Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht</p>

Jenny Holzer Edition entsteht

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition

Eva Leitolf

Projekt-Reihe
367./368. Wahl
III./IV. Quartal 2017

Offsetdruck
Poster: 84,1 × 59,4 cm
Karton: 12,0 × 12,0 × 64,0 cm

Ein Konzern, eine Stadt (2015–16/2017)

P57 Splitterschutzzelle
(1 Druckbogen in einem bedruckten und signierten Karton)

P58 Geschenk des Konzerns
(2 Druckbögen in einem bedruckten und signierten Karton)

P59 Freizeitpark
(3 Druckbögen in einem bedruckten und signierten Karton)

Hersteller: Gerber Print, München
Papierqualität Druckbogen: 135 g/qm Fedrigoni Splendorlux L/W Premium white
Graphik: Christian Lange, München

Die Macht des Autos

von Stephanie Bunk

Congress-Park
Anlässlich des 77. Jahrestages der Stadtgründung 1938 (zwei Monate nach der Grundsteinlegung für den heutigen Konzern durch Adolf Hitler) hält der Bürgermeister am 1. Juli 2015 eine Festrede. Er sagt, zurzeit lebten Menschen aus 146 Nationen in der Stadt. Die Stadt habe sich seit ihrer Gründung stets für das Funktionieren einer interkulturellen Gesellschaft engagiert. Dies wie auch die wirtschaftliche Kraft der Stadt, sei dem heutigen Weltkonzern zu verdanken und eine fruchtbare Grundlage, um die Herausforderungen aktueller Zuwanderung zu meistern.

Rede des Oberbürgermeisters, Congress-Park, 1.7.2015
(Text von Eva Leitolf, aus: Ein Konzern, eine Stadt, 2015/2016)


Als Eva Leitolf 2015 mit der Arbeit an ihrem Wolfsburg-Projekt begann, war das Ausmaß des späteren Skandals noch nicht absehbar, aber die Krise zeichnete sich schon ab. Auf Einladung des Kunstmuseum Wolfsburg beschäftigte sich die Künstlerin mit den vielfältigen Aspekten des Verhältnisses zwischen der Stadt Wolfsburg und dem Volkswagen-Konzern. Entstanden ist die Arbeit Ein Konzern, eine Stadt, die 2016 im Rahmen der Ausstellung Wolfsburg Unlimited als Slideshow auf fünf Monitoren erstmals gezeigt wurde. Sie besteht aus einer Abfolge von Schwarzweiß-Photographien und Texten, die aus verschiedenen Perspektiven die wechselseitige Abhängigkeit einer Stadt von einem Konzern und damit die Verknüpfung von Wirtschaft, Politik und Alltag reflektieren. Für die Recherche sprach die Künstlerin mit Konzern-Mitarbeitern und Angestellten der Stadtverwaltung, befasste sich mit Stadt- und Firmenarchiven und verfolgte täglich die Berichterstattung in den lokalen Tageszeitungen. Das Ergebnis ist eine lehrstückhafte, exemplarische Auseinandersetzung mit der Verstrickung eines Wirtschaftsunternehmens und einer Stadt, insbesondere über die Macht des Autos und der Autoindustrie, wie sie auch in Rüsselsheim oder in Detroit und Los Angeles in den USA zu finden ist, wo die Künstlerin lange gelebt hat. In der für Eva Leitolf charakteristischen, hoch konzeptionellen Art, Bilder und Texte herzustellen und einzusetzen, porträtiert sie Orte, in die sich die Geschichte der Stadt eingeschrieben hat: die ehemaligen »Italiener Hochhäuser«, wo heute das Bürozentrum des Konzerns untergebracht ist, das Grab des Generaldirektors oder das übergroße Modell eines VW-Golf aus Beton, das bereits kurz nach der Errichtung erste Risse zeigte.

Zusammen mit dem Graphiker Christian Lange hat Eva Leitolf nach einer Form gesucht, die digitale Arbeit in ein neues Medium zu übersetzen. In Abfolgen von ein bis zu drei Bildern je Wahlblatt nehmen sie den Rhythmus und die Erzählstruktur der Slideshow auf und funktionieren sie in eine Poster-Serie mit filmischem Charakter um. Die für Leitolfs Arbeit essentielle Verbindung von Bild und Text bleibt durch den auch als Umverpackung fungierenden Karton gewahrt, der umlaufend mit dem Text zum Bild bedruckt ist. Die Drucke sind, wie an den eingesetzten Schnitt- und Farbmarken am Rand sichtbar wird, im Offsetverfahren gedruckt, was den Charakter einer industriellen und seriellen Fertigung gezielt übersteigert.
Aus heutiger Sicht hat Eva Leitolfs Projekt noch zusätzlich an Brisanz gewonnen. Kaum ein Tag vergeht ohne neue Nachrichten vom »Diesel-Gate«, und nicht nur der Konzern, sondern auch die Stadt und sogar das ganze Land sind von den Auswirkungen erfasst worden. Der Ausgang ist offen.

Eva Leitolf, geboren 1966 in Würzburg, lebt und arbeitet im Chiemgau
1995–1997 Master of Arts bei Allan Sekula, California Institute of the Arts, USA
1986–1994 Studium Kommunikationsdesign, Schwerpunkt Photographie bei Prof. Angela Neuke, Universität GH Essen
2016 Kunstpreis der Stadt München
Nominierung für Prix Pictet 2016
2015 Nominierung für Deutsche Börse Photography Prize 2016
2012 Stipendiatin der Villa Massimo, Rom

Ausstellungen
2017 Global Prekär. Flucht, Trauma und Erinnerung in der zeitgenössischen Photographie, Pinakothek der Moderne, München
Unfamiliar Familiarities, Fotozentrum Winterthur, Schweiz
2016 Wolfsburg Unlimited, Kunstmuseum Wolfsburg (K)
2015 When there is Hope, Hamburger Kunsthalle, Hamburg (K)
2013 Postcards from Europe 03/13,
Sprengel Museum, Hannover (E, K)

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