Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

Miwa Ogasawara

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E 590
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E 591

Einzelblätter

Lithographie

E 590
Wolken
36,0 × 43,5 cm

E 591
Fenster
53,5 × 38,0 cm

Papierqualität: 300 g/qm Somerset Bütten
Druck: Felix Bauer, Köln

Über den Wolken

von Brigitte Bedei

Wolken sind ein Naturphänomen. Sie unterliegen dauernder Veränderung, haben keine feste Form und kennen keine Grenzen. Das macht sie zu einem Symbol für Veränderung und Freiheit und zum Gegensatz zu allem Irdischen. Durch ihre Gestaltlosigkeit liegen sie im Grenzbereich des Darstellbaren und sind gerade dadurch auch in der Malerei von Bedeutung und werden zum eigenständigen Motiv. Wolkenformationen sind ein häufiges Sujet im Werk von Miwa Ogasawara. Sie zeigt jedoch nicht den gewohnten Blick in den Himmel, sondern schaut perspektivisch von oben herab auf Himmel, Wolken und Erde, ganz so, als wäre sie selbst ein Teil davon. In ihren Werken befasst sich die Künstlerin mit Bewusstseins- und Erfahrungsgrenzen des Menschen. Sie findet Bilder für die Schönheit und Zerbrechlichkeit unseres Daseins und greift dafür auf wiederkehrende Sujets zurück. Neben Landschaften sind es vor allem Innenräume und Situationen des Übergangs zwischen Innen und Außen, aber auch von einem Medium in ein anderes, die sie interessieren. Dafür stehen für sie etwa Fenster und Vorhänge, die einen Übergang markieren und dabei selbst transparent und beweglich sind. Sie sind zart und durchlässig und bieten doch Schutz. So wie kleine Veränderungen und Bewegungen von Luft und Licht eine Veränderung im Innenraum bewirken, so verhält es sich auch auf seelischer Ebene. Ihre Werke zeigen so immer auch die Fragilität der menschlichen Existenz. Wind und Luft als Metaphern des Immateriellen verhandelt sie dabei ebenso, wie Licht und Schatten als Grundbedingung des Sehens und der Wahrnehmung. Ihre Malerei lebt von der Überlagerung verschiedener Farbschichten und Lasuren, die sich zu fein nuancierten Farbverläufen zusammensetzen. Ihre Farbpalette ist reduziert, es überwiegen Grau- und Blautöne, denen sie Spuren anderer Farben beimischt. Durch die Wiederholung und Variation einzelner Motive macht sie die Veränderlichkeit von Formen und Licht, Atmosphäre und Stimmungen sichtbar, die auch das Thema der beiden Einzelblätter für die griffelkunst sind. Sie gehen zurück auf aktuelle Gemäldezyklen der Malerin, die sie in die Lithographie übersetzt hat.

Bereits 2019 haben wir eine Serie von sechs Lithographien der Künstlerin vorgestellt, sodass die Übersetzung ihrer Malerei in die Druckgraphik kein Neuland mehr für sie war. Für das Motiv Wolken setzt sie malerisch das schwebende Wolkenmeer vor milchig blauem Himmel auf drei Lithosteine und führt sie im Druck zu einer Form zusammen. Dabei arbeitet sie mit den Eigenschaften des Steindruckes. Auf der Steinoberfläche zieht die aufgetragene Litho-Tusche nicht sofort ein. Die flüssige Farbe bildet zunächst eine Masse und hinterlässt nach der Trocknung eine zufällige Struktur, die erst im Druck sichtbar wird. Die fluide Form der Wolke wird so sinnfällig. In dem Blatt Fenster fällt Licht durch einen Vorhang in das Innere eines Raumes und hinterlässt auf dem Boden ein Spiel aus horizontalen und vertikalen Streifen. Auch hier arbeitet Miwa Ogasawara mit den Eigenheiten der Lithographie und ersetzt die sich überlagernden Lasuren ihrer Malerei durch den einfachen Duktus der Pinselstriche, durch die sie im Druck die Papierfarbe scheinen lässt. Wie in ihren Tuschezeichnungen reduziert die Künstlerin ihre Motive auf das Wesentliche. Der Vorhang wird hier nur angedeutet, Licht, Schatten und Spiegelung erheben sich sanft vor tiefblauem Grund. Zwar setzt Ogasawara ihre Motive malerisch um, akzeptiert dabei aber den Unterschied zwischen den Medien Malerei und Druckgraphik. So werden die Darstellungen von Wolken und Fenster in Abstraktion und Auflösung getrieben. Verbindendes Element der beiden Graphiken sind die Farbkombinationen, in denen sie gedruckt wurden. Changierende Blautöne und ein Hauch von Gelb – ein Farbspiel, das an die ukrainischen Nationalfarben erinnert. Ihre Sehnsucht nach Frieden und Freiheit ist das Leitthema ihrer für uns in der Werkstatt von Felix Bauer in Köln entwickelten Lithographien.

