Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst

<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>

Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

Richard Deacon

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E 568
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E 569

Einzelblätter

Lithographie

E 568
Light, 2020
81,0 × 61,0 cm / 54,0 × 49,0 cm

E 569
More Light, 2020
81,0 × 61,0 cm / 60,0 × 54,0 cm

Papierqualität: 300 g/qm Zerkall-Bütten

Druck: Felix Bauer, Köln

Mehr Licht

von Brigitte Bedei

Richard Deacon ist ein leidenschaftlicher Zeichner. »Ich glaube, Zeichnen und Denken liegen sehr nahe beieinander«, sagt der britische Künstler, der eigentlich bekannt ist für seine großformatigen, gegenstandslosen Skulpturen im öffentlichen Raum. Sie faszinieren durch die Bandbreite der verwendeten Materialen sowie durch die handwerkliche Präzision und Eleganz, mit der diese verarbeitet sind: Schichtholz, Marmor, Metall, Ton und Vinyl werden von ihm so eingesetzt, dass die Bedeutung der Konstruktion und des Materials betont wird. Dabei sind es meist nur wenige Grundelemente, aus denen sich die komplexen, ineinander verschlungenen Formen zusammensetzen. Deacon gilt als einer der bedeutendsten Bildhauer seiner Generation. Aber auch die Zeichnung spielt eine wichtige Rolle in seinem Werk. Neben Skizzen und Studien, die der Vorbereitung plastischer Arbeiten dienen, entstehen autonome Zeichnungen und Druckgraphiken. Mit der Ausstellung Richard Deacon. Drawings and Prints 1968–2016 richtete das Museum Folkwang in Essen dem Turner-Preisträger 2016 die erste umfassende Schau seines zeichnerischen Werkes aus.

2015 haben wir bereits eine Serie von Lithographien von Richard Deacon ediert, die zum Teil auf Seide gedruckt wurde. Die Arbeiten entstanden nach einem Aufenthalt in Ladakh in Indien und zeigen ineinandergreifende Formen und Schraffuren, deren Segmente durch dicht beieinanderliegende, horizontale und vertikale Linien abgegrenzt werden. Von unserer Anfrage, erneut zwei Lithographien für die griffelkunst zu entwickeln, war Deacon begeistert, denn er ist ein großer Bewunderer unserer Vereinigung. Durch den bestehenden Lockdown war es für den in London lebenden Künstler allerdings unmöglich, in die Werkstatt von Felix Bauer nach Köln zu reisen. Diese vermeintliche Hürde entpuppte sich jedoch schließlich als Chance, etwas Neues zu probieren: »Ich wusste, dass es möglich war, eine Zeichnung direkt vom Papier auf den Lithostein zu übertragen und fragte Felix nach dem Prozess. Er schickte mir Transferpapiere und Lithographie-Kreiden und ich fing an zu zeichnen – zuerst langsam, aber schließlich habe ich nicht nur zwei Zeichnungen gemacht! Anfang letzten Jahres hatte ich darüber nachgedacht, Druck-Blöcke herzustellen und habe Polyurethanschaum verwendet, um Klumpen herzustellen, die ich dann gesägt habe, um eine flache Oberfläche zu erhalten, in die ich etwas eingravieren konnte. Das Drucken mit diesen Formen war kein Erfolg, aber ich mochte die zufälligen Formen der Schnittprofile der Blöcke selbst. Diese wurden zu Schablonen, mit denen ich Bereiche auf dem Transferpapier aussparte. Entweder als Rand, bis zu dem ich zeichnen konnte, oder als Grenze, innerhalb derer ich zeichnen konnte. Die Motive ergaben sich aus der Zeichnung. Die Zufälligkeit der Formen funktionierte gut mit der Starrheit der gezeichneten Linien. In beiden Motiven wird der Punkt, an dem die Linien zusammenlaufen, von der Zeichnung verdeckt. Diese Okklusion wird durch die metallische Überlagerung beleuchtet. Verbergen und Erleuchten werden zum Thema und bringen die Idee der Übertragung zum Ausdruck.«
(Richard Deacon, Januar 2021)

Das Wechselspiel zwischen konkav und konvex, dem Gebogenen und dem Geraden, ist für Deacons Skulpturen entscheidend und taucht ebenso in seinen Lithographien auf. Zeichnerisches und bildhauerisches Denken stehen bei ihm in engem Zusammenhang und zeigen die grundlegende Auseinandersetzung mit den Wechselwirkungen von Konstruktion und freier Form, Fläche und Raum. Durch die Titel Light und More Light werden die Graphiken schließlich sprachlich gekennzeichnet und sind nicht mehr nur ein Spiel mit zufälligen Formen und geraden Linien, sondern Gold, Silber und Strahlenkranz werden zum Ausdruck von Licht.

