Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

Patrick Rieve

B-Reihe, 332. Wahl, IV. Quartal 2008
Radierungen
41,5 x 30,0 cm / 29,0 x 21,0 cm

1. o.T. (collegeblock)
2. part of the magical show
3. undercover
4. outside the range
5. hosted by mind
6. addicted
7. built to resist

Papier: Zerkall Bütten 350 g/m2
Drucker: Werkstatt für Kupfertiefdruck Wolfgang Kellner, Neustadt/Weinstraße

Am Anfang der Serie steht ein scheinbar leeres Blatt kariertes Papier. Es dient Patrick Rieve als Matrix und Möglichkeitsraum für seine comicartigen Zeichnungen von Schriftzügen, wie man sie aus Skizzenbüchern, aber vor allem aus Schulheften, Collegeblöcken und Tagebüchern kennt. Durch das Karopapier scheinen sich Rieves Schrift-Zeichnungen wie von selbst zu materialisieren und schaffen die Illusion eines dreidimensionalen Raumes, in dem die Wörter gleichsam stehen. Mit dem Illusionsraum, den Wörter eröffnen können, setzt sich Rieve auch in seinen Wandbildern auseinander, die wie die Griffelkunst-Edition allein aus raumgreifenden Schriftzügen bestehen. Auf diese Weise thematisiert er das Verhältnis von realem und virtuellem Raum, die sich in seinen Arbeiten gegenseitig zu bedingen scheinen. Oft ist sein unmittelbarer Lebensraum Gegenstand seiner Bilder. In der Arbeit „Homework“, einer Serie von Zeichnungen und Collagen aus dem Jahr 2005-07, analysiert er seinen eigenen Wohnraum aus verschiedenen Perspektiven und sammelt so Hinweise auf den Bewohner. Doch obwohl er sämtliche sichtbare Details zusammenträgt, ergibt sich nur ein fragiles, bruchstückhaftes Bild seiner Person als Subjekt des Raumes. Das vom Künstler inszenierte Selbst bleibt eine Leerstelle der Bilder, die sich nicht füllen lässt durch das Netz aus Verweisen und Spuren. Selbsterforschung wird hier zu einer detektivischen Tätigkeit, wobei der Künstler die Spuren gleichzeitig auslegt und verfolgt.
„Under Cover for a Secret Mission“ lautet das Motto eines der Motive der siebenteiligen Edition für die griffelkunst und deutet an, dass sich sowohl der Künstler als auch der Betrachter wie Detektive auf Spurensuchen im Bezugssystem des Patrick Rieve bewegen. „I want to know“ ist auf einem anderen Blatt mit dem Titel „out- side the range“ unten rechts am Rand zu lesen, daneben die Zeichnung eines Mannes, der deutlich die Züge des Künstlers trägt und auch schon in anderen Zeichnungen Rieves aufgetreten ist. „Mehr (über sich) wissen zu wollen“ ist eines der zentralen Themen der Serie, genauso das Interesse an dem Bereich jenseits der bewussten Gedanken. Seine Radierungen tragen den Charakter von geheimen Botschaften und Sinnsprüchen, sie erinnern an die gestickten „Küchen- oder Kalendersprüche“ unserer Großeltern genauso wie an Weisheiten aus der Ratgeberliteratur. Sprachlich greifen sie den Jargon aus dem Dienstleistungs- und Werbesektor auf oder handelt es ich um ernst gemeinte Lebensratschläge aus der östlichen Philosophie? Rieve spielt mit den Bezügen auf verschiedenste kulturelle Quellen, aus denen sich collageartig sein Bedeutungsrahmen aufbaut. Er lässt uns darüber im Unklaren, ob seine Sprüche als Aufforderung oder Kritik gemeint sind. Mit seiner Serie nimmt Patrick Rieve auch Bezug auf das Prinzip der griffelkunst, denn als Mitglied lebt man mit den erhaltenen Blättern, mit den ungeliebten genauso wie mit den heiß begehrten. Statt einer Arbeit über Räume, hat er diesmal eine Arbeit für Räume geschaffen, die je nachdem, welche man auswählt, genauso viel über den Künstler wie den Benutzer verraten.

Patrick Rieve

1971 geboren in Jülich, lebt in Köln

 

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