Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>

Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst

Nadira Husain

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P103

Somewhere between Love and Fighting
Siebdruck mit Glitter-Farben, Prägedruck
67,0 × 49,5 cm

P100
Somewhere between Love and Fighting, Alba

P101
Somewhere between Love and Fighting, Blue Hour

P102
Somewhere between Love and Fighting, Midi

P103
Somewhere between Love and Fighting, Twinkling

Papierqualität: 300 g/qm Munken Polar
Druck: 1×2 Siebdruck, Martin Samuel, Berlin

Zwischen Morgendämmerung und funkelder Nacht

von Brigitte Bedei

Fliegende Sufi-Herzen, blaue Schildkröten, verschlungene Figurengruppen, eingerahmt von Ornamenten und überlagert von Symbolen – Nadira Husain schafft opulente Bilder mit vielfältigen Details, die sich in mehreren Ebenen übereinanderlegen. Dabei verwebt sie Figuren, Ornamente und Symbole verschiedener Kulturkreise und nimmt uns mit auf eine visuelle Reise, in der sie immer auch ihre eigene multikulturelle Herkunft reflektiert.

Sie wurde 1980 in einer baskischfranzösisch-indischen Familie in Paris geboren. In ihrer Familie war insbesondere die indische und islamische Tradition sehr präsent. Nadira Husain wuchs in einem europäischen Land auf, war aber zu Hause umgeben von Bildern und Literatur dieser Kultur, die sie bis heute inspiriert. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin, Paris, im Baskenland und Hyderabad, Indien.

Nadira Husain bewegt sich häufig an der Schnittstelle zwischen bildender und angewandter Kunst und thematisiert Diskurse wie Postmigration, Transkulturalität und Feminismus. Ihre Arbeitsweise und Bildwelten sind vielschichtig und komplex. Neben Malerei, Zeichnung und Druckgraphik entstehen Keramikobjekte, Fliesentableaus und Möbel. Ihre Werke bewegen sich nicht nur im Zweidimensionalen, sondern erstrecken sich von der Fläche in den Raum. Dabei experimentiert sie mit Textilien, collagiert Photographien vom Haus ihrer Familie in Indien mit vielfältigen Ebenen oder fügt Stoffe in ihre reichhaltig angelegten Tableaus, in denen sie verschiedene Bildebenen so übereinanderlegt, dass eine visuelle Komplexität ohne hierarchische Ordnung entsteht. »Meine Malerei ist wie eine Explosion von Geschichten auf der Oberfläche. Es gibt kein Zentrum. Ich möchte das auch nicht. Ich will keine Machtstrukturen in einem Bild, ich will die Ordnung infrage stellen. Meine Logik ist die Collage«, erklärt Husain.

Somewhere between Love and Fighting ist ein wiederkehrendes Motiv in Nadira Husains Werk. Man findet es auf Gemälden, aber auch auf Textilien, Zeichnungen und Keramikvasen. Inspiriert ist das Motiv der ineinander verschlungenen Körper von einigen Manuskripten der Mogul-Miniaturmalerei, einem Malstil, der im Mogulreich auf dem indischen Subkontinent des 16. bis 18. Jahrhunderts entwickelt wurde. Das Genre spiegelt vor allem in seinen Anfängen eine Vielzahl historischer Impulse wider. Die Hof-Künstler verbanden persische Traditionen mit lokalen Darstellungsweisen und den Einflüssen westlicher Druckgraphiken, die die Jesuiten ins Land gebracht hatten. Die Miniaturkunst der Mogulschule ist ein eklektisches und hybrides Kunstgenre und es ist gerade der transkulturelle Aspekt dieser Bildtradition, der die Künstlerin interessiert und den sie häufig in ihren Werken mit westlicher Pop- und Comickultur verschränkt.

Das Motiv Somewhere between Love and Fighting nutzt die Künstlerin auch als Grundlage für die 4-teilige Siebdruckserie, die sie für die griffelkunst entwickelt hat. Die Zeichnung drückt die Ambivalenz von Körpern aus, die verwoben sind zwischen Umarmung und Feindseligkeit. Die dargestellten Figuren, die tierische und menschliche Merkmale besitzen und deren Geschlecht undefiniert bleibt, bewegen sich zwischen Kampf- und Liebesspiel und scheinen dabei ständig in Bewegung zu sein. Es gibt in der randlos gedruckten All-Over-Komposition keine Bildhierarchie oder ein kompositorisches Zentrum. Die Künstlerin schafft durch ein komplexes Farbspiel unterschiedliche Stimmungen: Alba zeigt die Figuren Ton in Ton gedruckt in abgetöntem Pink und Rosa. Durch den Einsatz perlmuttartiger Farben schafft die Künstlerin die atmosphärische Stimmung einer Morgendämmerung. In Blue Hour, der blauen Stunde, dominieren Lila- und Blautöne – eine Referenz an das Zwielicht. Husain beschwört hier die Stunde des Tages herauf, in der das blaue Lichtspektrum am Himmel dominiert, kurz vor dem Einbruch der Dunkelheit. Midi zeigt ein eher gedämpftes, erdiges Farbspiel, das die Szene in der Realität verankert. Ganz im Gegensatz zu Twinkling, der opulentesten Ausführung des Motivs. Hier kommen leuchtende und glitzernde Farben zum Einsatz, die die Figuren in eine eher lustvolle Stimmung einer durchfeierten Nacht tauchen. Durch das in den vier Bildern angelegte wechselnde Farbspiel taucht die Künstlerin Somewhere between Love and Fighting in verschiedene Gemütszustände und Stimmungen, zwischen Aufbruch und Melancholie, realitätsnaher Wirklichkeit und funkelnder Opulenz. Durch das Hinzufügen von Symbolen und haptischen Strukturen wie Blindprägungen entstehen Bilder, die unmöglich als Ganzes in den Blick genommen werden können. Das Auge muss wandern und eintauchen in eine Bilderwelt, die vielfältige Interpretationsmöglichkeiten bietet.

Nadira Husain

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1980 geboren in Paris, lebt und arbeitet in Berlin, Paris und Hyderabad, Indien

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