Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

Andy Hope 1930 (Andreas Hofer)

E 492
Robin Dostoyevsky

zweiteilig, Umschlag und Innenblatt
Innenblatt: 65,0 x 50,0 cm / 49,5 x 35,6 cm
Umschlag: 72,0 x 51,0 cm / 69,0 x 53,0 cm

Papierqualität:
Innenblatt: 340 g/qm Alt Bern Zerkall Bütten
Umschlag: 350 g/qm Alt Trier Zerkall Bütten
Drucker: Fritze Margull, Berlin

Robin Dostoyevsky by Andy Hope 1930

von Stephanie Bunk

2010 haben wir bereits Andy Hope 1930, wie sich der Künstler Andreas Hofer seitdem nennt, mit einer Serie vorgestellt. Nun konnten wir ihn für ein ganz besonderes Einzelblatt gewinnen. Es besteht aus zwei großformatigen Schwarzweiß-Heliogravüren, wobei die eine als Umschlag für die andere Graphik angelegt ist. Das Umschlagbild, ursprünglich eine Collage aus verschiedenen Musterstoffen, die auf Vorlagen des britischen Malers, Architekten und Mitbegründers der Arts and Crafts Bewegung William Morris basieren, zieren die verschlungenen Initialen RD. Das innenliegende Porträt mit der signifikanten Signatur des Künstlers Robin by Andy Hope 1930 erinnert an eine Sammelkarte aus den 1940er Jahren, was der Zeit des ersten Auftritts Robins als Figur in den Batman-Comics entspricht.

Eine wesentliche Quelle der opulenten Bildwelten von Andy Hope 1930 sind die Superhelden-Comics, deren Protagonisten wie Superman oder Batman in zahlreichen seiner Arbeiten von Bedeutung sind. Er verwebt sie mit Motiven aus Mythologie, Geschichte und Kunstgeschichte genauso wie aus Western und Science-Fiction. Dies ist auch in einer Serie von aktuellen Arbeiten des Künstlers der Fall, in deren Zusammenhang die Motive der Griffelkunst-Edition entstanden sind. Sie kreist um die imaginative Figur Robin Dostoyevsky, der er 2011 eine Ausstellung im Centro de Arte Contemporáneo de Málaga gewidmet hat. Andy Hope lässt in dieser Figur zwei Charaktere aufeinandertreffen, die an sich unvereinbar scheinen: Einerseits Robin, der als Assistent bzw. Sidekick an der Seite Batmans ein zentraler Held der Comic-Serie ist und häufiger als sein »heimlicher« schwuler Freund gilt. Auf der anderen Seite der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski (Dostoyevsky ist die englische Schreibweise des Namens). Hier standen vor allem das Genre und die Zeit Pate bei der Geburt der Figur – oder vielleicht sogar die innerlich zerrissenen Figuren aus Dostojewskis Romanen? Die Verbindung beider lässt keine eindeutige Interpretation zu, sondern eröffnet eine Vielzahl von Verweisen und Assoziationen.

Den Künstler reizt der totale Cross-Over, die Verbindung verschiedener Genres und vor allem diverser Zeiten. So liegen etwa 100 Jahre zwischen dem ersten Erscheinen der Figur Robins in einem Batman-Comic und dem Erscheinen des ersten Romans Dostojewskis. Die Zeit nennt Andy Hope 1930 einen zentralen Aspekt seiner Arbeit. Er beschreibt seine Kunst selbst als eine Zeitmaschine, denn sie ließe sich nicht eindeutig einer bestimmten Zeit zuordnen. (Andy Hope 1930 im Gespräch mit Heinz Schütz, Kunstforum International, Bd. 191, 2008, S. 233.) Die Figur Robin Dostoyevsky scheint aus der Zeit und aus dem Kontext gefallen – hinein in eine neue, noch unbekannte Welt. Der Künstler entwickelt ihn als jugendlichen Helden, changierend zwischen Mann und Frau, Held und Assistent, Gut und Böse. Er überspitzt damit Merkmale der Figur, die unterschwellig auch im Comic angelegt sind und als Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft auch in den Romanen Dostojewskis eine Rolle spielen.


