Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis ©griffelkunst

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

Thomas Bayrle

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387 B Mappe

B-Reihe / 387. Wahl
III. Quartal 2022

Atommann

Offsetdruck nach Photokopiecollage, 1987/2022
60,0 × 27,0 cm

1. Atommann I
2. Atommann II
3. Atommann III
4. Atommann IV
5. Atommann V

Papierqualität: 250 g/qm Materica Gasso weiß
Druck: Druckerei E. Sauerland, Gelnhausen Hersteller
Mappe: Reset St. Pauli Druckerei, Hamburg

Jenseits des menschlichen Ermessens

von Brigitte Bedei

Das Prinzip des Seriellen ist den Arbeiten von Thomas Bayrle eingeschrieben. Das Wiederholen, Vernetzen und Verweben findet sich in nahezu allen Werken des Künstlers und ist eng verbunden mit seiner eigenen Biographie. Bayrle wird 1937 geboren und absolviert zunächst eine Lehre als Weber, die ihn prägt und für ihn künstlerisch richtungsweisend wird. »Ich wollte Musterzeichner werden bzw. das Lochkarten-Schlagen lernen, um Muster ›programmieren‹ zu können. […] Es erschien mir phantastisch, mit geometrischen Faden-Elementen Punkt für Punkt, Zeile für Zeile individuell bauen zu können«, erklärte er 1995 im Interview dem Magazin Kunstforum. Danach absolviert er ein Studium der Gebrauchs- und Druckgraphik an der Werkkunstschule in Offenbach. 1962 gründet er mit Bernhard Jäger die Gulliver-Presse, die bekannt ist für ihre Künstlerbücher. In den folgenden Jahren beschäftigt sich Bayrle v.a. mit Lithographie, Radierung sowie dem Raster- und Siebdruck. Ende der 1970er Jahre widmet er sich auch der Film- und Videokunst und gilt als Pionier der computergenerierten und -animierten Kunst. Neben seiner künstlerischen Arbeit lehrt Bayrle von 1975 bis 2002 als Professor für Freie Graphik an der Frankfurter Städelschule. Er nimmt 2003 und 2009 an der Biennale von Venedig teil, sowie 1964, 1977 und 2012 an der documenta in Kassel.
Thomas Bayrles Thema ist unter anderem das Verhältnis des Individuums zur Masse. Dafür entwickelt der Künstler eine Bildform, in der er die serielle Wiederholung in Rasterstrukturen einsetzt. Seit den späten 1960er Jahren führt Bayrle seine Arbeiten aus kleinen Einzelteilen zu großen »Superformen« zusammen. Diese stellen für ihn eine Art Container dar, der gefüllt wird mit einzelnen Bildzeichen. Zum Teil wird die Superform aus den immer gleichen Motiven zusammengestellt, die Form einer Glücksklee-Milchdose aus Glücksklee-Milchdosen beispielsweise. In einer anderen Darstellung stehen die Bilder nicht flächenbetont nebeneinander, sondern die Superform erhält eine 3D-Form, wie das Porträt der Madonna Mercedes. Zusammengesetzt wird die Collage aus lauter kleinen Bildern eines Mercedes, die sich zu einer ikonographischen Darstellung der Madonna mit Kind formieren. Thematisch behandelt Bayrle in seinen Bildern und Werken Aspekte der modernen Gesellschaft. Neben den Strukturen von Konsum, Urbanität und Technologie spielen Bereiche wie Fortbewegung und Alltagswirklichkeit eine zentrale Rolle im Werk des Künstlers. Für die griffelkunst legt Thomas Bayrle seinen Atommann, den er bereits 1987 entwickelt hat, neu auf:
Tja, der Atommann war, als ich ihn – in meiner Vorstellung – aus geometrischen Blöcken zusammensetzte – ein radioaktives Monstrum, was durch eine Stadt geisterte – über Trottoirs und Fahrbahnen – ohne irgendeine geltende Regel – Menschen oder Autos zu beachten. – Für mich passte er ganz gut in eine gleichzeitig
ängstliche und unverschämte Zeit, ähnlich den Ängsten, wie sie im Moment wieder – hier und da – aus allen möglichen Löchern gekrochen kommen …

Thomas Bayrle in einer E-Mail vom 6. Juli 2022

In einer Serie von fünf Schwarzweiß-Drucken entwickelt Bayrle die Form eines aus Blöcken zusammengesetzten Maschinenmenschen, der sich wie eine animierte Figur über die Sequenz von fünf Blättern bewegt. Hierfür hat er geometrische Grundformen direkt auf Photopapier belichtet, danach photokopiert und collagiert. Der Kopierer war in den 1980er Jahren ein häufig genutztes Arbeitsgerät des Künstlers. Manchmal mietete er stundenweise eine Maschine und arbeitete daran. Tatsächlich hat Thomas Bayrle seit den 1980er Jahren graphische Bilder durch Film und in Form von Videos in Bewegung gebracht. Dafür entwickelt er von Hand Montagen aus Zeichnungen, Photos, Filmsequenzen und Sound. Von Hand collagiert sind auch die einzelnen Module des Atommannes, die für die Edition schließlich im Offsetdruck reproduziert wurden.
Was passiert, wenn Maschinen Prozesse in Gang setzen, die jenseits des menschlichen Ermessens liegen? Sie geraten außer Kontrolle, das einmal Entfesselte kann nicht mehr beherrscht und kontrolliert werden. Unfälle bis hin zu Katastrophen sind die Folge. Vor diesem Hintergrund bewegt sich der Atommann durch unsere Zeit wie ein dystopischer Superschurke.

Thomas Bayrle

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1937 geboren in Berlin,
lebt und arbeitet in Frankfurt am Main

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