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376 C1
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376 C5
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376 C6

C-Reihe / 376. Wahl
IV. Quartal 2019

Lithographie
1. Raum
37,5 × 28,0 cm
2. Schwelle
27,0 × 33,0 cm
3. Hope
45,5 × 32,0 cm
4. Zu Dritt
54,0 × 38,0 cm
5. Träume
29,7 × 42,0 cm
6. Fliegen
45,5 × 32,0 cm

Papierqualität: 260 g/qm Zerkall Bütten (1, 2, 5)
210 g/qm Zerkall Bütten (3, 4, 6)
Drucker: Felix Bauer, Köln

Zwischen Licht und Schatten

griffelkunst: In Deinem Atelier habe ich neben Malerei erstmals Tuschezeichnungen von Dir gesehen. Welchen Stellenwert hat dieses Medium in Deinem Werk?
Miwa Ogasawara: Die Tuschezeichnung ist wie eine unmittelbare Gedankenskizze. Im Gegensatz zu meiner Ölmalerei auf Leinwand mit vielen Schichten und Lasuren, entstehen meine Papierarbeiten schnell und intuitiv. Bei der Arbeit mit Tusche auf Papier wird alles auf das Wesentliche reduziert. Dieser Reduktionsprozess ist wichtig für die Konkretisierung der Idee.

griffelkunst: Wie ist es Dir gelungen, Deine reduzierte Malerei in die Lithographie zu überführen? Was war dabei die größte Herausforderung?
Miwa Ogasawara: In meiner Malerei geht es immer um das Thema Menschlichkeit. Die Malerei ist für mich ein Projektionsraum des Lebens und auch ein Feld, in dem ich das Menschliche verdichten und poetisieren kann. Das Dargestellte ist nicht ein kurzer Augenblick, sondern eine Atmosphäre des Lebens, welche die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in sich trägt. Diese zeitliche Dimension habe ich in die Lithographie überführt. In der Woche in der Werkstatt bei Felix Bauer in Köln habe ich gemerkt, dass eine gelungene Lithographie nur durch eine gute Kommunikation und Teamarbeit mit dem Steindrucker entstehen kann. Die Lithographie-Herstellung ist das Gegenteil von meiner alleinigen Arbeit im Atelier – hier geht es nicht um einen eigenen malerischen Prozess, sondern um einen wohl überlegten Vorgang. Die Tuschezeichnung auf den Lithostein zu setzen war, bedingt durch das Material, anders, als auf Papier oder Leinwand zu arbeiten. Auf der Steinoberfläche wird die Tusche nicht sofort eingesaugt. Die flüssige Farbe bildet zuerst eine Masse und hinterlässt nach der Trocknung eine zufällige Struktur. Es war spannend, den Verlauf zu entdecken und damit zu arbeiten.

griffelkunst: In deiner Lithographie-Serie zeigst Du zwei Vorhang-Motive, ein häufig wiederkehrendes Motiv. Was hat es damit auf sich?
Miwa Ogasawara: Ich versuche, die Momente des Unsagbaren einzufangen und das Innenleben des Menschen zu reflektieren. Das Vorhang-Motiv ist eine Metapher für das unsichtbare, seelische Sein. Das Bild Schwelle könnte die Grenze zwischen Innen- und Außenwelt des Menschen darstellen. Eine kleine Bewegung in der Luft oder des Lichtes bewirkt eine Veränderung im Innenraum. So verhält es sich auch auf seelischer Ebene. Das Bild Raum thematisiert die Welt hinter dem Vorhang. Existiert dieser Raum bereits oder entsteht er noch? Besteht er in der realen Welt oder ist er imaginär? Der Vorhang steht in dieser Arbeit auch für die verblassende Erinnerung, die ganz verschwinden kann.

griffelkunst: Du arbeitest mit einer sehr reduzierten Farbpalette. War es schwierig, diese feinen Nuancen mitzunehmen in die Druckgraphik?
Miwa Ogasawara: Meine Bilder basieren zumeist auf Grau, Schwarz und Weiß. Im vielschichtigen Farbauftrag füge ich häufig ein minimales Kolorit hinzu. So lasse ich eine Atmosphäre des Imaginären entstehen. Die Graustufen sind deshalb wichtige Elemente in meiner Arbeit. Und in der Tat, meine feinen Farbnuancen waren viel schwieriger in der Lithographie umzusetzen, als ich es mir vorgestellt habe. Beispielsweise kam die Farbschichtung von Weiß auf Schwarz nicht so zur Geltung, wie ich es mir erhofft hatte. Aber der große Vorteil der Lithographie ist, dass die Farbigkeit so lange ausgetestet werden kann, bis die endgültige Farbkombination gefunden ist. Diese Möglichkeit ist reizend und ich würde diese Technik gerne weiterverfolgen!

Das Interview führte Brigitte Bedei im August 2019

Miwa Ogasawara (Photo: Andreas Siebler)
1973 geboren in Kyoto, Japan
1997–2002 Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg
2004–2007 Hochschule für bildende Künste, Hamburg
lebt und arbeitet seit 1992 in Hamburg

Ausstellungen
2019 Still, Loock Galerie, Berlin (E)
Feelings, Pinakothek der Moderne, München (G)
2018 Kowaremono, Gallery Maho Kubota, Tokio, Japan (E)
2014 Reflexion, Galerie Vera Munro, Hamburg (E)

Publikation
Im Licht, Miwa Ogasawara, Kerber Verlag, 2014

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