griffelkunst

Tamina Amadyar

C-Reihe, 402. Wahl, II. Quartal 2026

402 C1 atlantic XI 35,0 × 46,0 cm
402 C1 atlantic XI 35,0 × 46,0 cm
402 C2 atlantic XII 35,0 × 46,0 cm
402 C2 atlantic XII 35,0 × 46,0 cm
402 C3 atlantic XIII 35,0 × 46,0 cm
402 C3 atlantic XIII 35,0 × 46,0 cm
402 C4 ophelia 35,0 × 46,0 cm
402 C4 ophelia 35,0 × 46,0 cm
402 C5 pillow talk 35,0 × 46,0 cm
402 C5 pillow talk 35,0 × 46,0 cm
402 C6 (summer) blues 46,0 × 35,0 cm
402 C6 (summer) blues 46,0 × 35,0 cm

Liegende Landschaften

Tamina Amadyar ist Malerin. Sie verwandelt Erinnerungen an die Wahrnehmung von Licht und Raum, wie sie sie in ihrer Kindheit oder auf Reisen erlebt hat, in leuchtende Farbkompositionen. In ihren Arbeiten setzt sie meist nur zwei Farben in Beziehung zueinander und schafft damit Räume und Landschaften. Durch die Verwendung von Pigmenten in Verbindung mit Hasenleim als Bindemittel entsteht ein besonders leuchtender, transparenter und lebendiger Farbauftrag. Ihre Malerei hat sie in mehrfarbige Lithographien übersetzt. In einem Interview, das Brigitte Bedei mit Tamina Amadyar im Januar 2026 per E-Mail geführt hat, erläutert die Künstlerin, wie sie ihre Farbräume entwickelt.

griffelkunst: Deine großformatigen, abstrakten Gemälde setzen Farben oft in einen Dialog. Worum geht es dir in deinen Werken, und welche Rolle spielen Form und Farbe?

Tamina Amadyar: In meinen großformatigen Arbeiten geht es mir vor allem darum, Farbe als Material ernst zu nehmen – sowohl als sinnlich-visuelles Mittel als auch als Träger von Geschichte, symbolischer und kultureller Bedeutung. Ausgehend vom Ursprung des Pigments Lapislazuli, mit dem ich mich auf einer Reise in mein Herkunftsland Afghanistan auseinandergesetzt habe, stelle ich Fragen nach der Geschichte von Farbe: von ihrem Abbau, bzw. ihrer natürlichen Gewinnung, bis hin zu ihrem Handel, der von historischen Bewegungen und Handelsrouten geprägt ist. Lapislazuli wurde besonders seit der Renaissance in der abendländischen Malerei verwendet und gelangte über die Seidenstraße nach Europa. In meiner Arbeit setze ich meine eigene Geschichte sowie Bewegungen durch Migration und Reisen in Bezug dazu. Form und Farbe sind dabei eng miteinander verbunden. Die reduzierten Formen verweisen oft auf Landschaften oder Räume, ohne sie konkret abzubilden. Daher würde ich sie nicht als abstrakt bezeichnen. Gleichzeitig legen sie die physische Präsenz der Farbe offen – ihre Schichtung, ihre Porosität, ihre Haptik. Der Malprozess selbst ist für mich zentral: das Auftragen und Freilegen von Farbschichten ist ein sinnlicher, beinahe archaischer Akt. Diese Erfahrungen schreiben sich in die Farbe und die Komposition ein. So verstehe ich meine Malerei als einen Ort, an dem Material und Natur miteinander verhandelt werden – über Zeit hinweg und jenseits einer eindeutigen Erzählung.

griffelkunst: Malerisch sind auch die sechs Lithographien, die du für die griffelkunst entwickelt hast. Welche Herausforderungen gab es bei der Übersetzung in ein druckgraphisches Medium?

Tamina Amadyar: Mir war von Anfang an sehr wichtig, die Lithographie als eigenständige Technik zu behandeln und meine Malerei nicht eins zu eins auf die Steine zu übertragen. Daher habe ich gezielt Motive ausgewählt, die eine eigene Entwicklung erlauben – etwa Landschaftsmotive, die ursprünglich im Rahmen einer Residency an der kanadischen Atlantikküste entstanden sind. Zusätzlich habe ich farbintensivere Motive neu entwickelt. Die größte Herausforderung war die Farbe: Brillanz, Überlagerungen und Präsenz der einzelnen Farben ließen sich im Druck viel schwerer steuern als auf der Leinwand. Deshalb habe ich einen anderen Ansatz gewählt – weg vom reinen Fokus auf die Farben hin zu der Öffnung der Flächen und Betonung ihrer Struktur. Bei den Landschaften habe ich mich an Tuschearbeiten orientiert, die eher von Grau- und blassen Sandtönen dominiert werden. Dadurch kommen die Lasuren und Schraffuren der Steine in ihrer Feinheit besonders gut heraus. Einige Steine habe ich jedoch in den für meine Malerei klassischen Farbkombinationen (blau/ grün und rot/magenta) entwickelt.

griffelkunst: In den Landschaftsassoziationen tauchen auch figürliche Elemente auf. Wie bist du bei der Entwicklung dieser Motive vorgegangen?

Tamina Amadyar: Tatsächlich tauchen in meiner Malerei auf Leinwand zuletzt immer wieder figürliche Andeutungen wie Schatten auf. Auch in der Lithographie wollte ich damit spielen und die Überlagerungen der Farben nutzen, um diese Schatten oder Silhouetten erscheinen zu lassen. Normalerweise male ich Porträts eher reduziert auf monochromen Hintergründen. Für mich ist es spannend, die verschiedenen Aspekte meiner Arbeit – Farbe, Figur und Landschaft – zusammenzubringen.

Porträt_Tamina-175.jpg

Tamina Amadyar

1989 geboren in Kabul, Afghanistan,
lebt und arbeitet in Berlin