Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

Jürgen von Dückerhoff

C-Reihe, 342. Wahl, II. Quartal 2011
Das unsichtbare Dritte, 2011, Duplexdrucke mit Frottagen und Ausradierungen des Künstlers

1. ohne Titel (30,5 x 25,0 cm)
2. ohne Titel (30,5 x 23,0 cm)
3. ohne Titel (33,5 x 23,5 cm)
4. ohne Titel (29,5 x 23,0 cm)
5. ohne Titel (29,0 x 21,5 cm)
6. ohne Titel (31,5 x 23,5 cm)

Papierqualität: Optisilk 200 g/qm
Drucker: Druckerei Priess, Hamburg

Jürgen von Dückerhoffs Arbeit war eine große Herausforderung für die griffelkunst, denn sie bewegt sich an den Grenzen der Druckgraphik. Der Künstler rückt Bildern auf Buchseiten mit einem Radiergummi zu Leibe und verändert die vorgefundenen Motive dadurch so stark, dass neue Bildschöpfungen entstehen. Dabei kommen vom Künstler entworfene Klischees und andere Materialien zum Einsatz, die er unter die Bögen legt, und durch die Frottagetechnik, also durch Abreibung, in seine Motive einarbeitet. Bei beiden Techniken, dem Ausradieren und der Frottage, wird das Papier als Druckträger wieder sichtbar gemacht und damit der eigentliche Druckprozess umgekehrt: Nicht durch den Auftrag, sondern durch das Entfernen von Farbe entstehen Bilder. Durch die damit verbundene Veränderung der Oberfläche setzt ein eigentümlicher, dreidimensionaler Effekt ein. Es scheint, als würden tiefere Schichten des Bildes und damit verborgene Inhalte freigelegt, die, im Bild angelegt, erst durch den Künstler zu Tage befördert werden.

Jürgen von Dückerhoff verwandelt durch seine Arbeitsweise die in hohen Auflagen gedruckten Buchseiten in Unikate, und genau diesen Prozess wollten wir auch in unserer Edition einsetzen. Dazu hat der Künstler „optimale Vorlagen“ geschaffen, indem er die Originalseiten für den Druck bearbeitet hat. Diese Vorlagen wurden im edlen Duplex-Verfahren gedruckt und anschließend vom Künstler einzeln von Hand ausradiert oder frottiert. Das Ergebnis sind Unikate, die jedoch allein auf der Basis von Druckverfahren möglich sind. Als Ausgangsmaterial für die Griffelkunst-Edition verwendet der Künstler Seiten aus Kunstkatalogen und Bildbänden, die bis in die 1960er-Jahre zurückreichen, so dass die Persönlichkeiten und Sehenswürdigkeiten von einst heute schon historisch und eher fremd anmuten. Die klassischen Porträtphotos, die in Blatt 2 und 3 der Serie verändert wurden, würden auch ohne Jürgen von Dückerhoffs Eingriff für die meisten einen Unbekannten zeigen. Die maskenhafte Ausradierung bzw. die rauchartige Überlagerung lässt die Gesichter jedoch vollends zu surrealen Phantombildern gerinnen. Durch das Verweben verschiedener Bildwelten und Zeitebenen erreicht von Dückerhoff eine Irritation der Sehgewohnheiten, die seinen Motiven etwas Gespenstisches, Geheimnisvolles, sogar Unheimliches verleiht. Für Sigmund Freud ist das Unheimliche das einst Vertraute, das – verdrängt oder über- wunden – im Unbewussten verborgen liegt. In dieses Unbewusste gewähren Jürgen von Dückerhoffs Bilder einen Einblick, wobei er nicht nur auf das individuelle, sondern auch auf das kollektive Unbewusste abzielt, wie es sich gerade in Bildern zeigt. Was es da zu sehen gibt, wirkt vielleicht erschreckend und bedrohlich, doch gleichzeitig sind die Szenarien ironisch gebrochen und humorvoll.

Das erste und letzte Blatt der Griffelkunst-Edition sind durch ein gemeinsames Motiv verbunden, das für die gesamte Serie als Klammer funktioniert und auch im Titel der Serie „Das unsichtbare Dritte“ anklingt. Die in Stein gehauenen Konterfeis der amerikanischen Präsidenten, wie sie im Mount Rushmore National Memorial zu sehen sind und prominent in dem Hitchcock Film „Der unsichtbare Dritte“ Einsatz fanden, zieren durch von Dückerhoffs Überarbeitung eine steinerne Büste und geben einem Rodeo-Pferd ein neues Gesicht. Durch diese Verschiebung verlieren die Präsidenten-Köpfe ihre Monumentalität und wirken wie ein ironischer Kommentar zum Genre Porträt und den Vereinigten Staaten. Vor allem aber macht der Künstler sichtbar, wie kollektive Erinnerungsbilder nachwirken, sich verändern und neue Gestalt annehmen.

Stephanie Bunk

342 C1
342 C2
342 C3
342 C4
342 C5
342 C6

Jürgen Dückerhoff

1973 geboren in Keeken, Niederrhein

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