Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

Marcel van Eeden

C-Reihe / 355. Wahl III. Quartal 2014
Radierungen
Traum eines Chemikers

1. ohne Titel 31,0 x 40,0 cm / 20,0 x 30,0 cm
2. ohne Titel 31,0 x 40,0 cm / 20,0 x 30,0 cm
3. ohne Titel 31,0 x 40,0 cm / 20,0 x 30,0 cm
4. ohne Titel 31,0 x 40,0 cm / 20,0 x 30,0 cm
5. ohne Titel 31,0 x 40,0 cm / 20,0 x 30,0 cm
6. ohne Titel 40,0 x 31,0 cm / 30,0 x 20,0 cm

Papierqualität: 250g/qm Zerkall Alt Bern
Drucker: Atelier für Druckgrafik, Hamburg
Hersteller Mappe: Buchbinderei Zwang, Hamburg
Druck: Ena Klopp, Hamburg

Traumhafte Radierungen eines Chemikers

von Brigitte Bedei

Von 1993 bis 2007 erstellt Marcel van Eeden auf kleinformatigen Blättern Tag für Tag eine Zeichnung, immer im gleichen Format: 19 x 28 cm, gezeichnet mit Kohle-, Farb- und Nerostiften. Es entstehen tausende von Zeichnungen, die auf Motiven von Photographien, Zeitungsausschnitten, Büchern, typographischen Atlanten und sonstigen Dokumenten basieren. Der Künstler nimmt die Ästhetik aus dem Bilderfundus vergangener Zeiten auf und zeigt in seinen Zeichnungen nächtliche Stadtansichten, Feuerszenarien, abstrakte Formen sowie Texte, die er häufig mit Hilfe von Schablonen überträgt. Die Vorlagen stammen allesamt aus der Zeit vor seiner Geburt am 22. November 1965. Im Panorama der Zwanziger- bis Sechzigerjahre, das der Künstler entfaltet, rekonstruiert er Zeitgeschichte, an der er selbst nicht teilgehabt hat. So bindet sich jede seiner Arbeiten nicht nur an die eigene Biographie an, sondern thematisiert immer auch Abwesenheit, eine melancholische Ferne. Mit seinen Bildzyklen, die reale Biographien mit fiktiven Geschichten verbinden, zählt der niederländische Künstler zu den wichtigsten Zeichnern der Gegenwart.
Lange war unklar, in welchem Medium Marcel van Eeden seine Edition für die griffelkunst realisieren würde. Er entschied sich schließlich für die Radierung, genauer die Strichätzung, eine subtile künstlerische Technik, die dem Künstler ermöglicht, sein vornehmlich zeichnerisches Werk in die Druckgraphik zu übersetzen. »All chemicals and tools are ready«, schreibt van Eeden an seine Drucker Lars Dahms und Daniel Vogler nach dem Erhalt der gewünschten Kupferplatten. Dazu schickt er ein Photo aus seiner Werkstatt, auf dem verschiedene Chemikalien, Trichter, Becher, Zangen und Radierwerkzeuge gruppiert sind. In den folgenden Wochen ätzt, radiert und druckt der Künstler sechs verschiedene Motive für einen Radierzyklus in seinem Atelier.
Entstanden sind sechs wahrlich traumhafte Radierungen, die in ihrer Struktur fast ein wenig altmodisch erscheinen. Traum eines Chemikers ist der Titel der Serie, mit dem der Künstler ein Kapitel aus Sigmund Freuds Traumdeutung von 1899 zitiert. Neben dem Titelbild, das streng typographisch angelegt ist, zeigt van Eeden drei Stadtansichten seiner Geburtsstadt Den Haag in den Dreißigerjahren. Die schwarzweiß-Ansichten bauen sich über schraffierte Flächen auf, verdichten sich zum Rand hin und erinnern in ihrer Ästhetik ein wenig an Sequenzen aus einem melancholischen Film. Teilweise unleserlich in die Platte geritzte Textfragmente am oberen Bildrand beschreiben Zeit und Ort des Dargestellten — und schon beginnt das Spiel: Marcel van Eeden erfüllt die Figur des Chemikers aus Freuds Traumdeutung mit Leben und visualisiert dessen Traumwandlungen durch das nächtliche Den Haag. Und mehr noch: ein anatomisch gezeichneter Herzmuskel, eine informelle Zeichnung, jeweils mit Texten kombiniert, komplettieren die Serie. Van Eeden fügt hier Bild- und Textfragmente zusammen und kreiert so einen fiktiven Traum. »Brass and Copper«, Messing und Kupfer, steht in schablonierter Schrift am unteren Bildrand der gegenstandslosen Zeichnung, Materialien, die in der Radierung ihre Anwendung finden. Die dazugehörige Zeichnung wirkt fast wie eine Materialstudie, ein Ausprobieren von Möglichkeiten, die die Kupferplatte bereithält. Wird der Künstler selbst zum »Chemiker«, ist es sein eigener Traum, den er visualisiert? Marcel van Eeden lädt uns ein zu einem vielschichtigen Spiel aus Realität und Fiktion, aus An- und Abwesenheit, aus Vergangenheit und Gegenwart.

Marcel van Eeden

geboren 1965 in Den Haag, Niederlande

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