Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

Daniel Roth

Einzelblatt / Objekt
Kassette mit Lithographie, Photographie im Handoffsetdruck und montierten Objekten
E 493
DIE STRASSE
51,5 x 38,0 cm x 5,3 cm

Papierqualität: Lithographie: 250 g/qm, Zerkall Alt Mainz, weiß satiniert
Photographie im Handoffsetdruck: 250 g/qm Distinction Edition, elfenbein
Drucker: Alexander Frohberg, Karlsruhe
Kassette: Graupappe mit Leinenrücken und Blindprägung
Hersteller Kassette: Buchbinderei Zwang, Hamburg

Spuren

von Stephanie Bunk

»Beim ersten grauen Licht stand er auf, ließ den Jungen schlafen und ging auf die Straße, wo er sich niederhockte und die Landschaft im Süden musterte. Öde stumm, gottverlassen. Er meinte, es sei Oktober, doch er war sich nicht sicher. Er hatte schon seit Jahren keinen Kalender mehr geführt. Sie zogen Richtung Süden. Noch ein Winter hier war nicht zu überleben.«
Cormac McCarthy: Die Straße
, Hamburg 2007

Die Spuren, die Daniel Roth mit seiner Edition DIE STRASSE auslegt, sind vielfältig. Welcher soll man folgen? Da ist zunächst das Objekt selbst. Es bewegt sich zwischen Buch und Box. Man kann es hinstellen oder -legen, offen oder geschlossen, sodass nur der Titel zu sehen ist. »DIE STRASSE« steht dort eingelassen als Blindprägung in den groben Karton, sodass sie erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Das Buch bzw. die Literatur spielen eine große Rolle im Werk von Daniel Roth, immer wieder verweist er auf Texte, und so ist auch der Titel unserer Edition in Anlehnung an das bedeutende Buch Die Straße von Cormac McCarthy entstanden. Es handelt von der Wanderung eines Vaters mit seinem Sohn entlang einer Straße. Ihr Weg führt sie durch ein postapokalyptisches Amerika Richtung Küste, wobei die Straße für sie genauso Orientierung wie Gefahr bedeutet. Erzählerische Strukturen liegen auch den Arbeiten Roths zugrunde, nur lassen sie sich nicht im eigentlichen Sinne »lesen«. Die Narration entsteht erst im Kopf des Betrachters, der den einzelnen Spuren folgt und sie zueinander in Beziehung setzt. Daniel Roth verwebt in seinen Arbeiten sichtbare und unsichtbare Räume zu einem weltumspannenden Netz, in dem sich Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden lassen. Seine Räume nehmen ihren Ausgang an vorgefundenen Orten, die der Künstler in seinen Bildern und Installationen als Hinweise auf eine verborgene, mythische Wirklichkeit inszeniert.

Auch in unserer Edition geht es um die Geschichte einer imaginären Wanderung. Die Gegenstände in der Box, ein leicht angespitzter Holzstock mit einer Drahtschlinge, die durch zwei verschieden farbige Bindfäden gehalten wird, sowie ein kleines Apothekenglas, könnten genauso gut die Habseligkeiten eines Erwachsenen wie der Schatz eines Kindes sein. Daneben sind eine Zeichnung und die Schwarzweiß-Photographie eines Hauses zu finden, die wie die Erinnerung an einen bestimmten Ort anmuten oder vielleicht sogar als Wegbeschreibung dorthin zu verstehen sind. Wären diese Dokumente eine Wegbeschreibung von A nach B, so könnte der Weg bei dem Haus beginnen und zu einem Monolithen mit einem kleinen Loch führen, das auch das Ziel bzw. der Eingang sein könnte. Dazwischen führt der Weg durch eine seltsam kartierte Landschaft. Um diese genauer zu beschreiben, verweist Roth auf eine Installation, die er 2013 in der Galerie Meyer Riegger gezeigt hat: In der Arbeit Kartograph und Gelände beschäftigt sich der Künstler mit wandernden Tieren, die sich im Sterben in Inseln verwandeln. Jeder Tierkörper transformiert zu einem Landschaftsfragment, die in ihrer Gesamtheit eine Art Pfad oder Straße bilden. »Die Zeichnung und die Gegenstände aus unserer Edition könnten dazu dienen«, schreibt der Künstler, »eine Straße auf diesen Inseln zu finden und deren Fiktion zu folgen.« Hier enden die Spuren und überlassen den weiteren Weg den zukünftigen Besitzern dieses Buchobjekts.


