Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst

Johanna Tiedtke

Audioguide

Projekt-Reihe
371./372. Wahl
III./IV. Quartal 2018

UV-Print auf Glas
15,0 × 12,3 × 0,3 cm

Käthe
P63 Käthe 1
P64 Käthe 2
P65 Käthe 3
P66 Käthe 4
P67 Käthe 5
P68 Käthe 6

Hersteller UV-Print: Weidling, Berlin
Hersteller Glaszuschnitt: Wolfgang Pagel, Hamburg
Glasqualität: SCHOTT Mirogard
Hersteller Box: Norddeutsche Pappscheibenfabrik Synatschke & Sohn, Hamburg

Lose Enden

von Stephanie Bunk

Malerei, Photographie und verschiedene analoge und digitale Drucktechniken verbinden sich im Werk von Johanna Tiedtke und transformieren zu einer neuen, vielschichtigen Bildsprache. Zwar nutzt die Künstlerin auch die klassischen Techniken der Druckgraphik, doch die Druckergebnisse haben mit klassischen Graphiken wenig gemein. So erinnern ihre UV-Ducke auf Glas eher an Cyanotypien als an Radierungen, die bei der Entstehung eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Motive gehen zurück auf die letzte Handarbeit im Leben ihrer Großtante Käthe, die bis ins hohe Alter gestickt hat.
Sie entstand, als diese bereits dement war und spiegelt die unterschiedlichen Stadien des Erinnerungsverlustes wider. Die einzelnen Muster verändern sich stark im Laufe der Arbeit, Motive und Ornamente verlieren sich
und werden an anderer Stelle wieder aufgegriffen. Diese Stickerei hat die Künstlerin gescannt und digital bearbeitet. Den von ihrer Großtante unfreiwillig begonnenen Prozess der Auflösung des Motivs hat sie fortgeschrieben, indem sie einzelne Kreuzstiche in Pixel übersetzt hat, während sie andere verschwinden ließ. Die so entstandenen Vorlagen hat sie in Zinkplatten radiert und anschließend gescannt. Das Licht des Scanners bricht sich in den entstandenen Vertiefungen so, dass sie auf dem Scan als weiße Linien zu sehen sind. Auch Materialunebenheiten oder Fingerabdrücke auf der Zinkplatte werden im Scan als weiße Flecken sichtbar. Anschließend hat die Künstlerin einzelne Motive übereinandergelegt und in UV-Druck auf Glas überführt.

Die einzelnen Glasarbeiten entsprechen zusammengesetzt dem Format der ursprünglichen Stickarbeit. Einzeln verstärken sie den fragmentarischen Charakter der Vorlage, die auch ein Sinnbild für den Prozess des Erinnerns und des Vergessens ist. Das Überlagern und Überschreiben verschiedener Zeit- und Motivebenen, die Johanna Tiedtke auch in der Stickerei ihrer Großtante vorgefunden hat, setzt die Künstlerin ein, um die Leerstellen und die losen Enden im Gedächtnis sichtbar zu machen. Sie nähert sich mit dieser Arbeit nicht nur dem Thema Demenz. Durch das Arbeiten in Schichten versucht sie auch die verschiedenen Ebenen des allmählichen Vergessens sichtbar zu machen, etwa das gezielte Verdrängen von Traumata, die in der Folge des Zweiten Weltkriegs entstanden sind und sich als ein Schweigen nicht nur über diese, sondern auch über nachfolgende Generationen gelegt haben. In dem Zyklus über ihre Großtante Käthe, an dem Johanna Tiedtke seit 2014 arbeitet, sucht die Künstlerin nach einer Bildsprache, die das Unausgesprochene, Verdrängte und Vergessene sichtbar werden lässt.

Weitere Arbeiten aus der Werkgruppe Käthe zeigen wir in unserem Kunstraum in der Seilerstraße. Unter anderem wird dort eine für den Raum entwickelte großformatige Glasarbeit zu sehen sein. Begleitend zu der Griffelkunst-Edition und der Ausstellung im Kunstraum erscheint Portfolio No11. Dabei handelt es sich um ein von der Künstlerin konzipiertes Künstlerbuch, das den Entstehungsprozess der Serie Käthe nachvollziehbar macht und einen tieferen Einblick in ihr Werk ermöglicht.

Johanna Tiedtke, 1981 in Eckernförde geboren, lebt und arbeitet in Berlin

2018 DAAD-Stipendium
2017 Tisa von der Schulenburg-Preis, Dorsten
seit 2016 Studio Program, Elizabeth Foundation for the Arts, New York
2016 MFA HfbK, Hamburg
MFA, Milton Avery Graduate School of the Arts, Bard College, New York
2012 Diplom HfbK, Hamburg

Ausstellungen
2018 Lucciole, Zeche Zollverein, Essen (E)
Regionale IV, PAK – Kunstverein Glückstadt
2016 Salon der Gegenwart, Hamburg
2015 Bearing. Traces of [Dis]location (mit Bernd Klug), Austrian Cultural Forum, NYC
Hanna Burow, Overbeck-Gesellschaft, Kunstverein Lübeck (E, K)
2014 Von anderen Welten, Galerie der Stadt Remscheid (E)
2013 Der Morgen stirbt nie (mit Tammo Winkler), Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf

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