Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst

Markus Vater

Einzelblatt

Lithographie

E 542
H ...
65,0 × 50,0 / 54,0 × 42,0 cm

Papierqualität: 200 g/qm Lessebo rough
Druckerin: Ellen Sturm-Loeding, Hamburg

Zwischen Himmel und Hölle

von Brigitte Bedei

Himmel und Hölle, Liebe und Hass, Aggression und Harmonie. Jedes dieser Extreme wird zum Thema in der vorliegenden Lithographie von Markus Vater, einem Werk, das den Blick fesselt. Hier geht es im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber. Unzählige Figuren tummeln sich auf dem Blatt und sind dabei in verschiedene Interaktionen verwickelt. Obwohl sie alle wie in einer endlosen Kette miteinander verbunden zu sein scheinen, wird keine Geschichte erzählt. Eine verbindende Handlung fehlt. Ziellos streben sie in verschiedene Richtungen auseinander. Es ist kaum auszumachen, in wie vielen Schichten die menschlichen Körper, mal über- mal untereinanderliegend, agieren. Alte und Junge, Männer und Frauen, bekleidet und nackt. Hier ein Arm, dort ein Bein, überlagert von einem Körper, Köpfe, die ineinanderstecken, eine Frau wiegt ihr Baby im Arm, ein Mann hält ihren Fuß, ein sich küssendes Paar, Figuren umarmen einander. Andere kauern isoliert in dem Getümmel und halten die Augen geschlossen. Und in der Mitte räkelt sich der Tod. Oder ein gefallener Engel? Der Präsenz im Bild nach zu urteilen in jedem Fall ein Hauptprotagonist.

Sprachbilder sind typisch für Markus Vater. In seiner Edition, die er vor zwei Jahren für die griffelkunst entwickelt hat, hatten die Arbeiten Titel wie etwa Das Fenster zur Seele oder Seine Haut war so dünn. Aus der Linie heraus entwickelt der Maler, diesen Bildern folgend, Zeichnungen, die häufig von einer prägnanten, handschriftlichen Textzeile begleitet werden. Charakteristisch für den Künstler, der in London lebt und arbeitet, ist auch die Ironie, das Abstruse und Poetische, das aus seinen Bildern spricht.

Markus Vater zeichnet schnell und unmittelbar. Es lässt sich nicht ausmachen, wo der Künstler begonnen und wo er aufgehört hat zu zeichnen. Er lässt der Linie freien Lauf, die Figuren formieren sich aus einfachen Umrisslinien ohne graphische Verdichtung und Schraffur. Wie ein Gewächs wuchern die Protagonisten über das Bild und schaffen schließlich ein Panorama gesellschaftlicher Beziehungen, das sich zwischen Isolation, Einsamkeit, Aggression, Liebe und Harmonie erstreckt. Die All-Over-Zeichnung lässt unweigerlich an die Wimmelbilder von Pieter Bruegel und Hieronymus Bosch denken. Fast wirkt die zeichnerisch angelegte Lithographie von Markus Vater wie eine moderne Übersetzung des historischen Vorbildes. Mit seiner Arbeit H ... lässt Markus Vater das Pendel zwischen Himmel und Hölle weit ausschlagen und kommentiert das menschliche Zusammenleben dabei mit Ironie und Humor.

A-Reihe / 362. Wahl II. Quartal 2016
Lithographien

1. Seine Haut war so dünn
70 x 50 cm
2. Damm
50 x 65 cm
3. Reality gap
50 x 65 cm
4. Painter
70 x 50 cm
5. Mond Staubsauger
70 x 50 cm
6. Fenster zur Seele
70 x 50 cm

Papierqualität: 200 g/qm Lessebo rough
Druckerin: Ellen Sturm-Loeding, Hamburg

Ein absurdes Spiel mit der Wirklichkeit

Mit bildlichen und textlichen Notizen reflektiert Markus Vater die Absurditäten des Alltags. Aus der Linie heraus entwickelt der Maler Schwarzweiß-Zeichnungen, die häufig von einer prägnanten Textzeile in sauberer Handschrift begleitet werden. Für die griffelkunst hat der in London lebende Künstler sechs hintersinnige Lithographien entwickelt, in denen er Abstruses, Ironisches und Poetisches in der für ihn charakteristischen Zeichnung mit Tusche direkt auf dem Stein notiert hat:

griffelkunst: Deine Arbeiten haben eine große Nähe zum Cartoon. Bild und Text verbinden sich zu sehr pointierten poetischen, grotesken und humorvollen Geschichten. Wie entstehen Deine Bilder? Reagierst Du mit dem Text auf das Bild oder umgekehrt?

