Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>
<p>Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst</p>

Tobias Zielony signiert in der Seilerstraße ©griffelkunst

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst</p>

Im Atelier von Anja Tchepets ©griffelkunst

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011 ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

Katharina Hinsberg

E_606_Katharina_Hinsberg.jpg
E 606

Einzelblatt E 606

Hand-Zeichnung, roter Farb- oder Graphitstift auf Papier, geplottet, auf Karton montiert

50,0 × 40,0 cm / 27,5 × 27,5 cm

Papierqualität: 100 g/qm Hahnemühle Rice Paper, bezeichnet.
Auf Montagekarton altweiß, 1,5 mm, Klug-Conservation
Herstellung: Katharina Hinsberg und d’mage, Berlin

Vernetzung

von Dirk Dobke

Mit dem Einzelblatt Netz von Katharina Hinsberg stellen wir ein hybrides Objekt zwischen Zeichnung und Relief vor, das in typischer Weise ihren künstlerischen Ansatz veranschaulicht. Hinsberg geht sowohl zeichnerisch als auch malerisch unkonventionelle Wege, um mit dem Werkstoff Papier zu formal reduzierten, poetischen Bildwirkungen zu gelangen. In ihrem experimentellen Werkverständnis wird die eigentlich mit »Zeichnen« gemeinte lineare Strichführung beinahe zweitrangig, beziehungsweise eher zum vorbereitenden Schritt der späteren Ausführung. Die Künstlerin zeichnet nicht auf Papier, sondern arbeitet mit dem Material an sich. Sie zerschneidet es, locht es oder erschafft mit meterlangen Papierstreifen raumgreifende Installationen, die sie frei im Raum arrangiert.

2018 haben wir Katharina Hinsberg erstmals zu einer Edition für die griffelkunst eingeladen. In ihrer Serie Perceiden, bestehend aus fünf Arbeiten, hat sie den von ihr skizzierten Linienverlauf mittels feiner Bohrungen in gleichmäßigem Abstand in das Papier übertragen. So entstand eine zurückgenommene, dreidimensionale Struktur mit feinem Licht- und Schattenspiel. Für den Betrachter, die Betrachterin der Arbeit fügt sich schließlich die Reihung der Löcher optisch wieder zu Linien zusammen. In anderen Werkgruppen, beispielsweise in ihrer Serie Ajouré (2014/2015), zerlegt die Künstlerin die Papierfläche und löst sie dabei behutsam auf. Sorgfältig und präzise wie mit einem Skalpell trennt sie Fläche für Fläche aus dem Bogen bis eine lineare Gitterstruktur aus feinen Stegen stehen bleibt. So wird das weiße Papier, also der eigentliche Bildträger, zu einem filigranen Relief.

Für unsere aktuelle Edition hat Hinsberg genau diese Technik des Abtragens von Material wieder aufgegriffen. Die Arbeit basiert auf einer gestischen Zeichnung, die sie per Laser in einer von ihr definierten Strichstärke ausschneiden und freistellen lässt. Sowohl die Kontur der Form als auch sämtliche Innenflächen werden dabei präzise ausgeschnitten, sodass sich ein flaches Papierrelief ergibt. Dieses wird von ihr derart auf einem Trägerkarton befestigt, dass das Netz vor dem Hintergrund zu schweben scheint. Allerdings nimmt die Künstlerin noch einen besonderen Eingriff vor: Bevor die Struktur geplottet, also ausgeschnitten wird, zeichnet sie von Hand mit rotem Farb- oder Graphitstift auf das auszuschneidende Papier. Die so gezeichnete, fragmentarische Struktur verleiht jeder Arbeit eine einzigartige Oberfläche. Jedes Netz wird so zu einem Original.

