Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

Martin Boyce

C-REIHE, 323. WAHL, III. QUARTAL 2006
Heliogravüren

1. ohne Titel (Concrete Trees Repeat) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (einfarbig)
2. ohne Titel (Concrete Autumn) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (Zwei-Plattendruck)
3. ohne Titel (Broken Fall) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (Zwei-Plattendruck)
4. ohne Titel (Concrete Leaves) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (einfarbig)
5. ohne Titel (Electric Trees) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (einfarbig)
6. ohne Titel (Broken Fall Broken) 59,0 x 79,5 cm / 50,5 x 72,0 cm (Drei-Plattendruck)

Papierqualität: Zerkall Bütten 270 g/qm
Drucker: Kunst- und Radierwerkstatt W. Jesse, Inh. Jäger, Berlin

Das Werk von Martin Boyce, 1967 in Glasgow geboren, verfügt über eine schier unendliche Zahl an Referenzen auf Objekte der Kunst-, Architektur- und Designgeschichte und ihren gesellschaftlichen Entstehungskontext ebenso wie auf seine eigenen Arbeiten. In langen Zyklen widmet er sich einem Gegenstand bzw. Thema, dem er sich formal auf verschiedene Art und Weise nähert. Aus seiner Beschäftigung mit dem modernistischen Design der 40er/50er Jahre und seinen Protagonisten, den Brüdern Charles und Ray Eames und dem Erfinder der „Ameise“, Arne Jacobsen, beispielsweise sind zahlreiche Installationen, Skulpturen und Bilder entstanden. Neben internationalen Ausstellungsstationen waren einige dieser Arbeiten vor zwei Jahren auch Teil der viel beachteten Ausstellung des Hamburger Kunstvereins Formalismus. Moderne Kunst, heute.

Anlässlich einer großen Installation von Martin Boyce für das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt schreibt Udo Kittelmann über Boyces Reflexion der Moderne und seinen speziellen Zugriff auf die „Designklassiker“:

Die Rezeption dieser gut gestalteten, funktionalen und ursprünglich oft preiswerten Objekte, deren Formen die Verfahren der Massenproduktion erkennen lassen, hat sich im Laufe der Zeit verändert. „Es ist doch so,“ so Martin Boyce, „dass wenn man eine Ästhetik von einer historischen Periode in eine andere überführt, den Zeitgeist, die sozialen und kulturellen Verhältnisse jener Periode wieder schaffen kann. Während der Zeitreise kultiviert die Ästhetik jedoch ihr eigenes Ethos, das eben nicht selten auf mit Geld assoziierten Vorstellungen von Geschmack und Exklusivität basiert.“ So gesehen gilt das Hauptaugenmerk von Martin Boyce auch dem Zusammenbruch der utopischen Visionen des in der letzten Jahrhundertmitte neu auftauchenden modernen Designs durch die Kultur des Expertenwissens und deren Wertbegriffe, in der sich diese Dinge heute wieder finden. Das Kollabieren der Zeit und einer spezifischen Ideologie nutzt Martin Boyce und lässt neue unbekannte Landschaften entstehen, die zwischen dem Gestern und dem Jetzt vermitteln. Martin Boyce beraubt das gestrige modernistische Design seiner ehemaligen Funktion und Ästhetik und verwandelt es in verstörende und beunruhigende Objekte und Installationen.

(in: Martin Boyce. For 1959 Capital Avenue, Revolver Archiv für aktuelle Kunst 2002)

Boyce Edition für die griffelkunst gehört zu einer Gruppe von Arbeiten, in denen er sich mit den Stahlbeton-Bäumen des französischen Architekten Robert Mallet- Stevens auseinandersetzt, die 1925 in der Pariser Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes zu sehen waren. Unter anderem hat Boyce die Bäume in Papier nachgebaut und von den Papiermodellen Photogramme und Photographien erstellt sowie ausgehend von den Elementen der Bäume ein Mobile aus Stahl entworfen. Auch seine druckgraphischen Arbeiten basieren auf einem von den formalen Proportionen der Bäume abgeleiteten Muster. In diesem Muster hat er wiederum Buchstaben entdeckt und daraus eine Schrift entwickelt. So öffnet er auf Ebene der Sprache einen weiteren, poetischen Zugang zum Motiv.
Je mehr man bereit ist, sich auf das Boyce’sche Universum einzulassen, desto spannender wird es, den bisweilen verschlungenen Pfaden der ästhetischen Auseinandersetzung mit seinem Gegenstand zu folgen. Innerhalb der Edition lassen sich, auch ohne Vorwissen, einige Entwicklungen nachvollziehen: Die beiden von zwei Platten (schwarz auf einen nahezu transparenten Farbton) gedruckten Motive zeigen wie Boyce die Schrift aus dem fortlaufenden Muster entwickelt hat, das im ersten Druck der Serie vorgestellt wird. Auch die Platzierung der artifiziellen Buchstaben in dem ebenfalls in transparent bis schwarz Abstufungen dreifach übereinander gedruckten Broken Fall basiert auf diesem Grundmuster. Hier wird es jedoch nicht mit abgebildet, wodurch die Buchstaben tatsächlich in die Tiefe zu fallen scheinen. Neben Übersetzungen wie „fallen“, aber auch „Zusammenbruch“, ist „Fall“ im amerikanischen Englisch auch ein Synonym für Herbst, womit sich einerseits der Kreis zu den mit „Autumn“ betitelten Drucken schließt und andererseits neue Assoziationen geweckt werden, etwa zu fallendem Herbstlaub. Anhand der Konzeption der Serie lässt sich anschaulich aufzeigen, dass die Arbeiten von Martin Boyce zusätzlich zu ihrer formalen Strenge und inhaltlichen Komplexität stets auch einen unmittelbar ästhetischen, fast spielerischen Zugang anbieten – und genau darin liegt ihre besondere Qualität.

323 C1
323 C2
323 C3
323 C4
323 C5
323 C6

Martin Boyce

1967 geboren in Glasgow

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