Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

Heinrich Kühn

Einzelblätter

Schwarzweiß-Photographien aus dem Nachlass

E 547
Bauernmädchen, 1930er-Jahre
40,6 × 30,5 cm / 26,9 × 19,5

E 548
Schnitterin, 1930er-Jahre
40,6 × 30,5 cm / 26,7 × 19,5 cm

Papierqualität: Bergger Prestige
Hersteller: Larry Lazarus, Hamburg

Die Aura der Berge

Stephanie Bunk

An einem Sommernachmittag ruhend einem Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft – das heißt, die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen.
Walter Benjamin, in: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, 1936

Den Kunstphotographen Heinrich Kühn haben wir Ihnen bereits 2014 in unserer Reihe »Klassiker der Photographie« mit sechs Motiven aus dem Nachlass vorgestellt. Nun erweitern wir die Auswahl um zwei großformatige Photographien, die aus dem gleichen Zyklus stammen. Es handelt sich um ländliche, folkloristische Szenen, wie sie Heinrich Kühn in jeder Phase seines Schaffens aufgenommen hat. Sie stehen in ihrer Romantisierung und Monumentalisierung der Berglandschaft und des bäuerlichen Lebens und Arbeitens in der Tradition der Heimatphotographie, die Kühn bewusst als Gegenpol zu einer technisch bestimmten städtischen Moderne gesehen hat. Nachdem er sich nach dem Verlust des Familienvermögens aus Innsbruck in ein nahegelegenes Dorf zurückziehen musste, wurde dieses zu einem seiner Hauptmotive. Dort photographierte er Stillleben genauso wie Porträts von Bäuerinnen, Szenen von Arbeit und häuslichem Leben.
Bereits die Photographien der Griffelkunst-Serie zeigten dörfliche Ansichten wie die Dorfstraße, Bauernkinder oder Frauen beim Wäschehängen. In diesen Aufnahmen war aber auch der Einfluss des sich zeitgleich entwickelnden »Neuen Sehens« zu spüren, das Kühn zwar eigentlich ablehnte, aber dennoch aus der Ferne beobachtete. Er sah sich mehr als Bewahrer der Tradition, auch was den photographischen Prozess betraf. Das Entwickeln des Photomaterials und das Herstellen von Abzügen, die er durch industrielle Verfahren bedroht sah, waren ihm letztlich wichtiger als der Inhalt seiner Bilder. »Kühn versuchte auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt seinen ästhetischen Idealen treu zu bleiben, was einem Rückzug aus der modernen Welt und einer Flucht aus der Wirklichkeit gleichkam«, wie Ulrich Rüter im Text zur Serie festhält.

Auch die beiden Einzelblätter wirken durchaus verklärend. Die Blicke des jungen Mädchens und der Bäuerin sind in die Ferne gerichtet, als würden sie bei der Heuernte auf der Alm innehalten und das Bergpanorama betrachten. Monika Faber spricht in ihrem Beitrag zum Katalog zur Ausstellung Heinrich Kühn. Die vollkommene Fotografie von einer »rückwärtsgewandten Utopie«, was Kühns Hinwendung zum einfachen Leben wie zur klassischen Photographie betraf. Die Einzelblätter zeigen erneut seinen virtuosen Umgang mit dem Medium Photographie, aus dem er durch das Spiel mit Licht und Schatten in unzähligen Graustufen Tiefe und Erhabenheit entstehen lässt. Man meint in den Photographien die Aura der Bergwelt zu spüren, wie Walter Benjamin sie in seinem Kunstwerk-Aufsatz beschrieben hat. Benjamin bezeichnet die Aura als die Erfahrung »einer Ferne so nah diese auch sein mag«. In späteren Photographien sah er die Aura zwar als verloren an, doch in Heinrich Kühns Photographien wird dieses Phänomen noch einmal erfahrbar.

A-Reihe / 355. Wahl III. Quartal 2014
Schwarzweiß Photographien aus dem Nachlass
Heinrich Kühn – Pionier der Kunstphotographie

1. Dorfstraße, 1930er-Jahre 30,0 x 23,4 cm / 24,6 x 17,2 cm
2. Bauernkinder, 1930er-Jahre 23,4 x 30,0 cm / 18,0 x 21,9 cm
3. Schneeball-Stillleben, 1930er-Jahre 30,0 x 23,4 cm / 24,2 x 17,1 cm
4. Akt in der Morgensonne, um 1920 30,0 x 23,4 cm / 24,6 x 17,2 cm
5. Kaktus, um 1930 30,0 x 23,4 cm / 24,2 x 17,1 cm
6. Wäsche im Winter, 1930er-Jahre 30,0 x 23,4 cm / 24,5 x 17,4 cm

