Martin Eder
361./362. Wahl I./II. Quartal 2016
Objektbox
P51 Das Farbensehen
Das hypnotische Verfahren der binocularen Spektralinduktion
nach Martin Eder
Fünf Photographien im Inkjet-Druck,
Anaglyph-Graphik mit 3D-Brille, Vinyl-Single,
Textblatt, Glasobjekt in leinenbezogener Objektbox mit Prägedruck.
27,5 x 23,0 x 6,0 cm
Papierqualität Photographien und Graphik: 325 g/qm Hahnemühle FineArt Baryta
Hersteller Photographien und Graphik: foto company altona, Hamburg
Hersteller Box: Buchbinderei Zwang, Hamburg
Produktion Single: Amei.se, Hamburg
Gestaltung: Katharina Fiedler, Berlin
Hypnose-Text der Vinyl-Single, gesprochen von Martin Eder
Hypnose und Verführung
Martin Eder ist nicht nur Bildender Künstler, sondern beschäftigt sich seit vielen Jahren aktiv mit Hypnose, Suggestion, Neuro-Linguistischem Programmieren und Okkultismus. Er sammelt Magic Books aus den Zwanzigerjahren, Mindreading und Mentalismus sind seine Hauptthemen. Für die griffelkunst hat er ein Multiple entwickelt, eine magische Box, bei der Hypnose das zentrale Thema ist:
griffelkunst: Du befasst Dich eingehend mit Hypnose und Magie und hast Dich sogar zum Hypnotiseur ausbilden lassen. Was hat Dich dazu getrieben?
Martin Eder: Hypnose ist nichts anderes als ein Modell der Realität, bewusst erlebte und selbst inszenierte Realität. Welten entstehen und werden ebenso zerstört, alles im Kopf und in der Vorstellung. Das ist identisch mit dem künstlerischen Prozess.
griffelkunst: In Deinen Bildern geht es um Verführung und Illusion auf vielerlei Ebenen. Du zeigst surreale Szenerien, die sich verschiedenster Bildmotive bedienen, Kitsch und Klischee sind dabei visuelle Werkzeuge. In welcher Beziehung steht die Hypnose zu Deinem künstlerischen Werk?
Martin Eder: Das Unterbewusstsein gleicht ständig unsere visuellen Sinneseindrücke ab mit gelernten Symbolen und Sachverhalten und lässt so unser Verständnis sowie unser Bild von Realität entstehen. Wir erleben die Umwelt durch akustische, visuelle Reize, die im Einzelnen noch keinen Sinn ergeben, solange sie nicht in ein Wertesystem eingepasst sind, das uns im Konsens mit Gelerntem die reale Welt suggeriert. Bilder sind nichts als Symbole, unterbricht man diese gewohnten Assoziationsketten, dann entsteht ein sogenannter »Pattern Interrupt«, was soviel wie Musterunterbrechung / Musterstörung bedeutet. Unser Bewusstsein kann aber damit nichts anfangen und beginnt Lösungen zu suchen und zu finden, um die Information einzuordnen. Kommt dabei kein akzeptabler, rationaler Ansatz zustande, übergeben wir an die Emotion und lassen uns von Gefühlen leiten. Kitsch ist nichts anderes als eine inhaltliche Einengung, eine Verdichtung auf gemeingültigen Konsens, was an sich ja nichts Negatives hat. In der Hypnose werden Bilder suggeriert, die dem Probanden sehr real vorkommen. Es besteht kein Unterschied zwischen einer echten guten Laune und einer selbst produzierten guten Laune. Es ist eine Frage der Bereitschaft, sich auf Glaubenssysteme einzulassen und diese zu akzeptieren. Und schon sind wir bei der Kunst.
griffelkunst: Für die griffelkunst hast Du ein mystisches Objekt entwickelt, mit dem der Benutzer selbst einsteigen kann in die Welt der Hypnose. Gibt der Magier damit sein Geheimnis weiter?
Martin Eder: In gewisser Weise ja und auch nein. Die Objektbox kann dem Interessierten einen wundervollen Einblick geben in die Welt der Selbsthypnose und ermöglicht ein spannendes Experiment des halluzinierten Farbensehens und dessen Wirkung auf den Geist und das Befinden. Mittels einfacher Objekte kann es bei richtiger Anwendung zu einer wundervollen Erfahrung kommen, völlig bedenkenlos und natürlich. Das Geheimnis dabei entsteht jedoch jedes Mal neu und ist von Anwender zu Anwender meistens verschieden.
griffelkunst: Wie funktioniert die Box?
Martin Eder: Die Box beinhaltet eine Schallplatte und Texte mit Instruktionen zum Farbensehen, eine Anaglyph-Graphik mit dazugehöriger Spezialbrille für binokulares, räumliches Sehen rot-cyan, ein Glasobjekt sowie Photographien zur Visualisierung der Prozesse.
Diese Gegenstände dienen zur Selbstinduktion und bieten für den Betrachter eigenständige Möglichkeiten des Farbsehens, nach dem der Vorgang verinnerlicht wurde.

Martin Eder, 1968 geboren in Augsburg, lebt und arbeitet in Berlin.