Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst

<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst</p>

Eröffnung der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012 ©griffelkunst

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke ©griffelkunst

Roman Moriceau

E_594_Roman_Moriceau.jpg
E 594
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E 595

Einzelblätter

Lithographie mit Pflanzenpigmenten

E 594
Flower
58,0 cm × 39,0 cm

E 595
Flowers
76,0 × 52,0 cm

Papierqualität: 250 g/qm Somerset Satin Bütten
Druck: Thomas Franke, stein_werk., Leipzig

Rosen, Tulpen, Nelken

von Stephanie Bunk

Superfoods sind in aller Munde. Gemeint sind damit Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehalts einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben. Dazu zählen regionale Produkte wie Heidelbeeren und Grünkohl. Doch den meisten fallen wahrscheinlich eher Exoten wie die Acai-Beere aus dem Amazonas Gebiet oder die Goji-Beere aus China ein. Inzwischen ist der Absatz von Superfoods so stark gestiegen, dass für ihren Anbau die Umwelt durch Monokulturen und Pestizideinsatz zerstört wird. Unter der Schadstoffbelastung leidet wiederum der Nährwert der Früchte, vor allem, wenn sie auch noch pulverisiert werden. Was übrig bleibt ist kein Naturprodukt mehr, sondern ein hoch künstliches Nahrungsergänzungsmittel, das erfolgreich vermarktet wird.

Auf die Folgen der Liebe zu den Superfoods macht Roman Moriceau aufmerksam, indem er Kunstwerke aus ihnen entstehen lässt. Er setzt die bunten Pulver wie Pigmente ein und kann dabei auf eine ganz erstaunliche Palette von leuchtenden Farben zurückgreifen. Auch seine Motive der Serie Flowers spielen mit dem Verhältnis von Natürlichkeit und Künstlichkeit, denn er photographiert als Vorlage üppige Bouquets aus Blumen, die genetisch modifiziert wurden. Es handelt sich um ähnliche Kunstprodukte, die – wie die Superfoods – optimiert und auf die Bedürfnisse des Marktes zugeschnitten wurden. Sie welken langsamer und konservieren dadurch die Schönheit der Natur, deren besonderer Wert doch gerade in ihrer Vergänglichkeit liegt. Diesem Merkmal trägt der in Paris lebende Künstler Rechnung, indem er seinen Werken den Prozess des Vergehens einschreibt. Denn Superfood reagiert wie alle Lebensmittel auf äußere Einflüsse wie UV-Licht, indem es sich mit der Zeit zersetzt. Diese Prozesse finden auch auf der Bildoberfläche statt: Die Leuchtkraft und Intensität der Farben lassen nach. Doch die Blüten verlieren dadurch nicht ihre Schönheit, sondern gewinnen im Gegenteil an Individualität und Lebendigkeit.

Mitglieder, die im Herbst 2021 Siebdrucke mit Kupferpigmenten des Künstlers gewählt haben, haben sich bereits auf die Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit eingelassen. Denn auch diese Drucke reagieren auf die Umwelt, indem das Kupfer mit der Zeit oxidiert und seine Farbe verändert. Bereits damals plante Moriceau auch die Arbeiten aus der Superfood-Serie als Teil seiner Edition ein. Doch ihre Übersetzung in die Druckgraphik erforderte andere Zugänge und Experimente – und mehr Zeit. Zumal Roman Moriceau, der in der Regel seine Werke selbst produziert, erstmals mit der Lithographie arbeiten wollte. Den richtigen Partner dafür fand er in Thomas Franke, der sich nicht nur mit der Verarbeitung von Superfoods zu Farben beschäftigt hat, sondern auch mit ihrer Lichtechtheit und ihrem Alterungsverhalten. Gemeinsam haben sie in der Leipziger Druckwerkstatt an der richtigen Umsetzung getüftelt und Motive entwickelt, die sich aus zwei Ebenen zusammensetzen: auf schwarze Stiele, gedruckt mit konventionellen Farben, setzt er Blüten aus Superfood-Puder. Wenn mit der Zeit die Farben vergehen, bleiben am Ende die Stiele als Gerüst und abstrakte Graphik stehen.

Die Zerstörung der Umwelt ist Roman Moriceaus übergeordnete Thematik. Trotz der Dringlichkeit und Bedrohlichkeit seines Themas findet er dafür Bilder voller Schönheit und Harmonie, egal in welchem Stadium der Zersetzung sie sich gerade befinden.

