Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition

Thomas Kilpper

Triptychon aus drei Hochdrucken

E 498, E 499, E 500
Hi Mr. Schiller, can art unify society?
jeweils 95,5 x 64,0 cm, zusammen 95,5 x 192,0 cm

Papierqualität: 250 g/qm Zerkall Bütten
Drucker: Saal-Presse, Bergsdorf

Von Friedrich Schiller zu Edward Snowden

In der Frühjahrswahl 2013 haben wir Ihnen den Künstler Thomas Kilpper mit Drucken aus seinem Bodenschnittprojekt State of Control vorgestellt. Hierfür hatte er 2009 den Boden der Kantine des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR bearbeitet. Wie viele unserer Mitglieder waren wir beeindruckt und begeistert von seinem Werk, sodass wir ihn im Rahmen unserer Ausstellungsserie [Imprint] ins Kunsthaus Hamburg eingeladen haben. In der retrospektiv angelegten Ausstellung Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking war von Juni bis September 2014 neben Originaldrucken aus zahlreichen Projekten und dem Originalboden seines Beitrags zur Biennale von Venedig, erstmals das Triptychon zu sehen, das Kilpper für die griffelkunst entwickelt hat. Auch für ihn war es eine Art Premiere, denn es war die erste Arbeit, die in seinem Berliner Atelier entstanden ist und die nicht wie üblich direkt vor Ort in den Boden geschnitten wurde. Die Edition besteht aus drei Blättern, die aneinandergereiht ein großformatiges Triptychon bilden. Jedes Blatt kann aber auch für sich allein stehen.
In einem Interview, das Christiane Mennicke-Schwarz für das zur Ausstellung erschienene Portfolio No 8 mit dem Künstler geführt hat, beschreibt Thomas Kilpper seine Überlegungen zum Verhältnis von Kunst und Freiheit, die in das Motiv eingeflossen sind:

Christiane Mennicke-Schwarz: Deine neue Arbeit Hi Mr. Schiller, can art unify society? besteht aus drei Teilen, sie basiert auf einem Gespräch zwischen Edward Snowden und Friedrich Schiller, dem eine ganze Reihe weiterer Persönlichkeiten beiwohnen. Ich greife zwei heraus, die mich besonders interessieren: Louise Bourgeois und Charlotte Moorman. Welche Aktualität halten die beiden für uns heute bereit, und wie lässt sich überhaupt ein aktueller Diskurs über Freiheit, Schönheit und die Rolle der Kunst in der Gesellschaft führen?
Thomas Kilpper: Snowden fragt Schiller: »Kann Kunst die Gesellschaft tatsächlich einen?« Das ist eine These seiner ästhetischen Briefe, zumal diese hin und wieder gesellschaftlich polarisiert… Und Schiller bejaht: »Ja, Schönheit geht der Freiheit voran.« Er entwickelt den Zusammenhang zwischen Ästhetik und Emanzipation, Kunst und Freiheit. Das ist nach wie vor aktuell und ich wollte, dass es durch Edward Snowden zur Sprache kommt. Er hat seine ehemals konspirative Tätigkeit für den Geheimdienst umgedreht in einem Akt der Aufklärrung. Louise Bourgeois, Charlotte Moorman und die anderen nehmen an dem Gespräch aufgrund meiner Zuneigung und Wertschätzung teil. Beide wurden angefeindet für das, was sie machten und aussprachen. Sie haben sich mit schmerzhaften Erfahrungen auseinandergesetzt und dabei eine neue künstlerische Sprache entwickelt. Darin sehe ich Wurzeln universeller und emanzipativer Schritte zu Freiheit.