Papierqualität: Fomatone MG classic
Hersteller: Larry Lazarus, Hamburg
Mappe: Archivkarton mit Leinenrücken
Hersteller Mappe: Buchbinderei Zwang, Hamburg

Auf der Suche nach der vollkommenen Photographie

von Stephanie Bunk

Mit Heinrich Kühn als »Klassiker der Photographie« gehen wir so weit in der Photo-Geschichte zurück wie nie zuvor. Kühn zählt zu den Pionieren der Kunstphotographie, wie sie um 1900 entstanden ist. Auch als Piktorialismus bezeichnet, gilt die »Kunstphotographie um 1900« als Stilrichtung, welche die Photographie als vollwertiges künstlerisches Ausdrucksmittel etablieren wollte. Sie suchte die Nähe zur Malerei, insbesondere des Naturalismus und des Impressionismus. »Die Piktorialisten näherten sich den Stil-Tendenzen der Zeit bewusst an und schufen durch aufwendige Edeldruckverfahren einzigartige Werke, die auf photographischer Grundlage beruhten und dabei optisch graphischen und malerischen Werken ähnelten. Insbesondere mit dem Verfahren des Gummidrucks, das er in Zusammenarbeit mit seinen österreichischen Kollegen Hugo Henneberg und Hans Watzek perfektionierte, positionierte sich Kühn zu einem international anerkannten Vorbild«, schreibt Ulrich Rüter im Begleittext zur Photomappe. Kühns erklärtes ästhetisches Ziel war die vollkommene Beherrschung der Tonwerte. Das Spiel mit Licht und Schatten brachte er zur Perfektion, die Motive ordnete er teilweise diesem Zweck sogar unter. Bereits 1907 wandte er sich der Farbphotographie zu, nachdem er die von den Gebrüdern Lumière entwickelte Autochrom-Technik für sich entdeckt hatte. Zu seinem Bildrepertoire gehörten Porträts, idyllische Landschafts- und Naturaufnahmen sowie Stillleben. Darüber hinaus entwickelte er ein besonderes Interesse an der Darstellung von ländlicher Arbeit, Häuslichkeit und privater Muße. Vor allem die Mitglieder seiner Familie dienten ihm als Modelle.
Hatte Kühn zunächst mit verschiedenen Linsen, Papieren und diversen Drucktechniken experimentiert, so wandte er sich nach dem Ersten Weltkrieg der Herstellung des perfekten Negativs zu. Dazu entwickelte er das Verfahren der »Syngraphie«, bei dem von einem Motiv mehrere Negative mit unterschiedlicher Belichtungszeit angefertigt werden. Bei der Herstellung der Abzüge werden die Negative übereinandergelegt, sodass sich die Tonwertskala erhöht und selbst extreme Helligkeitsunterschiede abgebildet werden können.
Die sechs Motive der Griffelkunst-Edition stellen nicht nur einen Querschnitt durch Heinrich Kühns Motivik dar und leben in hohem Maße vom Spiel mit Licht und Schatten. Teilweise wurden die Photos sogar von Negativen abgezogen, die Kühn im »syngraphischen« Verfahren hergestellt hatte. Die sechs Aufnahmen, die größtenteils aus seinem Spätwerk ab 1930 stammen, sind damit einerseits charakteristisch für das Werk von Heinrich Kühn. Andererseits weisen sie bereits über ihre Zeit hinaus. Ulrich Rüter bezeichnet Kühn in seinem Text als einen »Modernisten wider Willen«, denn obwohl er der Tradition verschrieben war, zeigen die späten Arbeiten, dass er den Tendenzen der photographischen Moderne und des »Neuen Sehens« der Zwanzigerjahre gegenüber aufgeschlossen war.

355 A1
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355 A6

Heinrich Kühn wurde 1866 als Sohn eines wohlhabenden Großhandelskaufmanns in Dresden geboren. Nach seinem Medizinstudium in Freiburg zog er aus gesundheitlichen Gründen 1888 nach Innsbruck, um sich dort als Privatier ganz der Photographie zu widmen. Seine Arbeiten wurden besonders zwischen 1895 und 1915 in zahllosen Ausstellungen präsentiert und in allen damals wichtigen Kunst- und Photographiezeitschriften publiziert. Nach dem Ersten Weltkrieg musste die Villa in Innsbruck verkauft werden. 1921 erwarb Kühn ein Landhaus in dem kleinen Dorf Birgitz bei Innsbruck, wo er die letzten 23 Jahre seines Lebens verbrachte. Einen umfassenden Einblick in Leben und Werk gibt der Katalog Heinrich Kühn, Die vollkommene Fotografie, der anlässlich der gleichnamigen Ausstellung in der Albertina Wien, dem Musée de L´Orangerie, Paris und dem Museum of Fine Arts Houston bei Hatje Cantz (2010) erschienen ist.

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