Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

the old boys’ club

Bildträger

von Annett Reckert

Püree, Pyromanie, Pyrenäen. In Fragen der Rechtschreibung sind die Pyrenäen ein Stolperstein, der jedoch der Fantasie einen wunderbaren Schwung geben kann. Im etymologischen Nebel stochernd, mag man sich ein flammendes Land, eine schroffe, eine wilde Landschaft vorstellen. Dort hat sich the old boys’ club (OBC) vor rund drei Jahren eingenistet. Im Internet wird kundgetan: »Let’s stop the my-name.com, let’s kill the signature, let‘s destroy the me myself and I, let’s dance. Katya Bonnenfant has joined the old boys‘ club for the Better and Worse. The work of an artist is inhabited by you, by me, by them, and not only. It’s an offer.« (http://www.katya-bonnenfant.com) Wir erahnen: In dem winzigen Bergnest Argut-Dessus, im Departement de la Haute-Garonne, schaltet und waltet eine im besten Sinne infektiöse OBC-Brut! Von dort aus gilt es, die Welt mit Gemälden, raumgreifenden Wandmalereien, mit ebenso detailverliebten wie präzisen Miniaturen, mit Zeichnungen, mit Animationen, Gesamtinstallation und auch mit einigem Manifestantismus zu infiltrieren. Die Pyrenäen scheinen der rechte Ort, um manchen fragwürdigen Mechanismen des Kunstbetriebs – vor allem der Verquickung von Kultur, Markt und Macht – die Stirn zu bieten. Für die kreative Arbeit sind sie ein Forschungsfeld voller halluzinogener Kraft.

Die Unwirtlichkeit und die Farbigkeit der Bergwelt im Jahreslauf liefern ebenso Inspiration wie die Faszination an widerständigen Lebensformen. Dazu gehören Traditionen mönchischer Einsiedelei ebenso wie die Rituale des baskischen Karnevals mit seinen wüsten Kostümen. Was herauskommt, ist ein Werk, in dem Figuration und Abstraktion spielerisch ineinander übergehen. Inszeniert OBC Räume, so erlebt das Publikum einen wuchernden Kosmos, in dem sich Figuren, Formen, Muster und Farben aller erdenklichen Kulturen ineinander verwandeln. Alles kann aus allem werden. Polyphonie und Instabilität sind Programm. Im Herbst 2015 konnte OBC mit dem Werkstatt-Stipendium der Griffelkunst-Vereinigung in Hamburg für sechs Wochen vorübergehend Quartier beziehen. Der Aufenthalt in der Druckwerkstatt Handdruck Loeding & Sturm ermöglichte erste Schritte in der Technik der Farbradierung und Aquatinta. Entstanden ist eine Reihe: Auskopplungen aus der OBC-Bildwelt, Experimente, kleine Etüden, die in ihrer samtigen, gedeckten Farbigkeit und in ihrer Motivik von Entschleunigung und Konzentration erzählen. Im konkret technischen wie im übertragenen Sinne geht es um Transparenz, in den Stillleben um das Lasten und Tragen, um Balance. Und wer mit OBC kritisch auf das Zusammenspiel von Kunst und Medien blickt, den mag das Blatt mit dem Titel »la vitre« zum Nachdenken anregen. Eine dunkle Figur, die einer der OBC-Animationen entkommen sein könnte, trägt eine rechteckige, semitransparente Scheibe.
Sie starrt hindurch, sie duckt sich dahinter, sie stiehlt sich davon? Der Bildträger (!) ist also ein Dieb? Er bannt das Bild in ein systemkompatibles Geviert.

Eine allzu kritische Sichtweise vielleicht? Wir können genauso sagen: Es ist der Bildträger, der das Bild dem Publikum vor Augen führt – nicht zuletzt im Sinne der griffelkunst, die dem langmütig und sensibel gearbeiteten Blatt im rasanten Flow unserer Wisch-und weg-Gesellschaft nach wie vor eine tragende Rolle zuspricht.

Seit 2010 veröffentlicht Katya Bonnenfant ihr vielschichtiges Werk unter dem Pseudonym the old boys‘ club. Die Künstlerin wird 1975 in Belfort, Frankreich geboren. Von 1990 bis 1998 studiert sie Graphikdesign, Bildende Kunst und Philosophie in Paris. Von 2006 bis 2010 ist sie Professorin an der École Nationale Supérieure des Beaux Arts de Lyon in Frankreich.

Einzelausstellungen u.a.:
2016 Städtische Galerie Nordhorn (Kunstpreisträgerin, K),
2015 Launch Pad, London, 2012 Städtischen Galerie Delmenhorst (K),
2011 Haines Gallery, San Francisco,
2008 Akademie Schloss Solitude, Stuttgart.

the old boys‘ club lebt und arbeitet in den französischen Pyrenäen.

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