Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014 ©griffelkunst

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

Miwa Ogasawara

C-Reihe / 376. Wahl
IV. Quartal 2019

Lithographie
1. Raum
37,5 × 28,0 cm
2. Schwelle
27,0 × 33,0 cm
3. Hope
45,5 × 32,0 cm
4. Zu Dritt
54,0 × 38,0 cm
5. Träume
29,7 × 42,0 cm
6. Fliegen
45,5 × 32,0 cm

Papierqualität: 260 g/qm Zerkall Bütten (1, 2, 5)
210 g/qm Zerkall Bütten (3, 4, 6)
Drucker: Felix Bauer, Köln

Zwischen Licht und Schatten

griffelkunst: In Deinem Atelier habe ich neben Malerei erstmals Tuschezeichnungen von Dir gesehen. Welchen Stellenwert hat dieses Medium in Deinem Werk?
Miwa Ogasawara: Die Tuschezeichnung ist wie eine unmittelbare Gedankenskizze. Im Gegensatz zu meiner Ölmalerei auf Leinwand mit vielen Schichten und Lasuren, entstehen meine Papierarbeiten schnell und intuitiv. Bei der Arbeit mit Tusche auf Papier wird alles auf das Wesentliche reduziert. Dieser Reduktionsprozess ist wichtig für die Konkretisierung der Idee.

griffelkunst: Wie ist es Dir gelungen, Deine reduzierte Malerei in die Lithographie zu überführen? Was war dabei die größte Herausforderung?
Miwa Ogasawara: In meiner Malerei geht es immer um das Thema Menschlichkeit. Die Malerei ist für mich ein Projektionsraum des Lebens und auch ein Feld, in dem ich das Menschliche verdichten und poetisieren kann. Das Dargestellte ist nicht ein kurzer Augenblick, sondern eine Atmosphäre des Lebens, welche die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in sich trägt. Diese zeitliche Dimension habe ich in die Lithographie überführt. In der Woche in der Werkstatt bei Felix Bauer in Köln habe ich gemerkt, dass eine gelungene Lithographie nur durch eine gute Kommunikation und Teamarbeit mit dem Steindrucker entstehen kann. Die Lithographie-Herstellung ist das Gegenteil von meiner alleinigen Arbeit im Atelier – hier geht es nicht um einen eigenen malerischen Prozess, sondern um einen wohl überlegten Vorgang. Die Tuschezeichnung auf den Lithostein zu setzen war, bedingt durch das Material, anders, als auf Papier oder Leinwand zu arbeiten. Auf der Steinoberfläche wird die Tusche nicht sofort eingesaugt. Die flüssige Farbe bildet zuerst eine Masse und hinterlässt nach der Trocknung eine zufällige Struktur. Es war spannend, den Verlauf zu entdecken und damit zu arbeiten.

griffelkunst: In deiner Lithographie-Serie zeigst Du zwei Vorhang-Motive, ein häufig wiederkehrendes Motiv. Was hat es damit auf sich?
Miwa Ogasawara: Ich versuche, die Momente des Unsagbaren einzufangen und das Innenleben des Menschen zu reflektieren. Das Vorhang-Motiv ist eine Metapher für das unsichtbare, seelische Sein. Das Bild Schwelle könnte die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt des Menschen darstellen. Eine kleine Bewegung in der Luft oder des Lichtes bewirkt eine Veränderung im Innenraum. So verhält es sich auch auf seelischer Ebene. Das Bild Raum thematisiert die Welt hinter dem Vorhang. Existiert dieser Raum bereits oder entsteht er noch? Besteht er in der realen Welt oder ist er imaginär? Der Vorhang steht in dieser Arbeit auch für die verblassende Erinnerung, die ganz verschwinden kann.

griffelkunst: Du arbeitest mit einer sehr reduzierten Farbpalette. War es schwierig, diese feinen Nuancen mitzunehmen in die Druckgraphik?
Miwa Ogasawara: Meine Bilder basieren zumeist auf Grau, Schwarz und Weiß. Im vielschichtigen Farbauftrag füge ich häufig ein minimales Kolorit hinzu. So lasse ich eine Atmosphäre des Imaginären entstehen. Die Graustufen sind deshalb wichtige Elemente in meiner Arbeit. Und in der Tat, meine feinen Farbnuancen waren viel schwieriger in der Lithographie umzusetzen, als ich es mir vorgestellt habe. Beispielsweise kam die Farbschichtung von Weiß auf Schwarz nicht so zur Geltung, wie ich es mir erhofft hatte. Aber der große Vorteil der Lithographie ist, dass die Farbigkeit so lange ausgetestet werden kann, bis die endgültige Farbkombination gefunden ist. Diese Möglichkeit ist reizend und ich würde diese Technik gerne weiterverfolgen!

Das Interview führte Brigitte Bedei im August 2019

Miwa Ogasawara (Photo: Andreas Siebler)
1973 geboren in Kyoto, Japan
1997–2002 Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg
2004–2007 Hochschule für bildende Künste, Hamburg
lebt und arbeitet seit 1992 in Hamburg

Ausstellungen
2019 Still, Loock Galerie, Berlin (E)
Feelings, Pinakothek der Moderne, München (G)
2018 Kowaremono, Gallery Maho Kubota, Tokio, Japan (E)
2014 Reflexion, Galerie Vera Munro, Hamburg (E)

Publikation
Im Licht, Miwa Ogasawara, Kerber Verlag, 2014

© Griffelkunst e.V. 2019 Alle Rechte vorbehalten! Impressum Datenschutz