Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>

Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

Jana Gunstheimer

A-Reihe / 357. Wahl I. Quartal 2015
Vernis mou mit Aquatinta, chine collé,
Klischeedruck
52,5 x 41,0 cm

Irrige Vorstellungen kausaler Zusammenhänge A–Z

1. Abstammungslehre
2. Hilfe zur Selbsthilfe
3. Gewöhnliches Unglück
4. Neurotisches Elend
5. Radikal
6. Attraktive Ziele
7. Oft nachdenklich, aber nur selten traurig

Papierqualität: 250 g/qm Zerkall Bütten mit chine collé
Drucker: Kunst- und Radierwerkstatt Willi Jesse, Inh. M. Jäger

Irrige Vorstellungen über die Thüringer Bratwurst

Jana Gunstheimers neueste Werkgruppe Irrige Vorstellungen kausaler Zusammenhänge ist den zentralen Fragen der menschlichen Existenz gewidmet. Einen Ausschnitt daraus zeigen wir nun in einer siebenteiligen Radierserie, die eigens für die griffelkunst entstanden ist. In einem Interview mit Brigitte Bedei berichtet die Künstlerin über ihre Arbeit »an einer enzyklopädischen Betrachtung des Menschen von einem fernen Betrachterstandpunkt aus«:

griffelkunst: Du hast sowohl ein Studium der Anthropologie und Kunstgeschichte in Leipzig absolviert, als auch ein Kunststudium u.a. an der Burg Giebichenstein in Halle. Inwieweit hat die Wissenschaft Einfluss auf Deine künstlerische Arbeit?

Jana Gunstheimer: Ich war unglaublich angeödet von der wissenschaftlichen Arbeitsweise, als ich mein Studium abschloss. Das Auseinandernehmen fremder Texte und neu Zusammensetzen zu eigenen, die Strenge und Schriftgläubigkeit, das exakte Zitieren, überhaupt der wissenschaftliche Kodex erschienen mir so lebensfern und freudlos. Ich wollte Dinge tun, die ich einfach nur behaupten kann. Ich wollte frei sein und unüberlegt. Inzwischen weiß ich es sehr zu schätzen, dass es diesen Bereich gibt, auf den ich quasi »aus dem Fundus« zurückgreifen kann. In meiner Arbeit geht es sehr oft um fiktive Geschichten, Geschichten, die etwas mit unserer Realität zu tun haben, die aber in Richtungen abdrehen, die man nicht erwartet. Als Künstler ist man ja in der vorteilhaften Lage, sich unmögliche Dinge ausdenken zu können. Nichts muss machbar sein, keine Lösung muss her. Dennoch will ich ein größtmögliches Maß an Glaubwürdigkeit erreichen. Dafür wiederum ist die wissenschaftliche Methodik von Vorteil.
Was mir aus der Ethnologie geblieben ist, ist das Interesse am Blick von außen. Besonders auch auf die eigene Gesellschaft, obwohl das ungleich schwerer ist.

griffelkunst: In Deinen Arbeiten gibt es häufig ein Zusammenspiel von Text und Bild. So auch in den sieben Radierungen, die für die griffelkunst entstanden sind. Welche Funktion haben die Texte?

Jana Gunstheimer: Die Texte öffnen eine zweiten Realitätsebene, in der entweder die in der bildlichen Darstellung gezeigten Dinge auf andere Art beglaubigt werden, oder aber sie konterkarieren. Man kann sagen, ich bediene gewisse Gewohnheiten des Betrachters, der damit umzugehen gelernt hat, alles doppelt versichert zu bekommen. Nehmen wir die Zeitungslektüre oder auch den Museumsbesuch: kein Entrinnen vor der Symbiose von Bild und Bildunterschrift.
Bei den Radierungen geht es um etwas anderes. Ich arbeite gerade an einer sehr umfänglichen Zeichenserie mit gleichem Titel. Irrige Vorstellungen kausaler Zusammenhänge ist eine große Ansammlung sehr menschlicher Themen. Die archivähnlichen Texte suggerieren eine wissenschaftliche Ge- nauigkeit, es geht um den Versuch, etwas zu kategorisieren, was jeder Beschreibung spottet.

griffelkunst: In der vorliegenden Serie tauchen ganz merkwürdige Protagonisten auf: Thüringer Bockwürste; eine männliche sowie eine weibliche Figur mit überdimensionierten Geschlechtsmerkmalen; schließlich der Mann mit Ballonkopf. Was sind das für Typen?

Jana Gunstheimer: Zuerst einmal: in Thüringen liebt und verehrt man ja die Bratwurst, keinesfalls aber deren schäbige Halbschwester Bockwurst. Mit der Darstellung des menschlichen Körpers ist es so eine Sache, meistens wird‘s peinlich. Deshalb wende ich mich gern Protagonisten zu, die sowieso schon alles andere als gelungen sind. Jeder kennt das, man sitzt am Abendbrottisch, hat keinen Hunger mehr, doch der Wurstteller ist noch gut gefüllt. Die Blutwurst zum Beispiel guckt einen schon fast an, da reichen zwei, drei Schnitte und ein paar Zahnstocher und schon macht sie Yoga. Selbstredend sieht sie nicht gut dabei aus.
So ist das bei den meisten dieser Typen, man kennt sie aus dem Alltag, sie sind irgendwie elend, aber sympathisch dabei.

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Jana Gunstheimer

geboren 1974 in Zwickau

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