Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

Olaf Nicolai

Kugel aus Messing, Box aus MDF, mit Banderole
E 541
Sehende Hand
Durchmesser ca. 1,6 mm

Material Kugel: Messingguss, poliert
Hersteller Kugel: Studio Violet, Berlin
Material Box: schwarzdurchgefärbtes MDF, 10,0 x 10,0 x 3,0 cm
Hersteller Box: Studio G, Hellwege

Die Dinge mit der Hand sehen

von Stephanie Bunk

Die Arbeit an der Philosophie ist – wie vielfach die Arbeit in der Architektur – eigentlich mehr die/eine Arbeit an Einem selbst. An der eigenen Auffassung.
Daran, wie man die Dinge sieht. (Und was man von ihnen verlangt.)

Ludwig Wittgenstein, in: Bernhard Leitner:
Das Wittgenstein Haus, Ostfildern-Ruit 2000., S. 184

Der Philosoph Ludwig Wittgenstein verlangte viel von den Dingen. Das zeigt sich insbesondere in dem Wohnhaus, das er von 1925–1928 für seine Schwester Margarethe in Wien im Stil der Moderne und des Bauhauses zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann entworfen, gebaut und ausgestattet hat. Vor allem die innenarchitektonische Gestaltung des Hauses war von Wittgenstein bis ins letzte Detail geplant: »Ludwig zeichnete jedes Fenster, jede Tür, jeden Riegel der Fenster, jeden Heizkörper mit einer Genauigkeit, als wären es Präzisionsinstrumente und in den edelsten Maßen, und er setzte dann mit seiner kompromisslosen Energie durch, dass die Dinge auch mit der gleichen Genauigkeit ausgeführt wurden« (Hermine Wittgenstein, in: Mein Bruder Ludwig). Diese Präzision und Perfektion spiegelt sich auch in den Türgriffen wider: Wittgenstein entwickelte sie aus einer 16 mm schmalen Messing-Rundstange, deren Länge je nach Größe und Art der Tür variierte. Das Besondere an der von ihm entwickelten Klinke ist, dass sie nicht, wie von dem Gestalter Otl Aicher angenommen, mit einem halbkugeligen Ende abschließt. »Sein genaues Gefühl für Proportionen fordert keine Halbkugel, sondern eine Kugelkalotte mit einer Scheitelhöhe von 5 mm«, wie Bernhard Leitner diese Fehleinschätzung in seinem Buch über das Wittgenstein Haus kommentiert. Genau diese Differenz zwischen der funktionalistischen Variante des Türgriff-Endes und der Gestaltung aus dem Gespür heraus macht Olaf Nicolai mit seinem Objekt »sehende Hand« ästhetisch erfahrbar. Die kleine Messingkugel verbindet die beiden möglichen Enden zu einer Einheit: die eine Hälfte entspricht einer Halbkugel, die andere einer Kugelkalotte, also einem kleineren, weniger stark gewölbten Segment einer Kugel, wie sie Wittgenstein für seine Türgriffe gewählt hat. Das Objekt in der Hand haltend kann man der ästhetischen Entscheidung Wittgensteins nachspüren, die vielleicht die »sehende Hand« besser ermessen kann als das »beeindruckte Auge«, wie Olaf Nicolai dazu schreibt.

Wie Wittgenstein beschäftigt sich auch Olaf Nicolai mit den Dingen bis ins Detail. Er vertraut darauf, dass die Dinge mehr sind, als wir von ihnen wissen und erfahren können. Und er traut ihnen zu, unsere Perspektive auf die Alltagswelt zu befragen und zu verändern. In unterschiedlichen Medien stellt der Künstler Verknüpfungen von Objekt und Idee, von Form und Leben, von Konzept und Alltagserfahrung her und bezieht Theorien aus den Natur- und Geisteswissenschaft in sein Werk ein. Zu seiner künstlerischen Praxis gehört auch die Gestaltung von Innenräumen. So hat er zum Beispiel für die im Mai 2014 eröffneten neuen Meisterhäuser Gropius und Moholy-Nagy in Dessau die mehrteilige, permanente Wandarbeit Le pigment de la lumière entwickelt, die auf Lichtstudien des Bauhauslehrers Moholy-Nagy verweisen. Für die 8. Berlin Biennale hat Olaf Nicolai 2014 die Arbeit Szondi/Eden entwickelt, in der er ein Ornament aus dem Fußboden eines Einkaufszentrums im Stadtteil Lichtenberg für den Boden des Museum Dahlem »übersetzt« hat.

Olaf Nicolai, geboren 1962 in Halle/Saale, studierte Germanistik mit anschließender Promotion. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Einzelausstellungen
2017 Der 673. Morgen, Galerie EIGEN + ART Berlin
2016 Sensory Spaces 10, Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam, Niederlande
Olaf Nicolai - 7 Postkarten für Innsbruck, Galerie im Taxispalais, Innsbruck
2013 Escalier du chant / (Innere Stimme), Cour Puget - Musée du Louvre, Paris (Performance)

Ausstellungsbeteiligungen
2018 Deutschland ist keine Insel, Bundeskunsthalle Bonn
2017 IN THE WOODS THERE IS A BIRD…, documenta 14, Athen, Griechenland (K)
2015 56. Venedig Biennale, Internationaler und Deutscher Pavillon 8. Berlin Biennale, Berlin (K) Nouveau Festival, Centre Pompidous, Paris

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