Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst

Ulla von Brandenburg

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E 596
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E 597

E 596
Mädchen mit Hund
65,5 × 50,5 cm

E 597
Frau mit Leopard
65,5 × 50,5 cm

Lithographie

Papierqualität: 300 g/qm Somerset Bütten
Druck: Felix Bauer, Köln

Das Tier, das ich bin

von Brigitte Bedei

Darstellungen von Beziehungen zwischen Menschen und Tieren in der Kunst gibt es seit Jahrtausenden. In zahlreichen Fabeln, Märchen und Mythen ist der Mensch auch Tier bzw. wird fabuliert, wie Menschen sich in Tiere verwandeln können und so deren Eigenschaften annehmen. Und auch in der bildenden Kunst gibt es über alle Epochen hinweg unterschiedlichste Darstellungen, die von gegenseitigen Abhängigkeiten und Aneignungen erzählen. Diese sind geprägt von Ausbeutung, Bedrohung und Gewalt, aber auch von Achtung, Bewunderung und Liebe. Mit diesem Thema befasst sich die in Paris lebende Künstlerin Ulla von Brandenburg in ihrer Edition.

Ausgangsmaterial sind zwei Photographien aus den 1930er und 1950er Jahren von Menschen und Tieren, die sie malerisch in die Lithographie übersetzt hat. Mädchen mit Hund zeigt die kontrastreiche Zeichnung einer jungen Frau, die einen Hund wie einen wärmenden Mantel um ihre Schultern gelegt hat. Das Mädchen schaut in die Ferne, nichts geschieht, die Figuren harren aus. Eine innige Szene, in der der Hund als Zeichen für Treue, Freundschaft und Heimat gesehen werden kann und nicht zuletzt die Liebe beschreibt, die ein Mensch zu einem Tier entwickeln kann.
Die Lithographie ist von drei Steinen gedruckt. Schwarz ist dabei die dominierende Farbe, die überlagert wird von orange- und lilafarbenen Partien, die Bewegung ins Bild bringen und die Figur in die Gegenwart tragen. Frau mit Leopard zeigt eine Darstellung aus der Zirkuswelt. Ein Leopard hängt lasziv über den Schultern einer Frau, die gleichsam mit dem Tier zu verschmelzen scheint. Hier ist das Tier nicht treuer Gefährte und Freund, sondern verkörpert Eigenschaften wie Mut, Stärke und Wildheit, die auf die Frau überzugehen scheinen und ein Teil von ihr werden. Durch die Farbigkeit gelingt es Ulla von Brandenburg, Mensch und Tier einswerden zu lassen. Struktur und Farbe des Leopardenfelles werden weitergeführt in der Kleidung der Dompteurin und lösen sich schließlich auf in einem diffusen All-Over von Blau und Orange. Da die Künstlerin das Farbspiel von Orange und Lila in beiden Lithographien wiederholt, verbindet sie die beiden Blätter nicht nur thematisch miteinander.

Auch in der siebenteiligen Holzdruckserie Karneval, die wir bereits 2017 verlegt haben, waren Mensch-Tier Mischwesen zu sehen. Als Vorlagen dienten Ulla von Brandenburg hier verschiedene karnevalistische Motive aus den Volkskulturen Osteuropas. Häufig lässt sich die Künstlerin von Literatur, Kunst- und Filmgeschichte, Architektur sowie Mythologie, Theater und Zirkus inspirieren. Ihr Werk entwickelt sie dabei in ganz unterschiedlichen Medien. Sie arbeitet mit Performances, 16-mm-Filmen, Installationen, Objekten und Zeichnungen. Themen und Figuren, die sie in ihren Filmen inszeniert, nehmen Gestalt an in großen, farbig kolorierten Zeichnungen. Häufig stellt von Brandenburg dabei die Bildträger selbst her. Als Material dienen ihr alte Landkarten oder unbedruckte Seiten antiquarischer Bücher, die sie faltet, klebt oder färbt und die so eine starke materielle Präsenz erhalten. Das wässrige Verlaufen der Farben und die Unvollkommenheit der Zeichnungen bezieht sie mit in ihre malerische Arbeit ein. Für ihr Bildrepertoire sammelt die Künstlerin vorgefundene Materialien wie Zeitungsausschnitte, Postkarten, Kunstwerke oder wissenschaftliche Abbildungen. Sie übersetzt diese Bilder in farbige Aquarelle und haucht ihnen neues Leben ein.

Genau so sind die beiden Lithographien für die griffelkunst entstanden. Dabei sei sie fasziniert gewesen von der manuellen Drucktechnik der Lithographie, sagt Ulla von Brandenburg. Das Ergebnis des Druckes sei nie vorhersehbar, der Stein als Druckform führe ein Eigenleben, dem sie sich anvertraue. Wunderbar – denn nur so konnten diese beiden sehr malerisch angelegten Graphiken entstehen.