Markus Vater: Häufig beginnt eine Arbeit mit einem Sprachbild, das im Wortschatz existiert, wie »Das Fenster zur Seele«. Ich mag Sprachbilder, da sie ähnlich wie Metaphern ungenau sind und daher Möglichkeiten in sich tragen. Unser Denken ist geformt durch Grammatik, Bilder und Formen, die in der Sprache lauern. Diese Sprachbilder werden oft gesprochen, ohne über die Existenz des Bildes in ihnen zu reflektieren. Ich erforsche die Bilder, die in ihnen angelegt sind, und untersuche die Bedeutungen, die wir damit verbinden. In die andere Richtung beginnt es mit dem Zeichnen. Etwas gerade Beobachtetes, wie eine Wolke, die über dem Horizont abregnet. Ich versuche dann Worte zu finden, die die Vorgänge in der Zeichnung beschreiben wie sie sind, aber selten betrachtet werden: Im Fall der Wolke, die abregnet,
findet sich dann die Unterschrift: »lebensgefährlich verletzte Wolke”. Dabei versuche ich, Abläufe auf existentielle Erfahrungen zu beziehen; sie in eine psychisch spürbare Wirklichkeit zu verwandeln. Oft beginnt es mit einer Zeichnung, dann entsteht ein Text, der nicht funktioniert, aber eine neue Zeichnung herauskitzelt. So schaukeln Textmöglichkeiten und Bildmöglichkeiten miteinander. An den Seiten fallen dann neue Arbeiten herunter.

griffelkunst: Du lebst seit über 15 Jahren in London. Inwieweit beeinflusst der spezielle britische Humor Deine Arbeit?

Markus Vater: Über die Jahre ist mir klar geworden, dass das Spezielle ambritischen Humor seine gesellschaftliche Rolle ist. In Amerika oder in Deutschland existiert sehr ähnlicher Humor. Doch er wird nicht zelebriert an den gleichen Orten. In England ist der Humor zum Beispiel Bestandteil der parlamentarischen Tradition. Seit Hunderten von Jahren machen sich Politiker da gegenseitig übereinander lustig. Wer humorvoller, ehrlicher und schneller argumentiert, kann Stimmen gewinnen. Dabei ist das gesellschaftliche System verdächtig traditionell und sehr unbeweglich. Es wird viel Energie in die Stimme investiert: ins Sprechen und Singen, aber nicht ins Handeln und Verändern. Humor, der in Deutschland die Kneipe oder den Abendbrottisch nicht verlässt, ist in England akzeptiert, im Parlament oder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Frustration und Gefühle von Ungerechtigkeit dürfen sich im Humor an höchster Stelle austoben, sodass sich nicht viel aufstaut und zur destruktiven Aggression wird. Der Humor stabilisiert die gesellschaftlichen Verhältnisse. Mein Humor ist melancholischer und möchte psychisch und existentiell relevant sein.

Das Interview mit Markus Vater führte Brigitte Bedei per E-Mail im Januar 2016.

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Markus Vater wurde 1970 in Düsseldorf geboren. Er studierte an der Kunstakademie Münster und an der Kunstakademie in Düsseldorf. Nach seinem Meisterschülerjahr zog er 1998 nach London, wo er im Jahr 2000 seinen Abschluss am Royal College of Art machte. Er war Stipendiat des Villa Romana Stipendiums in Florenz und hat an zahlreichen nationalen und internationalen Ausstellungen mitgewirkt. Unter anderem im Kunstmuseum Bonn, im Wilhelm Hack Museum Ludwigshafen, in der Kunsthalle Mannheim und der Royal Academy in London.
Er lehrte als Gastprofessor an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, als Dozent am Royal College of Art in London und ist seit 2016 Gastprofessor an der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe.
Markus Vater lebt und arbeitet in Karlsruhe und London.

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