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Schön vergänglich: Roman Signer

Die Schönheit der Vergänglichkeit: Im Jahr 1969 zeigt der legendäre Schweizer Ausstellungsmacher Harald Szeemann in der Kunsthalle Bern die Ausstellung When Attitudes Become Form. Rund 40 künstlerische Positionen versammeln sich dort, die das Ephemere und Nicht-Statische in der Skulptur in den Mittelpunkt rücken. Inmitten von Strömungen der 1960er-Jahre wie Pop Art, Happening oder Fluxus präsentiert Szeemann einen neu gedachten Skulpturbegriff. Neben Joseph Beuys sind unter anderem Richard Artschwager, Eva Hesse, Jannis Kounellis, Mario Merz, Robert Morris, Bruce Naumann und Lawrence Weiner in der Ausstellung vertreten. Die Ausstellung sorgt international für Aufsehen – nicht zuletzt, weil sie der Skulptur ihren Anspruch auf Dauerhaftigkeit und Pathos entzieht.

Seit den frühen 1970er-Jahren entwickelt Roman Signer seine sogenannten „Zeitskulpturen“, die auf diesem erweiterten Skulpturbegriff basieren. In oft experimentell anmutenden Anordnungen arbeitet er mit Elementen wie Wasser, Feuer oder Explosionen. Seine Arbeiten verbinden physikalische Versuchsanordnungen mit einer poetischen, bisweilen humorvollen Erzählweise.

In seiner 2020 entstandenen Photoserie Zeitskulptur zeigt Signer einen solchen Ablauf exemplarisch: Ein mit Wasser gefüllter Eimer hängt an einem Metallbogen, befestigt durch eine Zündschnur, davor steht eine Kerze. Deren Entzünden setzt den Ablauf in Gang. Am Ende liegt der Eimer am Boden neben der erloschenen Flamme. In sechs aufeinanderfolgenden Bildern entfaltet sich eine skurrile Kurzgeschichte – reduziert, präzise und zugleich von leiser Komik. Der Versuchsaufbau stammt von Signer, die photographische Dokumentation von seiner Frau Aleksandra.

Im Zentrum von Signers Arbeit steht die inszenierte Veränderung, oft auch der Moment der Zerstörung. Seine Aktionen tragen eine melancholische Note, ohne dabei ihre Leichtigkeit zu verlieren. Statt die Schwere klassischer Vanitas-Motive zu reproduzieren, zeigen sie eine eigentümliche, bisweilen humorvolle Schönheit des Vergänglichen. Da diese flüchtigen Prozesse nicht dauerhaft ausstellbar sind, bleiben sie vor allem in Form von Filmen oder photographischen Sequenzen erhalten.

Einen Eindruck in Signers Schaffen finden Sie auf Youtube:

Künstler Roman Signer: Lachen ist nicht verboten | Louisiana Channel