griffelkunst

Aus dem Nichts: Noi Fuhrer

Die Lithographien, die Noi Fuhrer für die griffelkunst entwickelt hat, lassen sich als konsequente Weiterführung ihrer zeichnerischen Praxis verstehen. Ausgangspunkt sind ihre großformatigen Kohlearbeiten auf Papier, in denen sich das Bild aus einer Vielzahl parallel geführter, schnell gesetzter Linien aufbaut. Diese verlaufen meist in eine Richtung und erzeugen keine klaren Konturen, sondern ein Geflecht aus Verdichtungen und Auflösungen, aus dem Formen eher auftauchen, als dass sie klar umrissen wären. Dieses Verfahren bildet auch die Grundlage für die sechsteilige Lithographie-Serie, eine Reise durch eine verschneite Landschaft. Motive wie ein Gesicht, das sich in den Schnee drückt, ein verschneiter Eingang, der Blick aus einem Flugzeug auf schneebedeckte Berggipfel oder alltägliche Szenen wie ein in Kaffee fallender Zuckerwürfel oszillieren zwischen Vertrautem und Rätselhaftem. Eindrücke tauchen auf, verweilen kurz und lösen sich wieder auf, ähnlich wie Schnee, der auf Straßen, Dächer und Bäume fällt und im nächsten Moment bereits wieder schmilzt.
In der lithographischen Umsetzung bleibt dieses Prinzip erhalten, wird aber noch verdichtet. Die Motive entstehen aus Abstufungen von Hell und Dunkel, aus rhythmischen Linien und bewusst offenen Flächen. Diese Leerstellen wirken wie Lichtzonen und erinnern an Überbelichtungen in Photographien. Der Schnee erscheint dabei doppeldeutig: als sichtbares Material und zugleich als Bildraum, aus dem Motive nur kurz hervortreten. Die Arbeiten wirken dadurch wie Momentaufnahmen eines Zustands des Übergangs.

Noch bis zum 6. Juni 2026 sind Originalzeichnungen von Noi Fuhrer in der Ausstellung “Out of Nowhere” in der Galerie Thomas Fischer in Berlin zu sehen. Die folgenden Ausstellungsansichten stammen aus der Gruppenausstellung “Memory is a Strange Bell” im Neuen Berliner Kunstverein, die gerade zu Ende gegangen ist.