Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011 ©griffelkunst

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012 ©griffelkunst

<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Prof. Hanns Schimansky und Studierende bei der Betrachtung von Graphiken an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>
<p>Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst</p>

Drucker Detlef Jäger beim Auftragen der Farbe auf eine Radierplatte ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

Marcel Odenbach

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388 A Mappe

A-Reihe / 388. Wahl
IV. Quartal 2022

Außer Rand und Band Siebdruck
42,0 × 59,4 cm

1. Außer Rand und Band I
2. Außer Rand und Band II
3. Außer Rand und Band III
4. Außer Rand und Band IV
5. Außer Rand und Band V

Papierqualität: 300 g/qm Hahnemühle Karton weiß
Druck: Block 6, Köln
Hersteller Mappe: Reset St. Pauli Druckerei, Hamburg

Nichts ist in Ordnung

von Brigitte Bedei

Denn nur weil Ordnung herrscht, heißt das noch lange nicht, dass alles in Ordnung ist.
(Marcel Odenbach)

Was kann ein Bild zeigen, was kann ein Film erzählen? Diese grundlegenden Fragen stellt Marcel Odenbach in seinen Arbeiten. Der Künstler gilt als Pionier der Videokunst, die er bereits in den 1970er Jahren einsetzt. In einem experimentellen Umgang mit Film, Rhythmus, Sound und Sampling entwickelt Odenbach eine spezifische Bildsprache unter Verwendung von Archivmaterial, Film- und Fernsehmitschnitten sowie selbst produzierten Bildern und Filmsequenzen. Aber nicht
nur im Film verwendet er das Prinzip der Collage, auch seine Papierarbeiten verfolgen parallel den Ansatz des Montierens, Komponierens und Collagierens. Für sein gesamtes Werk ist diese Methode kennzeichnend.
Mit diesen Mitteln und häufig in Verbindung zur eigenen Biographie lenkt Odenbach mit seinen Werken den Blick auf autoritäre und ideologische Strukturen, die für Gewalt und Machtmissbrauch verantwortlich sind. Die Verdrängung und Aufarbeitung der NS-Verbrechen, Rassismus und Sklaverei, das Nachwirken des Kolonialismus in Afrika, staatliche Repressionen, Antisemitismus sowie das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sind dabei wiederkehrende Themen.

Einen besonderen Stellenwert in seinem Werk nehmen die sogenannten Schnittvorlagen ein. Sie sind über Jahrzehnte entstanden und fungieren als fortlaufendes Bildarchiv; gleichzeitig stellen die 117 Blätter im Format DIN A3 die aktuelle Arbeitsgrundlage des Künstlers dar. Jedes Blatt ist einem Thema gewidmet. Odenbach ordnet darauf assoziativ oder thematisch korrespondierende Motive an, die er unterschiedlichsten Quellen entnommen hat. Hieraus photokopiert, reißt und schneidet er Details heraus, die er zu Tableaus collagiert. Eine Schnittvorlage kann bis zu 50 Einzelmotive umfassen. Das gesamte Konvolut der Schnittvorlagen hat Marcel Odenbach dem Museum Ludwig in Köln anlässlich der Verleihung des Wolfgang-Hahn-Preises 2021 überlassen. Da sie jedoch nach wie vor Bildarchiv und Arbeitsmaterial des Künstlers sind, verbleiben sie in seinem Atelier.

Sowohl Film als auch Schnittvorlagen bieten die Möglichkeit der Reproduktion und somit der unbegrenzten Vervielfältigung der von Odenbach vielschichtig verhandelten Themen. Eine demokratische Verbreitung der Kunst sieht er in der Idee der Edition und ist unserer Einladung gerne gefolgt. Für die fünfteilige Serie
hat Marcel Odenbach drei verschiedene Schnittvorlagen ausgewählt. Die Collagen werden auch hier weiterbearbeitet und fließen unter dem Titel Außer Rand und Band ein in neue Werke, in denen sich der Künstler mit gesellschaftlichen Prozessen von Machtmissbrauch auseinandersetzt. Einerseits beschäftigt er sich in zwei Schnittvorlagen mit der Stürmung des Kapitols durch Trump-Anhänger 2021 in Washington. Andererseits zeigt eine weitere Collage ein düsteres Kapitel u.a. der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika. Aus diesen drei Collagen generiert Odenbach eine Serie von fünf Siebdrucken. Die Reihenfolge ist dabei aufgebaut wie ein Triptychon. Die Mitte bildet eine Collage aus Postkarten seiner eigenen Sammlung aus ehemaligen Kolonien in Afrika, links und rechts wiederholen sich zwei Schnittvorlagen mit Bildern aus Medienberichten vom Sturm aufs Kapitol. Die reproduzierten Vorlagen aus dem Archiv des Künstlers werden vergrößert und jeweils zweifarbig – mal horizontal, mal vertikal – von Farbflächen überlagert, sodass verschiedene Partien der Collagen hervorgehoben werden. Die unterschiedlichen Farbkombinationen übernimmt der Künstler dabei von Warhols Electric-Chair-Serie, die für ihn in den frühen 1970er Jahren ein imposantes Beispiel einer politischen Stellungnahme war. So sind auch Odenbachs Arbeiten eindrucksvolle Statements zu gesellschaftlichen Katastrophen – bis in die jüngste Gegenwart hinein.

Marcel Odenbach

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Marcel Odenbach wurde 1953 in Köln geboren. Er studierte Architektur, Kunstgeschichte und Semiotik an der TH Aachen.
Er hatte zahlreiche Professuren an unterschiedlichen Akademien inne, u.a. Rijksakademie Amsterdam, NL; Staatliche Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe; Kunsthochschule für Medien, Köln; und schließlich lehrte er von 2011 bis 2021 als Professor für Film und Video an der
Kunstakademie Düsseldorf. Seine Arbeiten sind in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Marcel Odenbach, Carla Cugini (Hrsg.), Schnittvorlagen, Gesellschaft für Moderne Kunst am Museum Ludwig e.V., Köln 2021

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