Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

Peter Piller

B-Reihe / 360. Wahl IV. Quartal 2015
Inkjet-Prints
33,5 cm x 45,0 cm

aus der Serie: Bereitschaftsgrad
1. Ohne Titel
2. Ohne Titel
3. Ohne Titel
4. Ohne Titel
5. Ohne Titel
6. Ohne Titel
7. Künstlerbuch: Ruhe, Archiv Peter Piller
112 Seite, 21 x 21 cm, Hardcover mit Schutzumschlag

Papierqualität: Brilliant Supreme Matte Ink Jet Paper 230 g/qm
Hersteller: PigLab Hamburg
Hersteller Mappe und Künstlerbuch: Reset, Graphische Medien, Hamburg

Vom Blitz getroffen im Archiv Peter Piller

von Stephanie Bunk

Im Werk von Peter Piller lassen sich zwei Hauptrichtungen unterscheiden: auf der einen Seite sein photographisches und zeichnerisches Werk, auf der anderen Seite seine Arbeit mit bestehenden Archiven bzw. der Aufbau des Archivs Peter Piller. Die Bilder, die in Pillers Sammlung eingehen, stammen aus unterschiedlichen Kontexten und spiegeln verschiedene Gebrauchsweisen des Mediums Photographie wider. Neben Ausstellungen ist es vor allem die Buchform, die der Künstler zur Präsentation dieses Materials wählt. Er fügt den Bildern dabei nichts hinzu. Im Gegenteil liegt seine Strategie vor allem im Weglassen begründet sowie im Auswählen, Sortieren und neu Zusammensetzen. »Erst durch das Nebeneinanderstellen von Reproduktionen fördert Piller wiederkehrende Grundmotive und Gleichartigkeiten zutage«, schreibt Ludwig Seyfarth in dem Materialienband, der anlässlich Pillers großer Retrospektive im Fotomuseum Winterthur erschienen ist. Die Grundmotive und Gleichartigkeiten sind nicht offensichtlich, sondern gelangen absichtslos und unbewusst in die Bilder.

Es handelt sich eher um ein subversives Moment des Bildes, das die Bedeutung, die dieses transportieren soll, konterkariert. Dieses subversive Element, das jegliche Sinnstiftung durch das Bild fragwürdig erscheinen lässt, blitzt wie zufällig in Peter Pillers Werk auf. Vielleicht kann man dieses Aufblitzen mit den Reflexionen auf Leuchtstreifen aus der Serie Regionales Leuchten vergleichen, die 2005 Teil seiner Postkarten-Edition für die griffelkunst war. Man hat fast den Eindruck, es sei das Bild selbst, das auf den Blick des Künstlers reagiert, wobei das umso besser gelingt, je absichtsloser und abwartender er sich selbst seinem Material gegenüber verhält.
Roland Barthes hat für die verschiedenen Weisen ein Bild zu betrachten die Unterscheidung zwischen Studium und Punctum geprägt: Während man während des Studiums einer Photographie versuche, die zu übermittelnde Information eines Bildes zu erfassen, so treffe das Punctum den Betrachter wie ein Pfeil und rücke jegliche informationellen Bezüge in den Hintergrund. Man könnte es als den »Peter-Piller-Effekt« bezeichnen, wenn es dem Künstler gelingt, diesen Pfeil auch in Richtung Betrachter umzuleiten, sodass man Bilder hinterher mit anderen Augen sieht.

Das Weglassen als Strategie setzt Peter Piller auch bei der aktuellen Edition für die griffelkunst ein. Die Serie Bereitschaftsgrad zeigt vergrößerte Doppelseiten aus der Zeitschrift Armeerundschau, die von 1956 bis 1990 in der DDR erschien. Sie richtete sich zwar an Soldaten, war aber auch über das Militär hinaus sehr beliebt, wohl nicht zuletzt aufgrund der – zwar bekleideten – Pin-Ups, die ein wesentlicher Bestandteil des Magazins waren. Zu sehen ist jeweils das Schwarzweiß-Photo einer Frau, das in Analogie zu einer Szene aus dem Alltag von NVA-Soldaten zwischen Übungen, Ruhepausen und Zahnarztbesuchen gesetzt wurde. Dadurch, dass der Künstler den verbindenden Text zwischen beiden Bildern entfernt hat, stehen beide Bildwelten und Systeme jedoch völlig disparat nebeneinander, genau so wie sie es auch im übertragenen Sinne tun.

