Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

Heiner Blumenthal

Audioguide

Einzelblätter

E 538
ohne Titel, 2017
75,5 × 53,5 cm / 60,0 × 46,0 cm

E 539
ohne Titel, 2017
75,5 × 53,5 cm / 60,0 × 46,0 cm

Papierqualität: 250 g/qm Zerkall Alt Mainz
Drucker: Kunstdruckerei Martin Kätelhön, Köln

Imaginäre Konstruktionen

von Brigitte Bedei

Den in Köln lebenden Künstler Heiner Heiner Blumenthal haben wir Ihnen 2012 mit einer Serie von sechs Radierungen vorgestellt. Sie erinnern sich vielleicht an die scharfkantigen Konstruktionen, die der Künstler direkt in die Kupferplatte geritzt hatte. Das Ergebnis waren zeichnerisch angelegte Graphiken – Kaltnadelradierungen, in denen Linien sich wie Gestelle im flachen Raum formierten. Heiner Blumenthal verfolgt in Zeichnung, Malerei und Druckgraphik Strategien von Kontrolle und gleichzeitiger Irritation. Seine meist großformatigen Arbeiten zeigen mal farbige, mal in Schwarz angelegte abstrakte Formationen, die wie Ausschnitte raumgreifender Konstruktionen wirken.
Stephan Baumkötter beschreibt sie so: »Sie sind Konstruktionen, deren Grund allein in ihnen selbst ist. Aber mit der präzisen Notwendigkeit von architektonischen Plänen. Die Bilder werden sofort Teil des Raumes oder der Wand, auf der sie hängen. So, als ob sie schon immer da gewesen oder für den Raum gemacht worden wären. Sie verhalten sich wie Silhouetten oder Schatten im Raum.«
Auf Grund der unterschiedlichen Medien, die der Künstler nutzt, kommt er in seinen Werken zu parallelen, in ihrer Wirkung allerdings sehr unterschiedlichen Ausführungen. Für seine beiden vorliegenden großformatigen Einzelblätter nutzt Blumenthal zwar erneut die Technik der Radierung, bedient sich aber der malerischen Variante der Reservage. Für diese besondere Form der Aquatinta wird das Motiv mit einer speziellen, wasserlöslichen Tusche, die zuckerhaltig ist, gezeichnet und schließlich die gesamte Platte mit einem Lack abgedeckt. Wird die Platte ins Wasser gelegt, quillt die Zuckertusche auf und wird entlang des Motivs abgesprengt, was der Technik den Namen Reservage oder Absprengtechnik einbrachte. Dabei interessieren Blumenthal weniger die verschiedenen Grautöne, die mittels dieser Technik erzeugt werden können, als vielmehr die malerische Setzung breiter angelegter Linien und Flächen, die nach der Ätzung der Platte in tiefem Schwarz gedruckt werden.

Immer arbeitet Heiner Blumenthal in der ganz spezifischen Sprache des Mediums, das er für seine künstlerische Arbeit nutzt. So wirken die Kaltnadelradierungen sehr viel widerständiger, man spürt förmlich, wie der Künstler die Linien direkt ins Metall gearbeitet hat. Die nun vorliegenden Graphiken hingegen beinhalten eine malerische Komponente und zeigen kraftvolle Konstruktionen. Diese setzt Blumenthal dabei so auf die Druckplatte, dass sie am Bildrand enden oder gedacht darüber hinausgehen. Vergeblich sucht der Betrachter nach System und Ordnung. Eher vermitteln die Bilder den Eindruck, als seien sie Studien oder Vorzeichnungen. Restspuren, die sich bereits in der Druckplatte befinden, bleiben in der leeren Fläche sichtbar und werden Teil des Bildes.

Heiner Blumenthal gelingt es, aus dem Medium heraus wunderbare Graphiken zu schaffen. Sie bilden insbesondere vor dem Hintergrund der bereits edierten Kaltnadelradierungen eine spannende Ergänzung.

