Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

Heinrich Modersohn

audioguide

Einzelblätter

E 545
ohne Titel, 2018
Holzdruck, 2-farbig
92,0 × 63,0 cm / 80,0 × 53,0 cm

E 546
ohne Titel, 2018
Holzdruck, 2-farbig
92,0 × 63,0 cm / 80,0 × 53,0 cm

Papierqualität: 270 g/qm Velin d‘Arches
Drucker: Atelier H. Modersohn, Hellwege

Durchblicke

von Brigitte Bedei

Dass der Holzschnitt eine besondere Rolle im Werk von Heinrich Modersohn spielt, lässt bereits ein Blick ins Archiv der griffelkunst erkennen: Insgesamt fünfzehn Holzdrucke haben wir in den letzten 30 Jahren von
dem in Hellwege bei Bremen lebenden Künstler ediert. In diesem Jahr hat er zwei weitere, großformatige Holzschnitte für uns geschaffen, in denen er die Möglichkeiten von Raum und Tiefe auf der Fläche neu auslotet.

Virtuos jongliert Modersohn dabei mit einem wahren Reservoir an Druckstöcken, die er in verschiedenen Varianten miteinander kombiniert. Die Druckformen werden dabei vom Künstler nicht in herkömmlicher Weise
bearbeitet. Seine Motive schneidet er nicht ins Holz, sondern er durchlöchert die Druckplatten regelrecht, indem er unterschiedliche Formen aus den nur vier Millimeter starken Sperrholzplatten heraussägt. Das Bild ergibt sich schließlich aus zwei einander überlagernden Druckstöcken. Der Künstler probiert zunächst aus, welche Druckplatten er miteinander kombinieren möchte, dreht sie, fügt sie neu zusammen, sodass sich die Leerstellen partiell übereinanderschieben. Die ausgewählte Kombination wird schließlich in jeweils einer Farbe so gedruckt, dass es in der Fläche zu Überlagerungen kommt: Leerstellen werden überblendet, scheinen teilweise durch oder bleiben an einigen Stellen frei. Es entstehen transparente und opake Formen ohne Binnenstruktur. Dabei schafft Modersohn Strukturen, die trotz ihrer Zweidimensionalität eine räumliche Tiefe und Dynamik im Bild erschaffen. Nichts ist statisch, die Formen scheinen in Bewegung zu sein und über das Blatt zu tanzen.

Seine Farben mischt der Künstler selbst und kommt in seinen Arbeiten so zu ganz eigenwilligen Farbkombinationen. Im einen Fall druckt er zunächst den blau eingefärbten Druckstock und überlagert ihn mit einer zweiten Druckform in mattem Rosa, sodass ein spannendes Farbspiel entsteht. Im anderen Fall nutzt er Goldbronze, eine häufig von ihm verwendete Farbe, die er aus Echtgoldpaste und Mischweiß anfertigt. Darüber liegt ein dunkles Blau, das immer wieder partiell von Leerstellen durchbrochen wird. Durch das Überlagern von Formen und Farben ergibt sich ein wahres Vexierspiel zwischen den Flächen, dem Davor und dem Dahinter, dem Positiv und dem Negativ, dem Raum und der Tiefe.

Für Heinrich Modersohn bilden die Bearbeitung der Druckplatte, das Auftragen der Farbe sowie das anschließende Drucken stets eine künstlerische Einheit, weshalb er den Produktionsprozess seiner Graphiken grundsätzlich nicht aus den Händen gibt. Jedes einzelne Blatt wurde und wird daher von ihm in seinem Atelier in Hellwege »eingerichtet« und selbst gedruckt. Das unberechenbare Trocknungsverhalten der Farben in diesem extremen Sommer hat ihm dabei einiges abverlangt. Nun liegen beide Blätter vor und begeistern uns in ihrem einzigartigen Formen- und Farbenspiel.

B-Reihe / 349. Wahl I. Quartal 2013
Holzdrucke
65 x 50 cm / 50 x 40 cm

1. Halma
2. Geste
3.Tanz
4. Wuchs
5. zwei Punkte
6. Netz

Papierqualität: 250 g/qm Velin BFK Rives
Drucker: Atelier H. Modersohn, Hellwege

Die Flex als Zeichenstift

griffelkunst: Du stehst in der dritten Generation der Malerfamilie Modersohn. Otto Modersohn war Dein Großvater. Auch Du bist Maler geworden, auch bei Dir spielen Natur und Landschaft eine zentrale Rolle. Wie weit bist Du von der Kunst Deines Großvaters entfernt?

