Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

Barbara Camilla Tucholski

A-Reihe / 367. Wahl
III. Quartal 2017

Radierung
32,0 × 40,0 cm / 24,0 × 32,0 cm

1. Pusteblume schwebend
2. Pusteblume liegend
3. Pusteblume gegenseitig
4. Pusteblume siebenfach
5. Pusteblume zu dritt
6. Pusteblume zu zweit
7. Pusteblume allein

Papierqualität: 230 g/qm Hahnemühle Art Worms
Drucker: Norbert Weber, Eckernförde

Über die Vergänglichkeit

von Brigitte Bedei

Barbara Camilla Tucholski ist eine intensive Beobachterin – als Malerin und ganz besonders als Zeichnerin. Seit den 1980er-Jahren arbeitet die Künstlerin kontinuierlich in seriellen Zeichnungszyklen, die ein Motiv, ein Thema immer wieder von neuem aus verschiedenen Perspektiven und Positionen umkreisen in der »ewigen Wiederkehr des Gleichen«. Gegenstand ihrer künstlerischen Untersuchungen sind meist Orte, die eng mit ihrer Biographie verknüpft sind, wie ihr Geburtsort Loitz und ihre Wohnorte Oevelgönne, Wien und Rom. Sie untersucht reale Orte: Häuserfluchten, Treppenhäuser, Museen oder transitorische Orte wie die U-Bahn von Rom. Daneben finden sich Naturreflexionen wie etwa filigrane Zeichnungen von Pusteblumen in allen nur erdenklichen Stadien. Immer zeichnet die Künstlerin vor Ort und nimmt dabei zum Teil ungewöhnliche Positionen ein, indem sie oft zum Beispiel rücklings auf dem Boden liegend zeichnet oder vor bzw. im Motiv stehend arbeitet. Dadurch entwickelt Tucholski eine sehr eigene, unakademische Art von Perspektive, die merkwürdig verschoben erscheint. Es entstehen polyperspektivische Innenräume oder aus der Froschperspektive gezeichnete Straßen. In raschen, pointierten Lineaturen zeichnet sie ihre Motive spontan und reduziert auf das Papier und ist dabei nur dem momentanen Augenmerk verpflichtet. Es entstehen subjektive Notate, voller Auslassungen und Leerstellen.

Für die griffelkunst hat die Künstlerin eine siebenteilige Serie entwickelt, die mitten in der Natur der Ostseeküste entstanden ist. Ausgestattet mit einer eigens entwickelten Feldstaffelei, Kupferplatten und Radiernadel zog die Künstlerin in die Natur, um Pusteblumen in die mit Lack präparierten Druckplatten zu zeichnen. Seit mehr als 30 Jahren ist sie fasziniert von diesem Motiv. Die unzählige Vielfalt ihrer Formen, die Komplexität und gleichzeitige Anspruchslosigkeit ihrer Aura treibt sie zu immer neuen Zeichnungen des gleichen Sujets. Die Pusteblume erscheint dabei in unterschiedlichsten Ausführungen, immer fragil und zart gezeichnet, auf das Wesentliche reduziert. Wie in ihren spontan ausgeführten Bleistiftzeichnungen zeichnet Tucholski auch auf der Kupferplatte mal mit stärkerem, mal mit schwächerem Duktus, sodass die Pflanzen durch die rasch gesetzten Striche fast fragmentarisch wirken. Die Radierungen sind ohne jeglichen Illusionismus gezeichnet und vermitteln in ihrer Reduziertheit etwas Existenzielles.

So zeigt uns die Künstlerin den Pflanzenkopf der Pusteblume, eine Kugel mit zarten Schirmen, der in ihren Zeichnungen zwischen Zerbrechlichkeit und Stärke changiert. Zwei nebeneinanderstehende Halme, abgeknickte Stiele und welke Blütenstände stehen ganz unvermittelt im Dialog miteinander. In einem Feld voller verblühter Fruchtstände, die frei im Raum zu schweben scheinen, erhalten die Zwischenräume als Bildfläche eine ganz eigene Bedeutung. Vieles schwingt in dem Pusteblumen-Zyklus mit und lässt den Betrachter assoziieren – Kindheitserinnerungen an die fliegenden Schirme im Sommer, die Kugel als Symbol der Gesamtheit aller Möglichkeiten in einer endlichen Welt, und schließlich die Vanitas, die Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, der Barbara Camilla Tucholski mit ihren wunderbaren, poetischen Radierungen nachspürt.

Barbara Camilla Tucholski,
geboren 1947 in Loitz an der Peene, lebt und arbeitet in Oevelgönne, Loitz, Wien und Rom.
1970–76 Kunstakademie Düsseldorf
1976–81 Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Philosophie, Universität Bonn
1995–2013 Professur an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel
2016 10. Egmont-Schaefer-Preis für Zeichnung (K)

Ausstellungen
2017 vor Ort, Galerie Werner Klein, Köln (E)
Pflanzen in der Kunst, Ausstellungshaus Spoerri, Hadersdorf bei Wien
2016 Zeichnungsräume II, Positionen zeitgenössischer Graphik, Hamburger Kunsthalle
2015 Straßen, Galerie Sfeir-Semler, Hamburg (E)
2014 Menschen, Tiere und Kanonen, Kunsthalle Rostock
2012 Albertina Contemporary, Albertina, Wien (E)

© Griffelkunst e.V. 2017 Alle Rechte vorbehalten! Impressum