Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

Toulu Hassani

E_584_Toulu_Hassani.jpg
E 584
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E 585

E 584
And so on to infinity
59,5 × 46,5 cm / 44,0 × 33,5 cm

E 585
not fixed could change
59,5 × 46,5 cm / 44,0 × 33,5 cm

Papierqualität: 250 g/qm BFK Rives
Druck: Atelier für Druckgrafik, Wedel

VERRÜCKTE ORDNUNG

von Brigitte Bedei

Zahlreich sind die Darstellungen und Modelle, die erstellt werden, um sich in unserer Welt zu orientieren und sie begreifbar zu machen. Toulu Hassani ist fasziniert von diesen vielfältigen Ordnungssystemen. Es sind vornehmlich kosmische und astrophysische, aber auch mathematische Referenzen, auf die sich die Künstlerin in ihren Arbeiten bezieht. Dabei geht es ihr nicht um die Visualisierung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Theorien. Vielmehr bewegt sich Hassani malerisch und zeichnerisch in von ihr angelegten Rastern, die sie verrückt und deren System sie aufbricht, um eine ganz eigene Logik zu entwickeln.

In der Arbeit And so on to infinity konstruiert Toulu Hassani akribisch eine Folge von raumfüllenden Kurven, die in einer unendlichen Wiederholung der Linie das All-Over-Motiv bilden. Begrenzung erhält diese allein durch das Format der Druckplatte Die sogenannte Peano-Kurve, eine geometrische Anschauung einer formalen Definition des Mathematikers Giuseppe Peano (1858–1932), wird von der Künstlerin durch eine zweite räumliche Ebene ergänzt, die der rein linearen Struktur Tiefe verleiht und sie wie ein Relief erscheinen lässt. Das kleinteilig angelegte Raster kippt je nach Betrachtung nach Innen oder Außen. Es beginnt ein Vexierspiel, in dem Bildvorder- und hintergründe ständig ihre Rollen zu tauschen scheinen. Diese Vielschichtigkeit wird unterstützt durch den in Rot angelegten Farbverlauf von dunkel nach hell, auf den das Motiv anschließend im Tiefdruck in einem hellen Orange gedruckt wird.

Den Bildern von Toulu Hassani ist ein aufwendiger Entstehungsprozess eingeschrieben. Die beiden Motive hätten mit technischen Hilfsmitteln in wenigen Minuten auf die Platte gebannt werden können. Toulu Hassani entscheidet sich jedoch für einen manuellen, zeichnerischen Prozess: eine Vorzeichnung und anschließend die langwierige Übertragung auf die Kupferplatte mit der Radiernadel. Die Zeichnung wird dabei von Hand regelrecht in die Kupferplatte gegraben. Dabei passiert genau das, was den großen Reiz ihres Werkes ausmacht und den Bildern eine Sinnlichkeit verleiht. Ausbrüche und Unvorhersehbares können sich entfalten, das strenge System des Rasters erhält Brüche, die Struktur und Form entfalten sich in einer neuen Dimension. Verfolgt man den Entstehungsprozess der Arbeit not fixed could change, wird dies sinnfällig. Gezeichnete Raster dienen der Künstlerin als Gerüst und Hilfsmittel für ihr Motiv. Hieraus entwickelt sie parallel verlaufende Zick-Zack-Linien mit unterschiedlichen Zwischenräumen, die sich in rechteckig verzerrten Modulen zu einer räumlich angelegten, abstrakten Ornamentik zusammenfügen. In tiefem Blau gedruckt, changiert das Motiv zwischen Ruhe und Unruhe, Harmonie und Irritation. Hier wird die Farbe nicht, wie im Tiefdruck üblich, in die vertiefte Zeichnung gewischt, sondern bleibt auf der erhabenen Fläche stehen. Die Kupferplatte wird so im Hochdruck geprintet.

Toulu Hassanis Arbeiten sind stille, poetische Annäherungen an Ordnungssysteme die in ihrer subjektiven, inexakten Konstruiertheit eine verrückte Ordnung und Sinnlichkeit entwickeln.

Toulu Hassani

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Toulu Hassani (*1984) studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie an der Facultad de Bellas Artes, Universidad Politécnica de Valencia in Spanien. Sie schloss ihr Studium 2012 als Meisterschülerin von Walter Dahn ab. Seither erhielt sie zahlreiche Stipendien und Preise. 2014 war sie Resident Artist am International Studio & Curatorial Program (ISCP) in New York und wurde 2016 mit dem Sprengel-Preis für Bildende Kunst ausgezeichnet. 2019 und 2020 war ihre Arbeit Teil der Gruppenausstellung Jetzt! Junge Malerei in Deutschland. 2022 erhielt sie das Marianne-Defet-Malerei-Stipendium in Kombination mit einer Ausstellung in der Kunsthalle Nürnberg sowie den August-Macke-Preis des Hochsauerlandkreises.

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