C-Reihe / 348. Wahl IV. Quartal 2012
Radierungen
66 x 51 cm / 46,5 x 34,5 cm

1. ohne Titel
2. ohne Titel
3. ohne Titel
4. ohne Titel
5. ohne Titel
6. ohne Titel

Papierqualität: 300 g/qm Hahnemühle Kupferdruckbütten
Drucker: Kunst- und Radierwerkstatt W. Jesse, Inh. M. Jäger, Berlin

Schatten im Raum

von Brigitte Bedei

Mit Heiner Blumenthal stellen wir Ihnen einen Künstler vor, der seit vielen Jahren in einer kaum veränderten Arbeitsweise Gemälde und Zeichnungen schafft, seine imaginären Konstruktionen aber gleichzeitig auch in die Druckgraphik überführt.
Die großformatigen Bilder von Heiner Blumenthal zeigen meist in Schwarz angelegte Formationen aus schmalen Linien oder breiteren Flächen. Sie wirken wie Ausschnitte raumgreifender Konstruktionen, die zwischen Statik und Dynamik wechseln, und deren scharfkantiges Formvokabular immer wieder in fast organisch anmutende Formationen umschlägt.
Für die griffelkunst hat Heiner Blumenthal eine Reihe von sechs Kaltnadelradierungen erarbeitet, die seinem malerischen Werk sehr nahe kommen.
Es ist eher ungewöhnlich, dass bildende Künstler über ihr eigenes Werk schreiben. Noch ungewöhnlicher ist es, dass Künstler sich schreibend über das Werk von Kollegen äußern. Stephan Baumkötter, den wir Ihnen vor einigen Jahren mit wunderbar fragilen Farblithographien vorgestellt haben, hat einen sehr sensiblen Text über das Werk Heiner Blumenthals geschrieben. Wir danken ihm, dass wir diesen Text in unserem Magazin veröffentlichen dürfen.

Text für Heiner Blumenthal

von Stephan Baumkötter

Linien und Flächen, wie Gestelle in einem flachen Raum. Sie sind Konstruktionen, deren Grund allein in ihnen selbst ist. Aber mit der präzisen Notwendigkeit von architektonischen Plänen. Die Bilder werden sofort Teil des Raumes und der Wand, auf der sie hängen. So, als ob sie schon immer da gewesen oder für den Raum gemacht worden wären. Sie verhalten sich wie Silhouetten oder Schatten im Raum.
Sie haben kein System und keine Ordnung, die ihnen voraus ist. Keine Vorzeichnungen, keine Studien. Eher sind sie selber Studien für Möglichkeiten von Bildern. Dieses Mögliche und sich Ausbalancierende bleibt immer in ihnen enthalten, auch wenn sie als Malerei abgeschlossen sind. Langsam, abrupt, in sehr unterschiedlichen Zeitspannen entstehen gemalte Linien, Flecken, Verläufe, Kanten, Ausblutungen von Farben, Bindern und Malmitteln. Korrekturen, Orte, an denen Abklebungen waren, und Übermalungen sind sichtbar. Die Farben tauchen langsam aus den Linien auf.
Früher immer sehr verhalten, inzwischen deutlicher und farblich, als eigenständige Flächen, definierter. Die Linien und Flächen enden am Bildrand oder gehen über ihn hinaus. Der Rand wird zur Bildgrenze erst nach dem Aufspannen des Bildes auf den Rahmen. Die Flächen hängen im Gestell oder dehnen die Linien an den Bildrand.
Die ganze Entstehung und das ganze Material des Bildes sind sichtbar. Alles ist unmittelbar und direkt. Was nicht sichtbar ist, ist die Spur des Malers. Kein Selbstausdruck. Keine Expressivität. Eher eine Mechanik des Gefühls. Die Bilder handeln von Kontrolle und Kontrollverlust.
Am Ende sehen die Bilder so aus, als ob gerade dieses eine nur so aussehen könnte. Eine Notwendigkeit ist. Und als Widerspruch zu sich selbst immer noch alle Möglichkeiten in sich trägt. Das Bild ist ein möglicher und zugleich notwendiger Entwurf.

348 C1
348 C2
348 C3
348 C4
348 C5
348 C6

Heiner Blumenthal

1978–81 Hochschule der Künste Berlin
1981–87 Hochschule für bildende Künste, Hamburg
1999 Villa Romana, Florenz
2000 Pollock-Krasner Stipendium, New York
2007 Gottlieb Foundation, New York,
lebt und arbeitet in Köln

Ausstellungen
2017 White sky, blue clouds, Westwerk, Hamburg (E)
2015 Space Spy – construction and dissolution, RAUMX, London (E)
2011 Open/Close, Stadtmuseum Siegburg; Emschertal-Museum, Herne (E, K)
2010 A hand-off between, Devening Projects, Chicago (E)

Publikation
Heiner Blumenthal, open / close, Salon Verlag 2011

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