Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

Franziska Opel

Einzelblätter

Inkjet-Print auf Seide

E 529
V1
80,0 × 60,0 cm

E 530
V2
80,0 × 60,0 cm

jeweils verpackt in einen schwarzen Stülpkarton
mit Siebdruck und Zertifikat
Stoffqualität: 100% Seide
Drucker: BBC Jacquard, Italien
Stülpkarton: Kilsdonk, Nijmegen, Niederlande
Drucker Karton: Ralf Wandrowsky, Asendorf

V wie Venus?

von Brigitte Bedei

Die Bildsprache der in Hamburg lebenden Künstlerin Franziska Opel ist klar und facettenreich zugleich. Spielerisch jongliert sie mit ambivalent aufgeladenen Symbolen. Dabei beruft sie sich meist auf ikonische Zeichen und Gesten aus Kunst- und Kulturgeschichte, die sie inhaltlich miteinander verknüpft und einander gegenüberstellt. Ihre Text-, Bild- und Videoarbeiten münden oftmals in aufwendigen Installationen.

2015 inszeniert Franziska Opel in ihrer ersten Einzelausstellung in Hamburg die »Kleine Gesellschaft für Venus«. Venus, die römische Göttin der Liebe und der Schönheit, ist seit der Renaissance ein stetig wiederkehrendes Motiv in der Kunst. Die Interpretation der Venus-Darstellung changiert dabei zwischen Repräsentantin himmlischer wie irdischer Liebe bis hin zur Verkörperung der Kurtisanen und Prostituierten. Genau hier setzte die Ausstellung von Franziska Opel an, beim »Kampf zwischen Macht und Sexus, zwischen Hure und Heiligkeit, zwischen Kultur und Pop.« (Bastiana Stutterheim, Schall und Raum, 2016, S. 10) Das Zentrum der Ausstellung bildete eine Art digitales Kirchenfenster – eine Videoprojektion auf ein Schaufenster, bei der bekannte Venusdarstellungen in einer diaschauartigen Abfolge von Tizian bis Pistoletto als »Hard Working Girls« bezeichnet werden. In sanften Ein- und Ausblenden fokussiert Franziska Opel Details in den Darstellungen – Schenkel, Brüste, Hände, Po – vom jeweiligen Zeit und Kunstgeist idealisch geformte Körperteile. Schwebende Buchstaben leuchten vor den Figuren auf und drehen sich wie Dollar-Zeichen in den Augen von Casino-Besuchern.

Die Edition für die griffelkunst greift das Venus-Thema der Ausstellung auf. Das zentrale Motiv der Arbeit V1 nutzt, wie in der oben erwähnten Videoarbeit, Formen sakraler Architektur. Die gelbe Outline des Schriftzugs INNOCENCE IS PASSION, das durch verschiedene Hervorhebungen andere Lesarten zulässt, erinnert an Glas in Blei und rahmt das schwarzweiß gerasterte Motiv. Hier zitiert Opel Tizians Venus von Urbino, ein Gemälde aus dem 16. Jahrhundert. Die eigentlich liegende Venus erscheint, reduziert auf Hand und Beine, hängend. Das Bild »kippt«, und durch diese einzige Bewegung lässt die Venusfigur gängige Jesusdarstellungen assoziieren.
Im zweiten Motiv V2 erscheint die Darstellung einer auf dem Rücken liegenden Frau, die die Beine wie eine Rakete in die Luft streckt und die Begrenzung des sie rahmenden Wappens durchbricht, in dem sie agiert. Das provokante Motiv steht im starken Kontrast zu dem graphischen Muster im Hintergrund, das an Mosaiken aus dem arabischen Raum denken lässt.
Entstammt das zentrale Bild-Zitat von V1 einem Motiv der Renaissance, ist diese Darstellung der gegenwärtigen medialen Bildwelt zuzuordnen. Die barock angelegten Formen und Muster werden hier nicht auf Papier gedruckt, sondern auf Stoff. Der Bildträger wird so zum Bedeutungsträger und verweist auf Fahnen oder Tücher, die sich sinnlich um den Hals einer Frau denken lassen. Mit den militärisch-technischen Titeln V1 und V2 erzeugt die Künstlerin schließlich einen weiteren Spannungsraum. Opel überlagert in ihren Bildern Symbole, Bildzitate und Text so konsequent, dass sie beim Betrachter ein Geflecht an Assoziationen auslösen, die in ihrer Mehrdeutigkeit verunsichern und ihn auf sich selbst zurückwerfen.

Franziska Opel, geboren 1984, studierte an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg bei Matt Mullican und Wigger Bierma. 2012 erhielt sie das Jahresstipendium der Karl H. Ditze Stiftung, 2017 einen Artists in Residence-Aufenthalt in Helsinki. Seit 2015 ist sie Herausgeberin der kunst- und kulturkritischen Online-Plattform HARTIKEL, die sie gemeinsam mit Mitko Mitkov als Printversion veröffentlicht.

Publikationen
Franziska Opel und Angela Anzi, Displayed / Displaced, Katalog erschienen anlässlich der Ausstellung in der 7 Türen Galerie, Hamburg 2017
Bastiana Stutterheim, Franziska Opels kleine Kulturgeschichte oder wie ist der Plural von Venus?, in: Isabel Deimel,
Oliver Lähndorf (Hrsg.), Schall und Raum, Emerging Artists 2016, Hamburg 2016
Venus, Kleine Gesellschaft für Kunst und Kultur, Ausstellungskatalog, Hamburg 2016

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