griffelkunst

Anton Henning

C-Reihe, 401. Wahl, I. Quartal 2026

401 C1 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 205
401 C1 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 205
401 C2 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 206
401 C2 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 206
401 C3 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 207
401 C3 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 207
401 C4 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 208
401 C4 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 208
401 C5 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 209
401 C5 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 209
401 C6 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 210
401 C6 Die Griffel Suite (Blumenstillleben mit Früchten) No. 210

Ein etwas ungelenker Tisch und die grosse Klassische Moderne

von Dirk Dobke

Ein Blumenstrauß aus drei Blumen in einer bauchigen Vase, rechts daneben drei stilisierte Früchte. Das Arrangement steht auf einem etwas ungelenk wirkenden Tisch in einem nicht näher definierten Raum vor einem Fenster. Das Motiv wird in sechs Varianten immer in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau gezeichnet und anschließend als Lithographien gedruckt. Wer von der griffelkunst zu einer für uns klassischen sechsteiligen Serie eingeladen wird und dafür ein ebenso klassisches Thema wie das Stillleben wählt, das er zeichnerisch in sechs Variationen durchdekliniert, der verbindet konzeptionelle Klarheit und Reflexion mit einer großen Freude an zeitgenössischer Malerei und Zeichnung. Der Urheber dieser Edition ist Anton Henning, der als Maler, Bildhauer, Designer und Filmemacher nördlich von Berlin in Fehrbellin arbeitet.

Auf den ersten Blick wirkt es, als halte Anton Henning uns in seinen Bildern und Installationen den Spiegel der Kunstgeschichte vor. Schaut man seine Werke an, öffnen sich in unserem inneren Bildermuseum unmittelbar Bezüge zur Klassischen Moderne. Erfreut glauben wir Anklänge an Cézanne, Monet, Matisse, Modigliani oder Picasso und anderer Erneuerer der Kunst um 1900 vor uns zu haben. Im selben Moment jedoch realisieren wir, dass in den Werken noch etwas anderes mitschwingt – etwas Eigenständiges, Gegenwärtiges. Eine feine Prise Humor begleitet die erste vermeintliche Erkenntnis, relativiert sie und verleiht den Arbeiten bei aller Seriosität eine unerwartete Leichtigkeit und spürbare Freude am Machen.

Es geht hier nicht um eine kunsthistorische Rückschau, sondern um eine zeitgenössische Bildsprache, die Stilanleihen der Klassischen Moderne aufgreift und lebendig weiterführt. Henning hat eine genaue Kenntnis dessen, was der Malerei einst zu neuem Schwung und ihrem bis heute ungebrochenen Zauber verhalf. Doch er zitiert sie weder retrospektiv noch ironisch, stattdessen überführt er frisch und selbstverständlich in die Gegenwart. Der Künstler widmet sich bevorzugt den großen Themen der Malerei wie dem Stillleben, dem Akt oder dem Porträt und untersucht, fast nebenbei möchte man sagen, ihre gegenwärtige Relevanz. Sind sie lediglich tradierte Sujets oder doch zeitlos gültig? Ist ein liegender, weiblicher Akt in Zeiten proklamierter Wokeness noch zeitgemäß? Und betrachten wir ein Stillleben heute noch mit ungebrochener Freude? So befragt Henning den Zeitbezug malerischer Darstellungen. Er mischt die bekannten Stile frei, kombiniert und variiert sie miteinander. Seine Werke spielen mit den großen Vorbildern der Kunstgeschichte und feiern die Schönheit der Malerei. Das geschieht nicht akademisch oder pathetisch überhöht im Rückgriff, vielmehr als gegenwärtiger Ausdruck mit einem Augenzwinkern.

Für unsere Stillleben-Serie Griffel Suite (Blumenstilleben mit Früchten) greift Anton Henning keinen spezifischen historischen Malstil auf, sondern das Prinzip der motivischen Variation selbst. Praktisch alle Maler der Klassischen Moderne verbindet, dass sie ihre Sujets immer wieder unter veränderten Bedingungen – im wechselnden Licht oder in neuen Stimmungen – variierten. Henning nimmt diese Form der künstlerischen Auseinandersetzung mit einem konkreten Motiv als Rahmen für unsere Serie auf und beschränkt sich noch dazu konsequent auf die drei Grundfarben. So schafft er einen Fächer von spontan hingeworfen wirkenden Stillleben – frisch und zeitgenössisch umgesetzt und doch im Geiste der Moderne.

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Anton Henning

1964 geboren in Berlin,
lebt und arbeitet in Berlin und Manker