B-Reihe / 366. Wahl
II. Quartal 2017

Holzdruck

Karneval I–VII
1. Karneval I, 76,0 × 64,5 cm / 54,0 × 38,5 cm
2. Karneval II, 76,0 × 64,5 cm / 46,5 × 49,5 cm
3. Karneval III, 76,0 × 64,5 cm / 60,0 × 50,0 cm
4. Karneval IV, 76,0 × 64,5 cm / 46,5 × 45,5 cm
5. Karneval V, 76,0 × 64,5 cm / 60,0 × 50,0 cm
6. Karneval VI, 76,0 × 64,5 cm / 52,5 × 47,5 cm
7. Karneval VII, 76,0 × 64,5 cm / 43,0 × 42,5 cm

Papierqualität: 225 g/qm Zerkall Alt Cleve
Drucker: Atelier für Druckgrafik, Hamburg

Prozession in sieben Farben

von Brigitte Bedei

Scherenschnitt, Wandbild, Zeichnung, Graphik, 16-mm-Film, Installation oder Performance — das komplexe Werk von Ulla von Brandenburg ist vielfältig angelegt. Ihre Bildwelten sind beeinflusst von dramaturgischen Elementen aus dem Theater: Bühne und Theatervorhang, Rollenspiel und Kostümierung kehren in Themen und Materialien häufig wieder. Das Theater ist für sie wie ein komprimiertes Bild der Welt, ein Projektionsraum für Schein und Sein, Maskerade und Pose. In ihren Arbeiten spielt sie mit gesellschaftlichen Verhaltensmustern, Regeln und Konventionen und demonstriert deren Zeitlosigkeit. Häufig arbeitet Ulla von Brandenburg mit der Patina alter Theatervorhänge, mit deren Öffnen und Schließen eine Inszenierung im Theater beginnt oder endet. Der Vorhang, wie auch die wiederkehrende Bezugnahme auf den Spiegel, bilden in ihrem Werk die Grenze zwischen Realität und Illusion, Innen und Außen, Raum und Zeit. Immer wieder tauchen gewaltige, farbenfrohe Stoffkulissen in ihren Inszenierungen auf, die im Kontrast zu schwarzweißen One-Shot-Filmen sowie den zarten verschwommenen Zeichnungen stehen. Menschliche Figuren treten in diesem Kosmos vereinfacht, scherenschnittartig auf.

Scherenschnittartig angelegte Figuren, die sich aus Umrisslinien und Leerstellen formieren, dominieren auch die sieben Holzdrucke, die Ulla von Brandenburg für die griffelkunst entwickelt hat. Als Vorlagen dienen ihr verschiedene karnevalistische Motive aus der Volkskultur Osteuropas, Karnevalsmaskeraden, rituelle Spiele, regionale Kostüme und Bestandteile der insbesondere im Mittelmeerraum tief verwurzelten Theaterkultur. Heidnische Kostüme und Rituale werden von ihr verfremdet und erinnern in ihrer fließenden Darstellung an Zustände und Situationen, die archetypisch unheimliche Momente heraufbeschwören. Ein in rot angelegtes Motiv lässt in seiner Ausführung an ein bekanntes Verfahren aus der Psychologie denken, den Rohrschach-Test, in dem aus der Deutung von gespiegelten Tintenklecksen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit gezogen werden. In der Mitte des Bildes formiert sich ein tanzendes Paar, das von einer kostümierten Gruppe Schaulustiger betrachtet wird. Oder beobachten sie einen rituell motivierten Kampf? Aus negativ gedruckten Elementen formiert sich auf gelbem Grund Morena, eine Gestalt aus der slawischen Mythologie, die mit Winter, Nacht und Tod assoziiert wird und nach deren Verbrennung der Frühling Einzug halten soll. Jeder Hochdruck ist monochrom in einer anderen Farbe angelegt, sodass sich die Figuren in der siebenteiligen Serie zu einer bunten Prozession formieren und jeder auf seine Weise sein rituelles Spiel aufführt. Es sind Zooms auf sieben einzelne Szenen, eine Formation bizarrer Wesen, die sich nicht zu erkennen geben. Es bleibt unklar, ob es sich um fantastische Gestalten handelt oder um hinter Masken verborgene Menschen – in jedem Fall treiben sie ihr Unwesen mit dem Unbewussten und ziehen den Betrachter in ihren Bann.

Ulla von Brandenburg
geboren 1974 in Karlsruhe, lebt und arbeitet bei Paris
1995–98 Szenographie und Medienkunst, Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
1998–2005 Hochschule für bildende Künste, Hamburg
2013 Kunstpreis Finkenwerder, Hamburg
2015 Internationaler Faber-Castell Preis für Zeichnung, Nürnberg
seit 2016 Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

Einzelausstellungen
2017 Musée des Beaux Arts, Rennes, Frankreich
2016 It was a golden red sun and an elderly green moon, The Power Plant, Toronto, Kanada
Manchmal Ja, manchmal Nein, Haus Konstruktiv, Zürich
2014 Drinnen ist nicht Draußen, Kunstverein Hannover
2013 Innen ist nicht Außen, Secession, Wien, Österreich
Das Versteck des W.L., Galerie der Gegenwart, Hamburg

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