griffelkunst

Karimah Ashadu

A-Reihe, 401. Wahl, I. Quartal 2026

401 A1 Icons (Machine Boys) I
401 A1 Icons (Machine Boys) I
401 A2 Icons (Machine Boys) II
401 A2 Icons (Machine Boys) II
401 A3 Icons (Machine Boys) III
401 A3 Icons (Machine Boys) III
401 A4 Icons (Machine Boys) IV
401 A4 Icons (Machine Boys) IV
401 A5 Icons (Machine Boys) V
401 A5 Icons (Machine Boys) V
401 A6 Icons (Machine Boys) VI
401 A6 Icons (Machine Boys) VI
401 A Mappe
401 A Mappe

Mensch mit Maschine

Karimah Ashadu, aufgewachsen zwischen London und Lagos, studiert Bildende Kunst und Raumdesign in London und Amsterdam. Nach ihrem Studium wendet sie sich zunächst der Malerei zu. Heute lebt sie in Lagos und Hamburg und beschäftigt sich intensiv mit dem Medium Film. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Lichtwark-Förderpreis (2025). Für ihren Beitrag auf der Biennale von Venedig erhielt sie 2024 den Silbernen Löwen. Aus dem dort prämierten Film Machine Boys stammen die Filmstills, die ihrer Griffelkunst-Edition zugrunde liegen. Diese präsentiert sie nicht als Photos, sondern übersetzt sie in Hochdrucke. In enger Zusammenarbeit mit Lars Dahms und Daniel Vogler vom Atelier für Druckgrafik in Wedel wurden die Motive zunächst invertiert und anschließend in verschiedenen Farben auf silbernen und goldenen Fond gesetzt. Wovon der Film handelt und wie sie zu der ungewöhnlichen Technik und Farbgebung ihrer Edition gefunden hat, erzählt sie in einem Interview, das Stephanie Bunk im Februar 2026 per E-Mail mit der Künstlerin geführt hat.

griffelkunst: Karimah, deine Edition geht zurück auf Filmstills aus deinem prämierten Film Machine Boys. Wovon handelt er?

Karimah Ashadu: Machine Boys erkundet die informelle Motorradtaxi-Ökonomie von Lagos, dargestellt durch eine Gruppe unerschrockener junger Männer. Der Film untersucht, wie Männlichkeit, Handlungsfähigkeit und Überleben am Rande der Legalität ausgehandelt werden, und fokussiert sich dabei durch dynamische Kinematographie auf die Intimität zwischen Körper und Maschine.

griffelkunst: Drei der Motive der Edition zeigen Personen und die anderen fokussieren sich auf Details der Motorräder und ihrer Fahrer. Wonach hast du die einzelnen Motive ausgewählt?

Karimah Ashadu: Die Auswahl knüpft an die Kernthemen des Werks an. Einige Bilder zeigen die Männer, wie sie sich der Kamera zuwenden und so die »vierte Wand durchbrechen« – eine Geste, die ich oft in meinen Filmen verwende, um eine aktivere Beziehung zwischen den Darstellenden und den Betrachtenden zu schaffen. Die anderen Bilder konzentrieren sich auf die Motorräder; ihre fast spielerische Körperlichkeit und die Spuren ihrer Fahrer, die durch Abnutzung und individuelle Anpassungen zurückbleiben. Zusammen spiegeln die Bilder eine intime Beziehung zwischen Mensch und Maschine wider, in der beide Zeichen von Arbeit, Identität und gelebter Erfahrung tragen.

griffelkunst: Du hast dich bei der Umsetzung deiner Edition für den Hochdruck entschieden, sodass die Szenen stark entfremdet wirken. Was hat dich an dieser Technik interessiert?

Karimah Ashadu: Der Hochdruck erlaubt es mir, das filmische Bild zu etwas Greifbarem zu erweitern, in dem Spuren von Entscheidungsfindungen und Arbeit sichtbar bleiben. Als ausgebildete Malerin schätze ich die malerischen und skulpturalen Aspekte des Hochdrucks. Dadurch bewahrt das Bild Erinnerungen und zugleich seine materielle Präsenz.

griffelkunst: Bei der Zerlegung der einzelnen Motive und der Zuordnung von Farben für verschiedene Bildebenen bist du sehr malerisch vorgegangen. Jedes Blatt setzt sich zusammen aus einem Fond in Silber oder Gold, auf den du bis zu zwei weitere Farbschichten gesetzt hast. Wie ist diese besondere Palette an Farben entstanden?

Karimah Ashadu: Die Farbpalette ist vom Film inspiriert, wurde aber in den Druckprozess übersetzt. Mich reizen Akte des Auslöschens, Überlagerns und Wiederhinzufügens, wo durch Farbverschiebungen neue Erzählungen während des Machens entstehen. Mir gefällt, wie die Farben ineinanderfließen, wie Farbtöne durch die Kombination gedämpft oder dynamisch wirken. Der Einsatz von Metallic-Tönen verleiht ihnen einen gewissen Reiz, und ich mag, wie die Farben knallen.

Karimah_Ashadu_-_Portrait_2025_-_Photo_Aaron_Leithauser.jpg

Karimah Ashadu

1985 geboren in London, GB,
lebt und arbeitet in Hamburg, London und Lagos, Nigeria