griffelkunst

Hans Hansen

A-Reihe, 404. Wahl, IV. Quartal 2026

404 A1 403 C2 ohne Titel
404 A1 403 C2 ohne Titel
404 A2 ohne Titel
404 A2 ohne Titel
404 A3 403 C3 ohne Titel
404 A3 403 C3 ohne Titel
404 A4 ohne Titel
404 A4 ohne Titel
404 A5 ohne Titel
404 A5 ohne Titel
404 A6 ohne Titel
404 A6 ohne Titel
404 A Mappe
404 A Mappe

»Weglassen, was unnötig ist.« 

von Stephanie Bunk

Hans Hansen gilt als einer der bedeutendsten Photographen der Nachkriegszeit. Kaum ein anderer hat unsere Wahrnehmung der alltäglichen Dingwelt seit den 1960er-Jahren so entscheidend geprägt wie er. Sein Gebiet ist die Produktund Sachphotographie, sowohl angewandt als auch frei. In der umfassenden Werkschau Foto: Hans Hansen sind in Hamburg im MK&G bis zum 1. November ikonische Photographien aus seinem fast 70 Jahre umfassenden Schaffen zu sehen. Noch immer verblüffen seine Aufnahmen für Lufthansa, Nikon oder Volkswagen durch ihre technische Präzision, ihre graphische Qualität und ihren Ideenreichtum. Geradezu exemplarisch dafür steht ein Photo aus dem Jahr 1988. Es zeigt einen VW Golf, der so in seine einzelnen Bestandteile zerlegt wurde, dass sie wie ein Bausatz um ihn herum drapiert liegen.

Erst vor kurzem hat der 86-jährige Photograph sein Atelier in der Hamburger Admiralitätstraße aufgegeben. Auf die Einladung der griffelkunst, eine Serie zu entwickeln, greift Hansen nicht etwa in eine seiner gut gefüllten Schubladen. Das fände er langweilig. Ihn interessiert das Neue, nicht die Wiederholung. Und so haben wir ein paar Monate gewartet, bis er uns seinen Vorschlag im Juli 2026 vorgestellt hat. In dieser Zeit hat Hansen Blätter an unterschiedlichen Orten gesammelt. Den Zeitpunkt hat er so gewählt, dass ein noch junges Kastanienblatt die gleiche Größe wie das eines Ginkgobaumes hat. In seinen Photographien scheinen die Blätter auf grauem Grund zu schweben. Ihre schwarzen Silhouetten erinnern eher an Scherenschnitt als an Photographie. Erst beim genauen Hinsehen entdeckt man bei manchen Blättern die Binnenstruktur, ihre Adern und das Netz aus Gefäßen, die sich als feine schwarze Linien abzeichnen. Wie sind die Aufnahmen technisch entstanden?

In Experimenten mit Lichttechnik hat Hansen ein Verfahren entwickelt, das charakteristisch für seinen Stil geworden ist. Dabei kommt der Leuchttisch als ein Arbeitsgerät zum Einsatz, das ihm noch aus seiner Lehre zum Lithographen vertraut ist. Den Leuchttisch nutzt er als Lichtquelle und Seziertisch, auf dem er Gegenstände zerlegt, arrangiert und photographiert. Durch das Durchleuchten von unten bei gleichzeitigem Licht von oben wirken seine Motive wie losgelöst. Seit der Entdeckung des Leuchttisches als Lichtquelle in den 1990er-Jahren sind viele Designobjekte auf diese Weise in Szene gesetzt worden. Doch Hans Hansen holt sich auch immer wieder die »Natur« in sein Atelier; für Aufnahmen von Lebensmitteln für Magazine wie den Stern oder das SZ-Magazin und redaktionelle Beiträge für das Greenpeace Magazin genauso wie für eigene Projekte. Ihn beschäftigt die Natur, gerade weil sie oft übersehen wird. Er nutzt sein Verfahren für präzise Stillleben und Naturstudien von Blüten, Gräsern und Blättern, welche die Pflanzen unabhängig von ihrem Entstehungsort zeigen. Hartmut Böhme interpretiert Hansens Vorgehen in seinem Text Zweite Schöpfung folgendermaßen: »Man versteht jetzt, warum Hansen Dinge oft radikal isoliert. Das Einzelne wird zum Exemplar eines ästhetischen Prinzips, nämlich der ästhetischen Bauformen der Natur. […] Es ist die Kunst des Photographen, welche die Kunst der Natur hervortreten lässt.« Das Interesse an den Bauformen der Natur verbindet ihn mit Vertretern der Pflanzenphotographie wie Karl Blossfeldt und Fred Koch, von denen in der griffelkunst bereits Mappenwerke erschienen sind. Bei Hansen ist es weniger die Liebe zum Detail, als seine Liebe für eine gewisse Einfachheit. Seine Kunst liegt in der Reduktion auf das Wesentliche. Er steht eher in der Tradition des Minimalismus und der Abstraktion. »Ein Blatt, herausgelöst aus seinem Grün, in Hans Hansens Licht zu einer Art Idealform abstrahiert, die gerade aus all ihren Eigenarten, Asymmetrien, Unregelmäßigkeiten, Windungen, Welkungen ihre Schönheit schöpft. So erkenne ich das Blatt in dieser nie zuvor gesehenen Reinheit – als Modell seiner Art. Aber es ist nicht das Blatt – es ist ein Blatt. Kein Blatt einer Art ist wie ein anderes – und doch sind sich alle in einer Art gleich.« Mit diesen Worten beschreibt Axel Kufus Hansens Pflanzenstudien. Den Produktdesigner und den Photographen verbinden eine langjährige Zusammenarbeit, zuletzt an der Ausstellung für das MK&G, und viele gemeinsame Spaziergänge. »Es ist diese Einzigartigkeit im Großen und Ganzen, die Hans Hansen für mich entdeckt.« Seinem persönlichen Fazit kann man sich mit Blick auf die aktuelle Serie nur anschließen.

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Hans Hansen

1940 geboren in Bielefeld,
lebt und arbeitet in Hamburg