Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

Anke Feuchtenberger

B-Reihe, 334. Wahl, II. Quartal 2009
Siebdrucke, 2009
59,0 x 42,0 cm

1. Mein Herz
2. Der Wunderbaum
3. Troika
4. Romantisches Gesicht
5. Rotes Kleid
6. Operation

Papierqualität: Rosaspina
Drucker: Squadro, Bologna

griffelkunst: Sie gelten als wichtige Protagonistin der deutschen Comic-Avantgarde. Wie sind Sie zu dieser Kunstform gekommen und was macht die Besonderheiten aus?

AF: Ich habe Graphik studiert und längere Zeit für das Theater gearbeitet. Als ich sehr spät erst das Medium Comic kennenlernte, erschien es mir das richtige Medium, um Bilder im Zusammenhang mit Texten zeichnen zu können, ohne den Text zu illustrieren, Bilder, die selber auch erzählen. Die Besonderheit ist, dass die Kunstform Comic gerade sehr interessante Sprosse entwickelt, wie die „graphic novel“, die autobiographische Erzählung und eine Menge künstlerischer Produktionen, die erzählend zeichnen. Das ist dann schon sehr konzeptionell. Dass man die Bilderzählungen im privaten Bereich lesen, das Offene und nicht auf Museen und Galerien Spekulierende, das Herstellen von Büchern überhaupt reizt mich an diesem Medium.

griffelkunst: Wie entwickeln Sie Ihre Figuren und Kompositionen? Gibt es kunsthistorische Vorbilder?

AF: Ich schreibe viel, zeichne viel und beobachte. Meine Bilder sind ein Konglomerat daraus, an dem ich bezüglich der Komposition lange herumfeile. Ich zeichne gern mit Kohle, weil ich die Bilder quasi aus dem Untergrund herausholen kann, ohne mir vorher allzu bewusst sein zu müssen, was da entstehen soll. Vorbilder, die mich sehr geprägt haben, wie Volker Pfüller, Jiri Trnka und die Zeichnungen von Giacometti, hatte ich als ich jung war. Jetzt bewundere ich eher Kreationen, die nicht aus der Kunstrichtung stammen, in der ich auch arbeite: in der Literatur z.B. Georg Klein, im Film David Lynch in der Musik Arvo Pärt. Japanische Farbholzschnitte sind für mich Vorbilder insbesondere was den Zusammendruck von Farben angeht.

griffelkunst: Seit über zehn Jahren arbeiten Sie mit der Schriftstellerin Katrin de Vries zusammen und erzählen mit ihr gemeinsam Geschichten über die Hure H. In großen Bildern zeichnen Sie in schwarzer Kohle Bild-Strecken über die Hauptfigur. Wie viele Bücher sind in den letzten Jahren erschienen und worum geht es in den Geschichten über die Hure H?

AF: Mit Katrin de Vries sind drei Hure H-Bücher erschienen mit jeweils drei kurzen Geschichten, die für mich ihren Abschluss im letzten Band „Die Hure H wirft den Handschuh“ gefunden haben. Im Ganzen habe ich etwa 18 Bücher mit Bildgeschichten veröffentlicht. In den Erzählungen um die Hure H geht es um den weiblichen Körper, um das, was wir befürchten, phantasieren und nicht erwarten, wenn wir den Begriff Hure hören. Die Hure H ist immer auf dem Wege, sich zu finden und sich wieder zu verlieren. Katrin de Vries hat mir die Möglichkeit gegeben, zu ihren wunderbaren Prosatexten zu zeichnen. Die Texte über die Hure H lassen sehr viel Raum für Imaginationen. Mir selber war sie völlig unbekannt, obwohl sie so viel Erinnerung und Projektion in Gang setzte. Das hat mich gereizt, ihr auf dem Weg zu folgen.

griffelkunst: Burkhard Müller schreibt über diese Arbeit in der Süddeutschen Zeitung: „An solchen Stellen ahnt man, wie der literarische Anteil dieser Koproduktion, weit davon entfernt, nur Drehbuch zu sein, der Bildphantasie den Pfad gewiesen hat; wie der Text zeugt und das Bild empfängt.” Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Schriftstellerin und Zeichnerin vorstellen?

AF: Ich habe fertige Prosatexte von Katrin de Vries bekommen und musste sie mir aufschließen und füllte sie mit meiner Bildimagination. Dass ich dabei auf ganz eigene Geschichten gestoßen bin, liegt an der Freiheit, die mir Katrin de Vries in ihren Textbildern lässt. Die Bilder haben eine eigene Logik und so habe ich den Text wie einen roten Faden benutzt. Die Bilder stürzen sich unversehens in andere Welten.

griffelkunst: In Ihren meist doppeldeutigen Bildsequenzen und auch in Ihren größeren Arbeiten auf Leinwand arbeiten Sie häufig schwarz-weiß mit Kohle. Ihre Bildwelten stellen dabei traumhaft-unwirkliche Szenarien dar, die zwischen Phantastik und Surrealismus angesiedelt sind. Für die griffelkunst ist eine farbenfrohe Siebdruck-Edition in gold, grün und rot mit sechs „Liebes-Ikonen” entstanden. Was erzählen Sie in dieser Serie?

AF: Auch die für die griffelkunst entstandenen Bilder sind surreal. Ich arbeitete unter dem Motto: „Pathos und Peinlichkeit”. Wie weit kann man so expressive Gefühle, wie die der Zuneigung, darstellen? Wahrscheinlich gar nicht, ohne pathetisch oder peinlich zu sein. So habe ich wirklich süße Symbole, wie das Vöglein, das Paar, das Herz, den Blitzschlag aus heiterem Himmel, das kleine Mädchen, das rote Kleid benutzt und sie in einen ungewohnten Zusammenhang gebracht. Die Farben waren mir dabei sehr wichtig in ihrer Leuchtkraft und Unvermischtheit. Wie oben schon gesagt, benutze ich zum Zeichnen gern die Möglichkeit der Schichtung und ewigen Korrektur, die mir die Kohle erlaubt. Beim Drucken komme ich eher aus dem Offset- und dem Siebdruck, mit welchem ich viele Jahre Plakate realisiert habe. Und da entstehen Farben erst im Druckprozess. Vorher muss man sie imaginieren und sehr aufmerksam sein beim Filmezeichnen der einzelnen Farbauszüge. Dieses Risiko macht mir Spaß.

griffelkunst: In fast allen Drucken für diese Edition haben Sie eine Farbe in „Floccaggio” drucken lassen. Was ist das für eine Technik?

AF: Das ist eine Farbe, bei der mit dem Sieb zuerst eine Art Kleber gedruckt wird und dann wird die Farbe, die noch mal als Schablone ausgeschnitten werden muss, draufgebügelt. Während der Erhitzung quillt die Farbe etwas und lässt moosartige Pölsterchen entstehen. Die Farbe ist somit taktil und optisch sehr verschieden von den anderen Farben und von samtiger Tiefe.

(E-Mail-Interview mit Anke Feuchtenberger, Januar 2009)

334 B1
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Anke Feuchtenberger

1963 geboren in Ost-Berlin

 

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