Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst

Stephan Dillemuth

P_91_Stephan_Dillemuth.jpg
P91
P_92_Stephan_Dillemuth.jpg
P92
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P93

P91
Modell für Zeitmessung/B
Flocking, Leinwand auf Keilrahmen
30,0 × 30,0 × 1,5 cm

P92
Modell für Zeitmessung/W
Flocking, Leinwand auf Keilrahmen
40,0 × 40,0 × 1,5 cm

P93
Modell für Zeitmessung/S
Fensterbild mit Mappe, Montageanleitung und Rakel
Material: Oracal 751 C, High Performance Cast,
PVC-Folie
35,0 × 35,0 cm

Druck P91 und P92: Gundolf Roy, Zülpich
Druck P93: Folienprofis Hamburg
Hersteller Mappe: Reset St. Pauli Druckerei, Hamburg

MODERNE ZEITEN

von Stephanie Bunk

letztlich schließen sich hier eine unzahl philosophischer und physikalischer fragen an, die uns meist sehr wichtig und existenziell erscheinen. mit einem wort, die sache ist komplex, oder vielleicht auch nicht und so einfach wie es karl valtentin beschrieben hat: diese uhr zeigt die zeit von gestern an.
(Stephan Dillemuth)

seit etwa dem jahr 2000 zieht sich das motiv einer uhr durch mein werk, es ist fast so etwas wie mein »signature piece« geworden. diese uhr ist aufs einfachste reduziert: sie hat zwei zeiger aus einer liegenden 8, dem symbol für unendlichkeit. sie zeigen etwa auf halb 4, der langweiligsten stunde des tages.
Stephan Dillemuth in einer E-Mail vom 23. Mai 2021

Mit diesen Worten stellte Stephan Dillemuth der griffelkunst seine Idee für eine Edition vor, die aus drei verschiedenen Uhren besteht. Der Einfachheit des Motivs – man erkennt die Uhr als solche sofort und kann auch die Zeit ablesen – steht die Komplexität des Themas »Zeit« gegenüber. Uhren sind nicht nur Zeitmesser. Sie stehen in der Kunstgeschichte für das Vergehen und die Vergänglichkeit an sich und damit verbunden für den Wunsch, den Augenblick angemessen zu leben.

Seit der Industrialisierung ist Zeit ein Gut, das es zu maximieren gilt. Man strukturiert Zeit, spart sie ein, um sie dann, wenn es passt, auch mal zu verschwenden. Stephan Dillemuth denkt bei dem Motiv der Uhr die Taktung von Arbeitszeit, Mechanismen von Macht und Kontrolle durch Zeitmanagement mit. Seine Uhren verweisen auf die Stechuhr in Fabriken oder an das Regime der Turmuhren – man denke nur an Charlie Chaplins Kampf ums Überleben im Film Modern Times (1936). Sie erinnern auch an Wand- und Küchenuhren, an die Serialität von Einrichtungsgegenständen aus der Massenproduktion und an die Vereinheitlichung von Design. Heute sind klassische, analoge Uhren entweder Luxusobjekte oder etwas aus der Zeit gefallen. Sie wurden abgelöst von smarten Geräten, die mehr können, als nur zu zeigen, wie spät es ist.
Im heterogenen Werk von Stephan Dillemuth, das sich zusammensetzt aus Malerei, Skulptur, Installation, Video und Performance, tauchen Uhren in verschiedenen Größen und Zuständen auf: Assemblagen aus Zahnrädern, Gemälde als Raumteiler oder Durchgänge, wie das fast 3 × 3 Meter große Werk Viel Spaß mit Zeit aus dem Jahr 2018, oder Uhren im Linolschnitt gedruckt – oft in Gruppen organisiert – , wie etwa 2006 in der Ausstellung Mercury in Retrograde in der De Appel Foundation in Amsterdam.
Einen Uhrenraum richtete er auch 2011 im Rahmen seiner »1st retrospective« a certain lack of coherence in Porto ein. An diese Form der Präsentation lehnt sich die für die griffelkunst entstandene Edition an. Zwei Leinwände wurden mit von dem Künstler im Linolschnitt entwickelten Uhren bedruckt und zwar in der Technik des »Flocking«. Dafür wird statt Farbe Textilstaub aufgebracht, der eine erhabene, samtige und tiefschwarze Oberfläche erzeugt. Das dritte Motiv ist als Sonnenuhr gedacht. Es handelt sich um ein Fensterbild im Lasercut, das man direkt auf die Scheibe kleben kann. Eine ähnliche Sonnenuhr präsentierte Dillemuth erstmals 2020 in der Berliner Galerie Mountains. Bei Sonneneinstrahlung wird die Uhr vom einfallenden Licht in den Raum hineinprojiziert und die Uhrzeit ablesbar.

Stephan Dillemuth, der in Nürnberg, Düsseldorf und München Kunst studiert hat, lehrte an den Akademien Bergen, Hamburg, Salzburg und München. Im Kunstverein München veranstaltete er zusammen mit Helmut Draxler eine Sommerakademie. Dillemuth propagiert dabei »bohemistische Forschung«, das ist künstlerische Recherche und Experiment in Freundschaftsfeldern. Eines seiner zentralen Themen ist die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, den er weniger in der eines genialischen Individualisten sieht. Er begreift sich eher als eingebunden in Prozesse des kollaborativen Arbeitens, der Aneignung, des Austauschs und der Vermittlung.

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