A-Reihe / 360. Wahl IV. Quartal 2015
Lithographien

1. Beijing #1 86,0 x 33,0 cm
2. Beijing #2 86,0 x 33,0 cm
3. Beijing #3 42,0 x 40,0 cm
4. Beijing #4 42,0 x 45,0 cm
5. Delhi 65,0 x 51,0 cm
6. Jaipur 51,0 x 65,0 cm
7. Silk Road 52,0 x 38,5 cm

Seide: Nr. 1, 2 Doupionseide von Barth & Könenkamp Seiden GmbH & Co. KG, Bremen
Papierqualität: Nr. 3, 4, 7 260 g/qm Zerkall Bütten; Nr. 5, 6 210 g/qm Zerkall Bütten
Drucker: Felix Bauer, Köln

What can I do that differs?

von Ulrich Krempel

Richard Deacons künstlerische Entwicklung ist hier nicht nachzuzeichnen, zu komplex ist deren Gang, und zu vielfältig die Medien seiner Arbeit. Der Zeichnung und weiteren Arbeiten auf Papier ist jedoch, neben der Skulptur, ein erstaunlich umfangreicher Teil seiner Arbeit gewidmet.

Nach ersten großen Konstruktionszeichnungen für spätere Skulpturen in der zweiten Hälfte der Siebzigerjahre, entwickelte sich die Zeichnung in unterschiedlichsten Arbeitszusammenhängen. Vorbereitende Konstruktionen für Skulpturen sind dabei ebenso zu finden (etwa für Blind, Deaf and Dumb, 1985) wie Radierungsfolgen, in denen sich konstruktive Elemente mit zeichnerischen Schraffuren und Parallelen verbinden, um Körper und Volumina erscheinen zu lassen (etwa in der Folge Muzot, 1987).

Deacons lakonisch reduzierte, systematische Strichführung lässt ihn wie prädestiniert erscheinen für die Arbeit sowohl in der Zeichnung als auch in graphischen Medien wie der Radierung oder der Lithographie. So entstehen neben Folgen von Tuschzeichnungen (Atlas: Gondwanaland Drawings, und Atlas: Laurasia Drawings, beide 1990) oder Untitled Drawings, 1996, auch weitere Radierungen, wie die heitere Folge der »merkwürdigen« Gemüse und Obste (Karotten, Kartoffeln und Äpfel), 1992.

2005 beschäftigte sich der Künstler bei einem Aufenthalt im Oxford Centre for Gene Function mit dem Problem der Erkennbarkeit von Strukturen elektronenmikroskopischer Untersuchungen. »Die Serie von Zeichnungen, die ich begann, kreiste um die Idee, dass sich der betrachtete Gegenstand nicht auflösen ließ. Eine derartige Gruppe von Zeichnungen umfasste komplexe ineinandergreifende Formen, deren Teile durch dicht beieinanderliegende, horizontale und vertikale Linien abgegrenzt waren… Bei einer zweiten Gruppe befand sich eine Form innerhalb der anderen und war wiederum separat durch eng beieinander liegende Linien markiert…« (Interferenz, in: Richard Deacon, So, And, If, But, Schriften 1970–2012, Düsseldorf 2014, S. 283). So entsteht eine umfangreiche Folge von Zeichnungen unter dem Titel Some Interference, die 2011 und 2012 während eines Studienaufenthaltes im Singapore Tyler Print Institute weitergeführt wird, während Deacon Papiere nun auch dreidimensional faltet und in Standskulpturen oder Wandreliefs überführt.

Nach der Rückkehr von einem Aufenthalt in Ladakh entstanden 2014 drei erste Drucke mit neuer Motivik, fußend auf Zeichnungen aus Ladakh. Die Arbeiten für die griffelkunst entstanden danach. Die gemeinsame Arbeit mit dem Drucker Felix Bauer generierte nun auch die Idee der Drucke auf Seide, deren schmalhohes Format an buddhistische Zeremonialschals erinnert und die hier in den Arbeiten Beijing #1 und Beijing #2 vorliegen. (Man kann sie ja übrigens, gedreht, auch wieder zusammenlegen und zu einer großen Form zusammenfügen.)

Die Arbeiten Beijing #1–3 und Delhi greifen die Kreuzschraffuren der »Interferenzen« wieder auf. Richard Deacon berichtet, dass Beijing #4 zunächst als zweite Farbe für Beijing #3 gedacht war, dann aber als stark genug als ein eigenes Blatt gesehen wurde. Die Arbeit knüpft an die Wandzeichnungen Deacons der letzten Jahre (wie Bamako Twins, 2015 ) an. Jaipur greift die Struktur einer großen Arbeit Deacons im Schaufenster der Galerie Thomas Schulte in Berlin auf, erinnert aber auch an die Textur der Siebdruckfolge Sleeping Beauty, 2012, in ihrer von einem Hemdmuster Deacons stammenden Rhythmik. In Silk Road, der zweifarbigen Arbeit, ist die orange Form aus Kreisbögen konstruiert, die allmählich im zeichnerischen all-over gefüllt wurden. Die weiße Öffnung in der Mitte wurde dann mit dem dunklen Rechteck geschlossen; sie bleibt aber in Anblick erkennbar und gibt der Arbeit so räumliche Tiefe.

360 A1
360 A2
360 A3
360 A4
360 A5
360 A6
360 A7

Richard Deacon

geboren 1949 in Bangor, Wales

 

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