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P82
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P83
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P84

Projekt-Reihe

383./384. Wahl
III./IV. Quartal 2021

Siebdruck mit Kupferpigmenten

P82 Botanische Garten (Mirror)

63,0 × 53,0 cm / 30,0 × 20,0 cm

P83 Botanische Garten (A light white wind)

66,0 × 53,0 cm / 40,0 × 27,0 cm

P84 Botanische Garten (Messy)

76,0 × 53,0 cm / 70,0 × 47,0 cm

Papierqualität: 300 g/qm Zerkall-Bütten

Druck: Gundolf Roy, Zülpich


Die Schönheit des Vergänglichen

von Stephanie Bunk

Roman Moriceau begann seine Serie Botanische Garten im Jahr 2015. Sie geht zurück auf Aufnahmen von Pflanzen, die der Künstler in dem Botanischen Garten Meise in Belgien machte. Dieser ist nicht nur der größte seiner Art, sondern er hat auch eine besondere Geschichte. Er wurde bereits 1796 angelegt und ist damit älter als das Königreich Belgien. Man findet dort auch Überreste der Sammlung von Leopold II., der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Brüssel einen eigenen kolonialen Garten errichtete, in dem er Pflanzen aus der afrikanischen Kolonie Kongo wie Trophäen ausstellte. Diese Geschichte und ihre Ambivalenz animierte Moriceau zur Auseinandersetzung mit diesem Garten. Die dort verdichteten und nach Erdteilen kategorisierten Pflanzen bezeichnet er als »Fake Jungle«, also künstlichen Dschungel. Gleichzeitig werden auf diese Weise Pflanzen vor klimatischen Veränderungen gerettet und vor dem zerstörerischen Zugriff des Menschen geschützt. Zeit – oder vielmehr die Erfahrbarkeit ihres Vergehens – interessieren Moriceau ganz besonders, denn viele Zeitphänomene entziehen sich der menschlichen Wahrnehmung. So verschwinden Pflanzen und Lebewesen oft sehr schnell, während andere Bestandteile der Natur wie Steine oder Berge uns als unveränderlich erscheinen. Technisch gesehen handelt es sich bei den Drucken um Siebdrucke, doch als Farbe verwendet der Künstler feine Pigmente aus reinem Kupfer. Das Metall hat besondere Eigenschaften: Es reflektiert das Licht, sodass das Bild hellleuchtend, matt schimmernd oder dunkelfunkelnd erlebt werden kann, je nach Lichteinfall. Das Kupfer reagiert mit der Zeit auf den Luftsauerstoff und oxidiert, sodass sich seine Farbe verändert, von dem bekannten Kupferton hin zu einem »moosigen« Grün. Die Geschwindigkeit dieses Transformationsprozesses ist abhängig von den Raumbedingungen, in denen sich der Siebdruck befindet. Doch keine Sorge, der besondere Glanz der Bilder entwickelt sich erst im Lauf von Jahren und Jahrzehnten in einen Grünblauton, der viel stärker mit dem Motiv und unserer Vorstellung von Natur korrespondiert. Das Kupfer spiegelt den Zyklus von Werden und Vergehen, dem alles Natürliche unterliegt. Gleichzeitig bezieht sich Roman Moriceau mit der Wahl dieses Materials erneut auf die belgische Geschichte, denn der Kongo gehört in Afrika zu den wichtigsten Kupferabbaugebieten, schon zu Zeiten Leopold II. und bis heute. Das Element ist Zeuge und Ausdruck der Ausbeutung des Menschen und der Natur, die immer noch für die Gewinnung des Rohstoffs zerstört wird. Wie die Münzen, die daraus gemacht werden, ist Kupfer ein zentrales Handelsgut im globalen Weltmarkt. Es wird im Kongo gewonnen, von dort nach China gebracht und in technischen Geräten verbaut, die dann in den USA oder in Europa genutzt werden. Am Ende der Kette landen diese Geräte erneut in Afrika, wo sie verschrottet werden. Dort wird der Rohstoff unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen zurückgewonnen – mit erneuten Folgen für Mensch und Umwelt.

Seiner Kritik an der Umweltzerstörung und den negativen Folgen der Globalisierung setzt Roman Moriceau in seinen Werken ein hohes Maß an Schönheit entgegen. Doch Schönheit ist bekanntlich vergänglich. Moriceaus Kunst ist ein Spiel auf Zeit, denn erst im Vergehen zeigt sie sich ganz.

Roman Moriceau

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geboren 1976 in Frankreich, lebt und arbeitet in Paris. Nach seinem Studium an der School Supérieure des Beaux-Arts in Angers und einem Aufenthalt in London arbeitete er im Bereich Mode, insbesondere für Martin Margiela.
Seit 2007 widmet er sich ganz der zeitgenössischen Kunst. Die Serie Botanische Garten war 2019 auf der Paris Photo und 2020 in der Galerie Derouillon, Paris zu sehen. 2021 ist er mit Werken in der Gruppenausstellung La photographie à l’épreuve de l’abstraction im FRAC Normandie Rouen zu sehen, zu der ein Katalog bei Hatje Cantz erschienen ist.
In Deutschland wurden seine Arbeiten bisher in der Hamburger Galerie Âme Nue und im Kunsthaus Jesteburg gezeigt.

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