C-REIHE, 320. Wahl, IV. Quartal 2005

Archiv Peter Piller, 2005
Postkartensätze mit jeweils 10 bis 16 Karten in einem Pappfolder
Postkartenformat: 10,5 x 14,8 cm bzw. 14,8 x 10,5 cm

1. Schießende Mädchen (12 Karten)
2. Innenräume (16 Karten)
3. Ortsbesichtigung (14 Karten)
4. Regionales Leuchten (10 Karten)
5. Diese Unbekannten (12 Karten)
6. Vandalismus (16 Karten)
7. Bauerwartungsflächen (16 Karten)

Papierqualität: Invercote 300g/qm
Drucker: Bahruth Druck & Medien GmbH, Hamburg
Hersteller Pappen: Norddeutsche Pappscheibenfabrik, Stapelfeld

Seit 1997 habe ich als Angestellter einer Media-Agentur, betreut mit der Anzeigenkontrolle, täglich eine große Menge Regionalzeitungen aus ganz Deutschland gesichtet. Ich wurde bei dieser Arbeit aufmerksam auf ein Bildgenre, das in dieser Weise noch nicht in der Kunst rezipiert wurde: die Photographie sogenannter „Bauerwartungsflächen“.
Es handelt sich dabei um eine kuriose Versuchsanordnung: ein Photograph wird an einen Ort geschickt, um ein Photo zu machen, aber das Gebäude, um das es geht, ist noch gar nicht erbaut, also unsichtbar. Ich fand in diesen scheinbar absichtslos erstellten Aufnahmen vieles von dem eingelöst, was ich mir als Photograph zur Aufgabe gestellt hatte.
Durch meine Lohnarbeit mit Zeitungsmaterial versorgt, konnte ich rasch eine ausreichende Anzahl dieser Aufnahmen sammeln und veröffentlichte sie unter einem Titel, der Bildunterschrift eines solchen Photos gewesen war: Noch ist nichts zu sehen (vgl. Archiv Peter Piller, Bd. 3).
Dies war der Beginn meiner Sammlungen von Zeitungsbildern, die inzwischen in etwa 100 Sammelgebieten mehr als 6 000 Aufnahmen umfassen.

Peter Piller

Archive zählen zu den zentralen Themen in der Kunst des 20. Jahrhunderts: von der Lust am Sammeln bis zum wissenschaftlichen Vergleich, von der Aufgabe des Erinnerns bis zum Problem der Speicherung. Eines der zentralen Medien der Archivierung ist und bleibt dabei die Photographie. Sie entscheidet wie kein anderes Medium darüber, wie das Bild aussieht, das man sich von einer Zeit macht, von der Gegenwart genauso wie von der Vergangenheit. Nach einer Euphorie des Sammelns und Archivierens werden Archive seit den 1960er Jahren zunehmend kritisch reflektiert. Heute ist die künstlerische Praxis des Archivierens eher als eine Bewegung der Nicht-Archivierung, des Überschreibens und damit der Aneignung von bestehenden Archiven zu verstehen. So auch bei Peter Piller, der sich aus dem Bildfundus von Regionalzeitungen bedient. Der Künstler gibt nicht nur den Photographien von lokalen Ereignissen eine neue Bedeutung. Indem er die Ordnung des unbewussten Bildarchivs durcheinander bringt, spielt er auch mit den Sehgewohnheiten, nach denen Bilder im Alltag wahrgenommen werden. Während man immer schon meint zu wissen, wie eine Photographie zu verstehen ist, werfen Pillers Bilder die Frage nach dem eigentlich Gemeinten und damit nach der Konstruktion von Bedeutung auf.

320 C1
320 C2
320 C3
320 C4
320 C5
320 C6
320 C7

Peter Piller

1968 geboren in Fritzlar

 

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