A-Reihe, 338. Wahl, II. Quartal 2010

Andy Hope 1930 imaginary with J. G. Ballard, 2010
Heliogravüre und Vernis Mou

1. The Crystal World 20,5 x 13,5 cm / 45 x 36 cm
2. Crash 19,5 x 13,0 cm / 45 x 36 cm
3. Hello America 18,5 x 12,5 cm / 45 x 36 cm
4. Empire Of The Sun 19,8 x 12,0 cm / 45 x 36 cm
5. The Unlimited Dream Company 19,5 x 12,5 cm / 45 x 36 cm
6. The Drowned World and The Wind From Nowhere 20,5 x 13,5 cm / 45 x 36 cm

Papierqualität: 250 g/qm Zerkall-Kupferdruckbütten
Drucker: Fritze Margull, Berlin

Neben Zeichnungen, Aquarellen, Gemälden und Collagen sind es vor allem dreidimensionale Rauminstallationen, die charakteristisch für die Arbeit des Künstlers sind und in denen die einzelnen Werkgruppen immer wie der neu eingearbeitet und zusammensetzt werden. Eine wesentliche Quelle seiner Bildwelten ist dabei die Science-Fiction, der verwoben mit Motiven aus der Mythologie, Geschichte und Kunstgeschichte und Versatzstücken aus Comic und Popkultur eine wiederkehrende Matrix bildet.

Die Science-Fiction bildet auch den Ausgangspunkt für die Edition der griffelkunst und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Andy Hope 1930 hat als Träger für seine Zeichnungen die Titelseite von sechs Romanen des im letzten Jahr verstorbenen Autors J.G. Ballard gewählt. Nicht-Science-Fiction-Fans mögen vor allem seine Bücher Empire of the Sun und Crash ein Begriff sein, die beide prominent verfilmt wurden. Roberto Ohrt schreibt über die Besonderheit der Geschichten von Ballard in seinem Katalogbeitrag zur Ausstellung Phantom Gallery: „Die Geschichten von James Graham Ballard passen nicht zum Standard der Science- Fiction, obwohl sie keinem anderen Genre zugeordnet werden könnten. Sie sind unberechenbarer, ein Medium für abstrakte Reflexionen oder metaphysische Passagen. Dazu kommen Experimente mit der Erzähltechnik oder Perspektiven und Themen, die an die Pop-Art erinnern. Entscheidend jedoch ist, dass Ballard seine Visionen aus einer größeren Nähe zum Bild entwickelt, aus einer besonderen Aktivierung des Bildlichen.“ (Roberto Ohrt, Wann?, in: Phantom Gallery, S. 62.)

Nach Roberto Ohrt macht eben diese bildhafte Erzählweise die Romane zu einer Inspirationsquelle für den Künstler, der bereits 2008 in Exemplare von J.G. Ballards The Crystal World mit einem Filzstift gezeichnet hat. Die Zeichnungen haben weniger die Anmutung von Illustrationen als vielmehr von Anmerkungen, Randnotizen und teilweise auch von Gedanken verlorenen Skizzen, obwohl sie sich eindeutig auf das jeweilige Werk beziehen. In der Edition für die griffelkunst wird die Ästhetik einer Originalfilzstiftzeichnung erzielt, indem in Vernis Mou Technik die blau eingefärbten Zeichnungen auf die als Heliogravüren gedruckten Titelseiten gelegt werden. Das Ergebnis ist ein weicher, malerischer Strich, bei dem der Charakter des Zeichenstiftes wunderbar erhalten bleibt. Die Zeichnungen haben in der Serie deutlich Titelblattcharakter: Sie zeigen Porträts der Protagonisten oder spielen mit Schrift, die im Werk Hofers eine zentrale Rolle einnimmt:. „Wie im Comic nehmen Schrift, Titel und deren graphische Gestaltung im Werk Hofers eine eigenständige, wichtige Position ein, die der bildlichen Ebene eine weitere inhaltliche Dimension hinzufügen und sich durch ihre Verkürzung formal und in ihrer Bedeutung vom Comic stark unterscheiden. Hofer verwendet keine Sprechblasen, sondern stellt den Text in der Fläche frei, verwendet ihn als Über- und Unterschrift, wandelt Schriften ab und gestaltet Typographien neu. Auch wenn sie nicht immer lesbar sind - darum geht es dem Künstler offensichtlich nicht in erster Linie –, entwickeln seine Werke manchmal den Charakter einer Schlagzeile, wie sie auf einem Magazincover oder auf einem Plakat zu finden sind – schon von weitem stechen sie aufgrund ihrer Fernwirkung ins Auge.“ (Stephan Urbaschek, in: Andy Hope 1930, S. 19). Dass es ihm selbst nicht auf die Lesbarkeit ankommt, unterstreicht Andy Hope 1930 mit der druckgraphischen Übersetzung seiner Zeichnungen: Bis auf einen Versuch hat er auf die Umkehrung der Schrift im Druck keine Rücksicht genommen, sodass Sie zu einem Spiegel greifen müssen, wenn Sie die spiegelverkehrten Kommentare des Künstlers lesen wollen.

338 A1
338 A2
338 A3
338 A4
338 A5
338 A6
E 492a
E 492b

Andy Hope 1930

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