Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

Yann-Vari Schubert

C-Reihe / 379. Wahl
III. Quartal 2020

Lithographie
Untitled (Fusiforms)
40,0 × 40,0 cm

1. Fusiform #1
2. Fusiform #2
3. Fusiform #3
4. Fusiform #4
5. Fusiform #5
6. Fusiform #6

Papierqualität: 250 g/qm Zerkall Bütten Alt Meißen
Drucker: stein_werk, Thomas Franke, Leipzig

Magie und Technik

von Stephanie Bunk

Für die Arbeit an seiner Edition hat Yann-Vari Schubert zunächst sein Berliner Atelier und später auch die Druckwerkstatt von Thomas Franke in Leipzig in ein Forschungslabor verwandelt. Dort wurde nicht weniger als die Lithographie im digitalen Zeitalter entwickelt, wobei die Arbeitsbedingungen eher an Alchemie als an am Computer generierte Kunst erinnern lassen. Ausgangspunkt für Schuberts Forschungsarbeit sind Formen, die sich aus einer mathematischen Zufallsfunktion herausbilden lassen. In der Serie für die griffelkunst beschäftigt er sich mit zufälligen Formen, die eine geschlossene Linie einnehmen kann. Um diese zu simulieren, erstellt Schubert mit Hilfe des 3D-Programms Cinema4D zunächst eine geschlossene Linie aus einzelnen Knotenpunkte, die das Programm wie bei einem Diagramm kurvenförmig miteinander verbindet. Ausschlaggebend für die Berechnung sind die einzelnen Knotenpunkte, die sich manipulieren und bewegen lassen. Aus ihrer Verteilung ergeben sich die verschiedenen Formen, von denen der Künstler einige ausgewählt hat, um sie in die Lithographie zu übersetzen.

Dafür hat er ganz analog die Form der Linie mit Nadeln auf einem Holzbrett nachgebildet. Jede Nadel steht für einen Knotenpunkt. Diese Nadeln hat er in die Tusche auf den Lithostein getaucht und während des Trocknungsvorgangs dort belassen. Die Lithotusche reagiert auf die Nadeln: Je enger der Abstand zwischen den Nadeln ist, umso länger dauert der Trocknungsprozess. Dadurch bilden sich mehr Trocknungslinien, die den malerischen Charakter der Bilder ausmachen. Die runde Form des Motivs erinnert an eine Petrischale oder an den Blick durch ein Mikroskop auf eine Formation von Zellen. Was entsteht hier? Als Betrachter beginnt man unwillkürlich, in den abstrakten Gebilden Figürliches zu entdecken. Mit diesen verschiedenen, letztlich durch Zufall gesteuerten Prozessen, haben Yann-Vari Schubert und Thomas Franke von der Lithodruckwerkstatt stein_werk über Monate hinweg experimentiert. Die Zusammensetzung der Tusche, der Abstand der Nägel zueinander und der Feuchtigkeitsgehalt der Steine und des Papiers, alles musste im Rahmen dieser Versuchsanordnung aufeinander abgestimmt werden. Ganz zu schweigen von äußeren Einwirkungen, wie der Raumtemperatur, die das Ergebnis beeinflussten.

Durch ihre Forschungsarbeit ist es Beiden gelungen, diese flüchtigen Prozesse, die das Geheimnis der Lithographie ausmachen, sichtbar zu machen und Drucke von ganz eigener Schönheit zu schaffen. In der materiellen Übersetzung aus dem virtuellen Raum in den Druck lösen sich die Figuren aus ihrem strengen mathematischen Raster heraus und beginnen ein Eigenleben, eine eigene Realität. Genau dieses Spannungsfeld zwischen dem Logisch-Mathematischen und den unvorhersehbaren und schwer zu kontrollierenden Prozessen der Lithographie interessierten Yann-Vari Schubert: »Ich denke, dass das Gespenstische der Bilder auch durch die Gleichzeitigkeit dieser gegensätzlichen Prinzipien entsteht.« Die entstandenen Drucke zeigen, wie sich im Werk von Yann-Vari Schubert Kontrolle und Zufall, Technik und Magie zu etwas Neuem, Ungesehenen verbinden.

379 C1
379 C2
379 C3
379 C4
379 C5
379 C6

Yann-Vari Schubert
wurde 1984 in Göttingen geboren.
Er lebt und arbeitet in Berlin. Bis 2014 studierte er an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und graduierte bei Matt Mullican. 2016 erhielt
er das Hamburger Arbeitsstipendium für bildende Kunst.

Ausstellungen
2019 Undocumented, PS120, Berlin
2018 While we never see the moon, Kunsthaus Jesteburg (E)
Frozen to Pieces, Gussglashalle, Berlin
2017 ... Repeat Until ..., Conradi, Hamburg (E)
2016 Everyone Is Unique ..., Kunstverein Leipzig
2015 Wessen Subjekt bin ich?, Kunstverein Düsseldorf
2013 Atlas 2013, Bundeskunsthalle, Bonn

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