C-Reihe / 349. Wahl I. Quartal 2013
Hochdrucke

1. Abhörmethoden des MfS, 1980er Jahre 55,4 x 89,6 cm
2. Fingerabdruck des Innenministers Wolfgang Schäuble, 2007 77,6 x 67,6 cm
3. Aufbewahrung von Geruchsproben durch das MfS, 1980er Jahre 48,2 x 89,2 cm
4. Horst Herold (*1923), BKA-Präsident (1971–1981), Erfinder und Motor zur Anwendung der Rasterfahndung 59,1 x 59,1 cm
5. Kontrolle Neuzugang in DDR-Gefängnis, 1980er Jahre 88,9 x 69,2 cm
6. Ulrike Meinhof (*1934 †1976), Besuch im Mädchenerziehungsheim Breitenau, Guxhagen bei Kassel, 1969 77,5 x 69,5 cm

Papierqualität: 220 g/qm Natural Line Velin Werkdruckpapier Hahnemühle
Hersteller: Tabor Presse, Berlin

Widerstand von unten

von Stephanie Bunk

Die Bewegungen der Stühle haben auf dem Linoliumboden in der Kantine des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR ihre Spuren hinterlassen. Als sichelförmige Leerstellen erscheinen sie auf den Drucken, die Thomas Kilpper direkt vom Boden abgenommen hat. Wer mag hier gesessen haben, was wurde besprochen, was wurde gefeiert? Hat auch die Geschichte hier ihre Spuren hinterlassen?
Thomas Kilpper besetzt leer stehende Orte und erzählt deren Geschichte, indem er ihren Boden mit hohem physischem Einsatz bearbeitet. Er schneidet ihn auf und verändert die vorgefundene Substanz so lange, bis sie ihre oft im Verborgenen liegende Vergangenheit zum Vorschein bringt. Seit 1999 realisiert er raumbezogene Bodenschnitt-Projekte, wobei das Projekt State of Control im ehemaligen Ministerium für Staatsicherheit der DDR das bisher größte ist. Hierfür hat der Künstler 2009 den gesamten 800 Quadratmeter großen Linolfußboden der ehemaligen Kantine des Ministeriums mit einem Mosaik aus Bildern versehen, die nach photographischen Vorlagen entstanden sind und einen Bezug zur staatlichen Überwachung herstellen. Die Drucke, die Kilpper nach der Fertigstellung direkt vom Fußboden mit einer extra dafür entwickelten Walze abnimmt, versteht er selbst eher als ein Nebenprodukt seiner Interventionen. Trotz der schwierigen Arbeitsbedingungen und dem sehr harten Untergrund sind die Motive fein ausgearbeitet und wirken teilweise malerisch in ihrer Umsetzung. Mittels eines digitalen Transferverfahrens konnten für die Griffelkunst-Edition aus Ausschnitten dieser Drucke neue Druckstöcke hergestellt werden. Die Hochdrucke der Edition entsprechen dadurch bis in kleinste Details und bis hin zu jedem einzelnen Staubkorn den Drucken vom im Gebäude verbliebenen Fußboden.
Indem Thomas Kilpper vor allem mit Porträts arbeitet, versucht er »Personen als Träger von Geschichte fassbar zu machen«. Neben den Mitgliedern der DDR-Regierung setzt er Personen wie Ché Guevara, Rosa Luxemburg und Ulrike Meinhof sowie Politiker aus der BRD wie Horst Herold und Wolfgang Schäuble (die drei letzteren sind Motive unserer Edition) zueinander in Beziehung. Auch wenn man sie zunächst nicht mit dem DDR-Regime in Verbindung bringen würde, gehört sie doch zu dem selben Bezugssystem, in dem der Künstler die Methoden der Staatssicherheit und des Widerstands gegen sie verortet sieht. In insgesamt 91 Motiven erzählt Kilpper so auch die »Vorgeschichte der ›Geschichte‹, bricht festgefügte Vorstellungen und Bilder auf, die sich in uns zu geschichtlichen Wahrheiten verfestigt haben.« (Marius Babias, in: Thomas Kilpper. State of Control. n.b.k. Ausstellungen, Köln, 2009, S. 10). Durch sein mit dem Sampling vergleichbaren Vorgehen ist der Betrachter dazu aufgefordert, die größeren Zusammenhänge und die bestehenden Vorstellungen von Gut und Böse zu reflektieren, infrage zu stellen und zu differenzieren.

Thomas Kilpper

1956 geboren in Stuttgart

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