A-Reihe / 369. Wahl
I. Quartal 2018

Papierbohrungen
70,0 × 50,0 cm
Perceiden (P_18 / I–V)
1. I
2. II
3. III
4. IV
5. V

Papierqualität: 120 g/qm Dorée, naturweiß
Herstellerin: Atelier Katharina Hinsberg

Raumbilder

von Brigitte Bedei

Linie und Schnitt bestimmen das zeichnerische Werk von Katharina Hinsberg, die auf vielschichtige Weise den Begriff der Zeichnung erweitert und dessen Auswirkung auf den Raum untersucht. Durch ihre vielfältigen Verfahren befragt die Künstlerin Bedingungen, Möglichkeiten und Bezüge der Zeichnung. Ausgehend von der Handzeichnung erfolgt immer eine anschließende Bearbeitung, etwa indem Hinsberg diese als Negativ- oder Positivform mittels Messer aus dem Papiergrund entfernt oder als Loch per Bohrung in einen anderen Bildträger überführt. So schafft sie Scherenschnitte
und plastische Gebilde bis hin zu beeindruckenden Rauminstallationen, die auf Papierkonstellationen beruhen.
Auch das Bohren versteht die Künstlerin als zeichnendes Verfahren, welches sich nicht auf dem Papier abzeichnet, sondern in den Bildträger einzeichnet. Die Vorzeichnung für die Werkgruppe Perceiden, die erstmals 2008 im Kunstmuseum Stuttgart als Wandarbeit realisiert wurde, entwickelte Hinsberg beispielsweise mit dicken Graphitminen auf Papier. Die gezeichneten Linien wurden später punktuell per Bohrung durch das Blatt in die Wand übertragen. Der Linienverlauf der Zeichnung wird durch die Bohrlöcher interpretiert: der Durchmesser des Bohrers entspricht der Linienbreite, der Abstand der Bohrungen der Dunkelheit und Dichte der gezeichneten Linien.

Für die griffelkunst hat Katharina Hinsberg die Werkgruppe der Perceiden fortgeführt und eine Serie von fünf Papierarbeiten entwickelt, in denen sich das Motiv ebenfalls aus Bohrungen generiert. Im folgenden Text beschreibt sie assoziativ ihr Vorgehen bei der Produktion der Auflage:

»Ich übersetze und vervielfältige eine Handzeichnung, indem ich ihre Linien als eine Folge von Punkten mit einem Bohrer in einen darunterliegenden Stapel von Blättern übertrage. Die Linien zerfallen in Einzelheiten und zwischen den punktuellen Löchern entstehen Abstände und Zwischenräume. Pausen.
Diese Löcher sind Sicht- sind Stichstellen. Ist das Bild dann da, wo die Löcher nicht sind? Das Papier wird porös und durchlässig. Ansicht und Kehrseite werden sich (einerseits/andererseits) entsprechen und lassen sich – ebenbildlich – wenden.
Als Lochpause tritt die gebohrte Abbildung von ihrer gezeichneten Vorlage so weit zurück, dass sich das Motiv als beides zeigt: als etwas Gemachtes und als etwas, das sich – als Bild, in Abwesenheit – nur andeutet, in Pausen, Löchern und Zwischenräumen. Das Bohren ist ein zeichnendes Verfahren, welches sich nicht auf-, sondern (durch und durch) einzeichnet. Aber das Bild ist nicht da, es erscheint nur so und entsteht in der Differenz zwischen Gedachtem und Gemachtem.
Ein Loch, gesetzt, markiert und wird bestimmt, ist und ist nicht. Es stiftet Position und steht in einem Zusammenhang, der sich dann, von Punkt zu Punkt, wie Nachtschrift, blind, wieder als Linie lesen lässt. So erhält ein Bild Durchlass, zwischen Pausen und Löchern, durch etwas hindurch, das nicht vorhanden ist.«

369 A1
369 A2
369 A3
369 A4
369 A5

Katharina Hinsberg, geboren 1967 in Karlsruhe, lebt und arbeitet auf der Raketenstation Hombroich bei Neuss
1989–1996 Studium der bildenden Kunst in München, Dresden und Bordeaux
2003–2009 Professur für Zeichnen an der Hochschule für Künste Bremen
seit 2011 Professur für konzeptuelle Malerei an der HBKSaar, Saarbrücken

Ausstellungen
2018 Zeit – Zeichnen, Galerie Werner Klein, Köln
2016 Zeichnungsräume, Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart, Hamburg (K)
2015 Itinerar, Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (E, K)
Feldern (Farbe), Kunsthaus Baselland, Basel (E)
2014 ajouré, Museum Goch, Goch (E)

Publikation
Sequence: Drawings 1–117, Jochen & Laura Kienbaum (Hrsg.), Köln 2018

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