Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

Thomas Baldischwyler

Projekt-Reihe
369./370. Wahl
I./II. Quartal 2018

P60 Buster Keaton, 2016/2018
Radierung, Pergaminhülle, beidseitig bedruckt
59,5 × 41,5 cm / 40,0 × 29,5 cm

P61 Stone Roses, 2016/2018
Lithographie, 2-farbig, Pergaminhülle, beidseitig bedruckt
59,5 × 41,5 cm / ca. 39,0 × 36,0 cm

P62 Toulouse Lautrec, 2016/2018
Lithographie auf Aquarell, Pergaminhülle, beidseitig bedruckt
59,5 × 41,5 cm / ca. 37,0 × 25,0 cm

Papierqualität Lithographie: 250 g/qm Alt Meißen
Papierqualität Radierung: 250 g/qm Hahnemühle Alt Worms
Drucker_innen: Ellen Sturm-Loeding, Carlos Leon, Lars Lundqvist, Hamburg
Pergaminhülle: 60 g/qm
Hersteller: Hera Papierverarbeitung, Nidda

Medienwechsel

Thomas Baldischwyler ist zurzeit Stipendiat in der Villa Massimo in Rom.
Brigitte Bedei hat ihn zu seinem dortigen Aufenthalt und zu seiner aktuellen Edition für die griffelkunst befragt:

griffelkunst: Thomas, wie lebt es sich als Künstler in Italien?

Thomas Baldischwyler: Im sicheren Schoß der Villa Massimo natürlich sehr angenehm. Ich bin allerdings mit einem strengen Konzept nach Italien gereist und durch meine Recherchen auf vielen Ebenen mit einem Land konfrontiert worden, das meine pessimistischsten Erwartungen übertroffen hat. In meinem Hauptprojekt geht es unter anderem um zwei Langspielplatten, die 1993 in Rom produziert worden sind und deren Klang-Ästhetik für mich so etwas wie ein Pre-Sentiment der auf vielen Ebenen zerstörerischen politischen Agenda Silvio Berlusconis und seiner Partei Forza Italia zu sein scheint. Dass Berlusconi 2018 aus der historischen Versenkung auftauchen könnte, hat mich bei meiner Ankunft im September unvorbereitet getroffen.

griffelkunst: Zurück nach Hamburg. 2016 warst Du auf unsere Einladung hin Stipendiat in der Druckwerkstatt von Ellen Sturm-Loeding. Zum Einstieg hast Du zunächst einmal verschiedene Wurstscheiben auf den Lithostein gelegt ...

Thomas Baldischwyler: Die Wurstscheiben waren der Chemie des Lithodrucks geschuldet. Nach einer kurzen Einführung dachte ich, dass man wegen dieser ohne Probleme eine Art Photogramm von handelsüblichen Wurstgesicht-Scheiben anfertigen könnte. Die Rechnung hatte ich leider ohne die Fleischerinnung gemacht: Der Fettanteil der Scheiben war so gering, dass Ellen Sturm-Loeding und ich sehr große Schwierigkeiten hatten, einen druckbereiten Stein daraus zu fertigen. Trotz dieser Startschwierigkeiten kam für mich die Einladung in die Druckwerkstatt 2016 genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich hatte mich gerade von einer Produktionsart verabschiedet (den formalistischen Lackschüttungen) und war dabei – neben der Produktion von Künstlerschallplatten – neue Annäherungspunkte an die Seitenarme meiner breitgefächerten Produktion zu finden. Flyer und Plakate für Konzerte z.B. im Hamburger Pudel Club oder Ausstellungen in Artist-Run Spaces waren für mich immer eine angenehme Abwechslung. Diese eher graphischen und schriftlastigen Sachen rückten zu der Zeit wieder mehr vom Rand ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit. Die Idee einer Aktualisierung klassischer politischer Plakate ließ sich gut mit den alten Drucktechniken verbinden, die mir Ellen Sturm-Loeding damals hervorragend vermittelt hat.

griffelkunst: In unserer aktuellen Ausstellung stehen nun drei der Arbeiten, die während des Stipendiums entstanden sind, zur Wahl. Wie bist du von den Wurstscheiben auf den Schauspieler Buster Keaton, die Musik-Band Stone Roses und den Maler Toulouse-Lautrec gekommen?

Thomas Baldischwyler: Mir lag ja sehr viel daran, den Moment der Konfrontation mit den für mich neuen alten Techniken zu thematisieren. Also den Zustand des Medienwechsels, der mit Probieren und Spontanität verbunden war, zum Bildinhalt zu machen. Dabei sind eine Vielzahl von Motiven entstanden. Für die aktuelle Wahl habe ich mich für drei klassische Porträtbilder in unterschiedlichen Ausschnitten entschieden. Mein freundlich-naiver Gebrauch der klassischen Darstellungsmittel wird mit den tragischen Lebensläufen der Abgebildeten konterkariert. Die Protagonisten sind Buster Keaton, der die Einführung des Tonfilms nicht überlebt hatte, Toulouse-Lautrec, dessen letztes Bild vom einsamen Alkohol-Tod quasi ein Seestück ist, und Jackson Pollock, dessen Gemälde Full Fathom Five Namensgeber für die rückwärts laufende, alternative Version des Songs Elephant Stone der britischen Band Stone Roses war.

griffelkunst: Jede der edierten Graphiken steckt in einer Pergaminhülle, die mit einem handgeschriebenen Text von Dir bedruckt ist. Text und Bild überlagern sich räumlich und inhaltlich. Darf das Bild auch aus der Hülle? Ist es ohne Text lesbar?

Thomas Baldischwyler: Die Farben der Texte auf den Hüllen beziehen sich ironisch auf den RGB-Farbraum. Dieser additive Farbraum ist vor allem für Computer, Tablets und Smartphones unverzichtbar. Mit dem textlichen Surplus auf den Verpackungen der Bilder nehme ich den Betrachter in die Verantwortung und mache ihn im Idealfall zum dechiffrierenden Kulturwissenschaftler. Die zum Teil sehr schwer lesbaren und skizzenhaften Anmerkungen zu jedem Bild erweitern die Motive und führen zugleich in ganz andere Bereiche. Natürlich kann man die Bilder ohne Texte lesen. Aber ein Blick ins chaotische Poesie-Album des Künstlers macht doch jedem Spaß, oder?

Das Interview für die griffelkunst führte Brigitte Bedei per E-Mail im Februar 2018.

Thomas Baldischwyler wurde 1974 in Lage/Lippe geboren. 2006 beendete er sein Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. Im Anschluss erhielt er verschiedene Preise und Stipendien, u.a. das Stipendium der Villa Massimo in Rom, ein Residenz-Stipendium der Philipp-Otto-Runge-Stiftung, das Reisestipendium Neue Kunst in Hamburg e.V. sowie den Förderpreis des Westfälischen Kunstvereins Münster.
Seit 2010 betreibt er das Künstlerschallplatten-Label Travel By Goods. Er arbeitet als Künstler, DJ, Musiker und Autor, wobei in seiner künstlerischen Praxis oft alle Bereiche ineinander verwoben sind.
Thomas Baldischwyler lebt in Hamburg und ist zurzeit Stipendiat in der Villa Massimo in Rom.

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