Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

Walid Raad

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394 C Mappe

C-Reihe, 394. Wahl
II. Quartal 2024

The Bleeding Heart Cookbook
Digitaler Offset-Druck
40,0 × 60,0 cm

Papierqualität: 300 g/qm Koehler Icewhite
Druck: Merkur Druck, Norderstedt
Hersteller Mappe: Reset St. Pauli Druckerei, Hamburg

Gewürzte Rezepte

von Petra Roettig

Geboren und aufgewachsen in den Jahren des Bürgerkriegs im Libanon (1975–1990), beschäftigt sich der libanesisch-amerikanische Künstler Walid Raad in seinen Projekten mit der unmittelbaren Geschichte seines Landes und deren Aufarbeitung. Seine Werke umfassen Photographie, Video, Skulptur und Performances. Meist von der eigenen Biographie ausgehend, kreisen seine Arbeiten um die Frage von Erinnerung und Erzählung in politischen Konfliktsituationen und aktuell auch um die Konstruktion von Kunstgeschichte in der arabischen Welt. Dabei kombiniert er Dokumentation und Fiktion zu möglichen Wahrheiten und hinterfragt auf diese Weise die Authentizität von schriftlichen und bildlichen Quellen.

Bekannt wurde Walid Raad, der seit vielen Jahren in New York lebt und lehrt, durch sein Projekt The Atlas Group (1989–2004): Einem imaginären Archiv mit photographischen, literarischen, teils gefundenen oder selbst produzierten Dokumenten, das die Geschichte des Libanons, vor allem die Schrecken der andauernden Bürgerkriege, analysiert. Während der Arbeit an Sweet Talk: Commissions, seinem zweiten großen Projekt zu diesem Thema, lernte Raad den libanesischen Schriftsteller und Theoretiker Jalal Toufic kennen, dessen Schriften ihn stark beeinflussten.

Seit vielen Jahren verbindet Raad seine Ausstellungen mit Performances, die den Blick hinter die Kulissen von Museen und Organisationen offenlegen, sei es 2015 im MoMA in New York, 2019 im Moderna Museet in Stockholm, 2022 im Museum Thyssen-Bornemisza in Madrid oder zuletzt in der Hamburger Kunsthalle (2023). In seinen lebendigen Erzählungen kombiniert Raad historische Fakten mit erfundenen Geschichten, wobei sich immer wieder die Frage stellt, was ist wahr und was könnte wahr sein? Gerade dieser schmale Grat zwischen Realität und Fiktion in seinem Werk ist es, der angesichts zunehmend sozioökonomischer Verstrickungen dem Publikum neue Blickwinkel und Sichtweisen eröffnet. So auch in seiner Edition für die griffelkunst The Bleeding Heart Cookbook. Walid Raad erzählt darin die Geschichte der libanesischen Köchin Ramza, die während des Bürgerkrieges über viele Jahre durch das Land reiste, um den Milizionären stärkendes Essen zu kochen. Als bekennende Pazifistin war es ihr Ziel, den kriegsführenden Parteien traditionelle Gerichte des Landes zu präsentieren, die letztendlich alle vereinen. Die wohlportionierte Beigabe von Drogen und Halluzinogenen sollte zudem zu einem Bewusstseinswandel der kämpfenden Truppen beitragen. Die »Neuauflage« des Kochbuchs aus den späten 1980er Jahren gibt nicht nur die Titel der jeweils beigemischten Drogen an, sondern bildet sie auch ab: Hanfblätter, Pillen, LSD oder Tütchen »würzen« die Speisen. So wird das Moghrabieh, ein traditionelles Couscous Gericht, mit kräftigen Spuren von Kokain angereichert, während der Meat Pie mit grünlichen LSD-Kapseln üppig verfeinert wird. Geschwungene Linien deuten jeweils die Wirkung der Gerichte an. Während auf der linken Seite in verschiedenen Farben die jeweiligen Zutaten für traditionelle Rezepte wie Mezze und Süßspeisen in arabischer Sprache abgedruckt sind, finden sich rechts die Mengenangaben der entsprechenden Halluzinogene und teilweise die Namen der Konsumenten. Auf diese Weise verbindet Walid Raad in The Bleeding Heart Cookbook subtil die Idee des Kochens von alltäglichen Gerichten mit dem Gedanken der politischen Konfliktlösung. Das Ziel, zur Befriedung der Kämpfe beizutragen, erreichten die Rezepte letztendlich nicht. Dennoch könnten die verabreichten Halluzinogene – so Raad – zur Bewusstseinserweiterung beigetragen haben, wie die in den letzten Jahren im Libanon zunehmende Zahl der veröffentlichten Bekenntnisliteratur ehemaliger Kämpfer vermuten lässt.

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1967 geboren in Chbanieh, Libanon, lebt und arbeitet in New York, USA

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