwandtschaft zu einer Aufnahme Marianne Breslauers von einem erhöhten Standpunkt herab aufnahm (B 2). Von hier aus bot sich das ganze Spektrum zufälliger Begegnungen von Flächen und Linien dar: das Muster eines Hüpfspieles, das U-Bahn-Gitter, die gepunkteten Linien eines Fußgängerüberweges. Alltag und Fest, Jugend und Alter treten in einen inhaltlichen Dialog und das Ganze verdankt seine Aufführung und Choreographie dem Zufall.

Dieser Text stammt aus dem Katalog zur Ausstellung „Ré Soupault - Künstlerin im Zentrum der Avantgarde“ in der Kunsthalle Mannheim vom 13.2. – 8.5.2011, hrsg. von Inge Herold, Ulrike Lorenzen und Manfred Metzner, Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2011.

343 B1
343 B2
343 B3
343 B4
343 B5
343 B6

Ré Soupault ist 1901 in Pommern geboren. Von 1921-1925 studiert sie am Bauhaus Weimar u.a. bei Johannes Itten, Oskar Schlemmer, Wassili Kandinsky und Paul Klee. 1925 geht sie nach Berlin, wo sie zusammen mit dem Experimentalfilmer Viking Eggeling an dessen Film „Diagonal Symphonie“ arbeitet und erste Kontakte zur filmischen Avantgarde knüpft. Über ihren ersten Mann, den DADA-Künstler und Filmemacher Hans Richter findet sie Zugang zur Berliner und Pariser Bohème. 1929 zieht sie nach Paris und arbeitet als Modekorrespondentin für den Berliner Scherl-Verlag. 1931 gründet sie ihr eigenes Modeatelier „Ré Sport“. 1933 lernt sie ihren zweiten Mann kennen, Philippe Soupault –  einen der Initiatoren der DADA- und Surrealismus-Bewegung in Paris – , der als Schriftsteller und Journalist tätig ist. Ré Soupault begleitet ihn auf seinen zahlreichen Reportagereisen und beginnt parallel ihre eigene Arbeit mit der Kamera. Erst spät wird ihr Werk entdeckt, mit zahlreichen Ausstellungen gewürdigt und im Verlag Das Wunderhorn publiziert, u.a. die Biographie Ursula März: „Du lebst wie im Hotel“. Die Welt der Ré Soupault, Heidelberg, 1999; Manfred Metzner (Hrsg.): Ré Soupault, Paris 1934-1938, Heidelberg 1994. Sie stirbt 1996 in Versailles.

 

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