Heinrich Modersohn: Von der Malerei meines Großvaters fühle mich recht weit entfernt – er ist ein ausgesprochener Landschafter. Meine Herangehensweise ist da eine andere. Aber es gibt einen Aspekt in seinem Werk, der mir immer sehr wichtig war und mich begeistert hat, und das sind seine Zeichnungen. Da ist er am weitesten gegangen. Da hat er versucht, das Gesehene in eine Zeichensprache umzusetzen, zu verdichten und zu rhythmisieren.

gk: Seit gut 30 Jahren ist es die Malerei, die Dich in Deiner künstlerischen Arbeit beschäftigt und Dich antreibt. Das gilt sowohl für Deine Photoarbeiten und Pinselzeichnungen als auch für die großen Wasserfarben. Wie malerisch ist Deine Druckgraphik?

HM: In der Tat hat mich das »Malerische« in den Bereichen, die Du ansprichst, immer sehr interessiert. Es gibt auch viele Drucke, die es darauf anlegen, sowohl in der Farbigkeit als auch in der Technik der Überblendung, des Druckens auf Leinwand und der »untypischen« Helligkeit der Farben, den üblichen Eindruck des graphischen Holzdrucks zu unterlaufen und die Grenze zum gemalten Bild aufzuheben.

gk: Wie gehst Du bei der Bearbeitung Deiner Druckstöcke vor? Gibt es eine Vorzeichnung oder schneidest Du direkt ins Holz? Welche Werkzeuge benutzt Du dabei?

HM: Es gibt keine Vorzeichnung, da für mich das Schneiden in die Platte ein Zeichnen mit anderen Mitteln bedeutet. Ich gehe dabei genauso spontan vor wie mit dem Zeichenstift, nur eben mit dem Schnitzmesser, der Flex, der Kettensäge, oder was sonst als Arbeitsmittel geeignet ist.

gk: Viele Künstler, die für die griffelkunst arbeiten, fertigen ihre Druckstöcke, Radierplatten etc. an, geben die Andrucke frei und überlassen den Druck der Auflage schließlich der Druckerei. Sowohl Deine Druckstöcke als auch die Drucke selbst sind in Deinem Atelier entstanden, das direkt neben Eurem Wohnhaus in Hellwege steht. Hier hast Du die Auflage für die griffelkunst zusammen mit Deinem Sohn gedruckt. Wie wichtig ist es für Dich, den Druck der Auflage selber auszuführen?

HM: Da der Holzdruck von Anfang an zu meinen Arbeitstechniken gehörte, als Gegenpol zu den gemalten Bildern, sehe ich das Bearbeiten der Platte, das Auftragen von Farbe sowie das anschließende Drucken stets als Einheit, so wie mir das Arbeiten in der Dunkelkammer bei meinen Photoarbeiten auch immer genauso wichtig war, wie das eigentliche Photographieren. Insofern habe ich bis auf wenige Ausnahmen immer selbst gedruckt, oft auch nur in Varianten, ohne an eine Auflage zu denken. Nun geht es bei der griffelkunst natürlich um Auflagen, und doch ist es mir ganz wichtig, jedes Blatt »einzurichten« und dann entstehen zu sehen – von daher bin ich froh, dass es möglich ist, die Arbeit hier im Atelier auszuführen.

gk: Deine Bilder sind niemals figurativ, dennoch lassen die Motive Bauformen der Natur assoziieren, die sich in den Rosetten, Kaskaden, Wellen, feingliedrigen Strukturen und fließenden Lineaturen auf Deinen Bildern zeigen. Dabei sind sowohl Deine Holzdrucke als auch die Wasserfarben- und Ölbilder häufig durch eine leuchtende Farbgebung bestimmt. Deine aktuelle Holzdruck-Serie für die griffelkunst ist dagegen in ihrer Farbigkeit reduziert auf schwarz-weiß. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

HM: Ich wollte die Reduktion, wollte etwas einfaches. Weiß auf schwarz, schwarz auf weiß, positiv-negativ-Zeichnungen, ein wenig »back to the roots«, so wie meine ersten Drucke auch mit weiß auf schwarzem Grund gedruckt waren. Und da bei mir die Holzdrucke oft korrespondieren mit den anderen Arbeiten, hat diese Reihe auch zur Folge gehabt, dass inzwischen die ersten schwarz-weißen Wasserfarben entstanden sind.

Das Interview für die griffelkunst führte Brigitte Bedei per E-Mail im Februar 2013.