A-REIHE, 324. WAHL, IV. QUARTAL 2006
Secret Garden, Ruby Beach, 2006
Heliogravüren, zweiteilig auf einem Bogen gedruckt, à la puppée eingefärbt mit drei Farben

1. Island 1 58,5 x 41,5 cm
2. Island 2 58,5 x 41,5 cm
3. Island 3 58,5 x 41,5 cm
4. Island 4 58,5 x 41,5 cm
5. Island 5 58,5 x 41,5 cm
6. Island 6 58,5 x 41,5 cm

Papierqualität: Zerkall Bütten 270 g/qm
Drucker: Kunst- und Radierwerkstatt W. Jesse, Inh. Jäger, Berlin

Es scheint mir nicht, sagte Austerlitz, dass wir die Gesetze verstehen, unter denen sich die Wiederkunft der Vergangenheit vollzieht, doch ist es mir immer mehr, als gäbe es überhaupt keine Zeit, sondern nur verschiedene, nach einer höheren Stereometrie ineinander verschachtelte Räume, zwischen denen die Lebendigen und die Toten, je nachdem wie es ihnen zumute ist, hin und her gehen können, und je länger ich es bedenke, desto mehr kommt es mir vor, dass wir, die wir uns noch am Leben befinden, in den Augen der Toten irreale und nur manchmal, unter bestimmten Lichtverhältnissen und atmosphärischen Bedingungen sichtbar werdende Wesen sind.
W.G. Sebald, Austerlitz

Daniel Roth verwebt in seinen Arbeiten sichtbare und unsichtbare Räume zu einem Welt umspannenden Netz, in dem sich Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden lassen. Seine Räume nehmen ihren Ausgang an vorgefundenen Orten, die der Künstler in seinen Bildern und Installationen als Hinweise auf eine verborgene, mythische Wirklichkeit inszeniert. Seine Szenerien wirken melancholisch, verlassen und nur Spuren erinnern an die Präsenz des Menschen. Die Serie Secret Garden, Ruby Beach handelt von imaginären Gärten auf Felsen an der Pazifikküste vor Seattle, die aufgrund ihrer Abgeschlossenheit und Unerreichbarkeit seltene und geheimnisvolle Pflanzen beherbergen. Die geheimen Gärten auf den monolithartigen Gebäuden sind unbestimmte Orte, die ihr Aussehen je nach Witterung und Lichtverhältnissen ändern und wie die Lebenden im obigen Zitat nur unter besonderen atmosphärischen Bedingungen sichtbar werden. Charakteristisch für Roths Arbeit ist die Verknüpfung von literarischen Texten, Fundstücken, Karten und Dokumenten in verschiedenen Medien. So verbindet er in seinen Heliogravüren durch den Druck mit zwei Platten auf einem Bogen Photographien der fernen Landschaft mit detaillierten Zeichnungen der Gärten. Mit „Verbindung“ als zentralem Begriff für die Bedeutung der Zeichnung in Daniel Roths Werk befasst sich Harald Klingelhöller in seinem Katalogbeitrag anlässlich der Verleihung des Horst- Janssen-Graphikpreises 2005 an den Künstler:

Daniel Roth zeichnet auf verschiedenen Gründen. Es gibt Wandzeichnungen, manche ausgedehnt auf mehrere Wände eines Raumes. Es gibt Zeichnungen auf mit Wandfarbe verschliffenen Holzträgern mit abgerundeten Kanten, sowie Zeichnungen auf Papier, bis auf wenige Ausnahmen gerahmt. Die Zeichnungen auf Papier verdanken auch ihrer Rahmung eine Freistellung von der Wand und eine Eingrenzung ihres eigenen Raumes, die ihnen erlaubt sowohl mit anderen Zeichnungen als auch anderen Darstellungsweisen, wie Photographien, Objekten oder Elementen räumlicher Eingriffe, narrative Ketten zu bilden. Daniel Roths Zeichnungen sind ausschließlich auf die Linie reduziert. Es gibt keine Schraffuren, keine Strukturen, keine Grauwerte. Die Linien zeigen kein Temperament, haben keine nervösen Ausschläge, Veränderungen des Drucks oder der Linienstärke sind nicht zu bemerken. Sie sind zwar eindeutig Handschrift, doch die Hand scheint in gleichmäßiger Langsamkeit einem unsichtbaren Plan unterhalb des Zeichengrundes gefolgt zu sein. Das lässt sie selber manchmal wie einen Plan erscheinen oder erinnert an die Akkuratheit wissenschaftlicher Zeichnungen. Bei weiterer Betrachtung werden die Linien immer selbstständiger. Sie scheinen keinerlei Kontakt zu den Formen und Gegenständen zu haben, die sie bezeichnen. Vielmehr umfahren sie das Zubezeichnende in einem imaginären Abstand, um es so einzuschließen. Sie kommen nie vom Außenrand des Zeichengrundes, sondern tauchen innerhalb seiner Fläche auf. Sie scheinen in gewisser Weise den Zeichengrund mit den Motiven unterhalb seiner Oberfläche zu verbinden.
Verbindung könnte ein entscheidender Begriff für die Qualität und die Funktion der Linie, sowie der Zeichnung überhaupt in Daniel Roths Formkomplex sein. Verbindung verschiedener Medien, verschiedener Realitätsebenen, verschiedener Kontexte. Mit dem Aspekt der Verbindung drängen sich wiederum Assoziationen auf, die durch Elemente des Roth-Szenarios genährt werden: Fäden, Leitungen, Röhren, Gänge, Bohrungen, Tunnel und Seilbahnen, Netze, vielleicht auch das Kapillarsystem des Fünftälerserums, das alles, das es berührt, in ein Phantasma verwandelt.
Harald Klingelhöller

324 A1
324 A2
324 A3
324 A4
324 A5
324 A6
E 493

Daniel Roth

1969 geboren in Schramberg

 

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