E 447 ohne Titel, 2008
Holzdruck auf Leinwand 60,0 x 80,0 cm

Material: Leinwand auf Keilrahmen gespannt, Öl- und Acrylfarbe
Drucker: Carlo Modersohn, Hellwege

Wie bereits im Frühjahr angekündigt, stellen wir Ihnen in der Herbstwahl das Pendant zu dem bereits ausgelieferten Holzdruck von Heinrich Modersohn vor. Der Künstler wiederholt das gleiche Motiv in einer gekonterten Farbigkeit, wobei die frei ins Holz geschnittenen Formen hier in nur zwei Farbgängen gedruckt wurden. Grün angelegte Strukturen ziehen sich über die Leinwand, unterbrochen von leuchtend-rot ins Bild gesetzten Fragmenten, die Modersohn von Hand gemalt hat. Ein helles Silbergrau bildet den Fond des Druckes und gibt dem Bild eine extreme Leuchtkraft. Verstärkt wird diese durch das partielle Aufblitzen der weißen, unbedruckten Leinwand. Die Verbindung von Malerei und Druckgraphik wird in dieser Arbeit noch sinnfälliger, die Verschränkung von Draufsicht und Durchblick, satt gedruckter Öl- und matt gesetzter Acrylfarbe verbinden sich zu einer vielschichtig angelegten Komposition.
Jeder Holzdruck bietet für sich ein malerisches Ereignis, als Double erzeugen die Arbeiten eine unglaubliche Dynamik und zeigen, wie der Künstler allein durch den Einsatz unterschiedlicher Farben zu neuen Kompositionen kommt. Mit beiden Bildern hat Modersohn zwei Antipoden in hell-dunkel geschaffen, die durch die unterschiedlich farbig angelegten Strukturen ein starkes Eigenleben entfalten.
Die Holzdrucke sind als 2-teilige Arbeit angelegt, jedes Bildmotiv funktioniert aber auch für sich und hat als eigenständige Arbeit Gültigkeit!

E 441 ohne Titel, 2008
Holzdruck auf Leinwand 80 x 60 cm

Material: Leinwand auf Keilrahmen gespannt, Ölfarbe
Drucker: Heinrich Modersohn, Hellwege bei Bremen

Es ist mittlerweile gut 20 Jahre her, dass wir eine Serie mit Holzdrucken von Heinrich Modersohn in der griffelkunst zeigen konnten. Damals wie heute spielen Natur und Landschaft eine zentrale Rolle im Werk des Künstlers. Modersohns Bilder sind dabei niemals figurativ, es sind die Bauformen der Natur, die sich in den Rosetten, Kaskaden, Wellen und Strahlenkränzen auf seinen Bildern zeigen. Seine Aufmerksamkeit gilt dabei weniger den Oberflächen als vielmehr den Formen, Strukturen und Kräften der organischen Prinzipien. Dabei sind sowohl die Holzdrucke als auch die Wasserfarben- und Ölbilder des Künstlers durch eine leuchtende Farbgebung bestimmt.
Dass ein Holzdruck durchaus auch ein malerisches Ereignis sein kann, zeigt Modersohn in seinem jüngst für die griffelkunst entstandenen Farbholzdruck. Wie frei gezeichnet wirken die ins Holz geschnittenen organischen Formen, die schließlich in drei Farbgängen in schwarz, grün und rot direkt auf einen mit Leinwand bespannten Keilrahmen gedruckt wurden, und damit unvermittelt an ein originales Ölbild denken lassen. Durch den speziellen Druckprozess lassen sich am Bildrand die einzelnen Farben Schicht für Schicht ablesen. Mit seinen „gedruckten Bildern“ konterkariert der Künstler geradezu ein klassisches Medium des Auflagendruckes, indem er malerisch feingliedrige Strukturen und Lineaturen ins Holz schneidet und schließlich durch Farbkombination und die Wahl des Bildträgers fließende Übergänge zur Malerei schafft. Innerhalb der Auflage kommt es durch den Handdruck zu kleinen Schwankungen, sodass wir Ihnen ein Auflagenobjekt mit Unikatcharakter präsentieren können.
Der Holzdruck ist als zweiteilige Arbeit angelegt. Das Pendant, eine Variation des vorliegenden Motivs, stellen wir Ihnen in der kommenden Herbstwahl vor.

349 B1
349 B2
349 B3
349 B4
349 B5
349 B6
E 441
E 447

Heinrich Modersohn

1948 geboren in Hindelang/Allgäu
1970–1976 Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Kai Sudeck und Gotthard Graubner
1991 Gastdozent an der Kunstakademie Weißensee in Berlin
2000 Lehrauftrag an der Muthesius-Hochschule in Kiel
lebt und arbeitet in Hellwege bei Bremen und in Berlin

Einzelausstellungen
2017 Galerie für Gegenwartskunst, Bremen
Galerie Born, Berlin
2014 Produzentengalerie Hamburg
2013 Kunstverein Schwäbisch Hall
2009 Malerei, Kunstraum Heiddorf, (K)

 

© Griffelkunst e.V. 2018 Alle Rechte vorbehalten! Impressum Datenschutz