Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>
<p>Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst</p>

Jenny Holzer Edition entsteht ©griffelkunst

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln ©griffelkunst

<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>
<p>Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst</p>

Eine Radierung entsteht, Druckwerkstatt der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ©griffelkunst

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg ©griffelkunst

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen ©griffelkunst

Agenda – aktuelle Ausstellungshinweise und News

Eintauchen: Julia Schmid

griffelkunst: Wie hat deine Arbeit begonnen, und was hat dich an dem Thema Moby Dick interessiert?

Julia Schmid: Der Ursprung ist die Begeisterung für den Roman Moby Dick (Herman Melville, 1851). Viele kennen den Film oder die gekürzte Abenteuer-Variante des Buches, wo es primär um die sich steigernde Spannung hin zum Kampf von Kapitän Ahab mit dem Wal geht. Ich hatte das Glück, die ungekürzte Fassung in die Hände zu bekommen: hier ist die Buchstruktur viel subtiler, philosophischer und spannender. Die Geschichte beginnt eben genau damit, dass es eigentlich keine gültige Beschreibung des Pottwals gibt.
Der Wal wird dann im Kontext biblischer Geschichten und seinem Auftauchen in verschiedenen Literaturen beschrieben. Abwechselnd mit dem Fortschreiten der dramatischen Geschichte um Moby Dick sind ganze Kapitel eingeflochten, die sich den einzeln Körperteilen des Wals widmen. Akribisch werden beispielsweise die Haut oder der Kopf in eigenen Kapiteln beschrieben. Diese genauen Beschreibungen aber sind so genau, dass sie — komischerweise — beinahe abstrakt werden. Sie könnten zugleich auch Landschaften, Menschen oder philosophische Fragen der Welt behandeln.
Das hat mich so fasziniert, dass ich das Buch gleich mehrfach gelesen habe. Ich wollte immer mal damit arbeiten und habe mich gefragt, was dabei heraus kommt, wenn man diese Beschreibungen wirklich bildlich zusammensetzt. Reichen sie, um das Bild eines gesamten Wals zu ergeben?
Der Anlass, diese Arbeit wirklich zu beginnen, war 2017 die Einladung von Rolf Bier einen Beitrag zu der von ihm zusammengestellten Ausstellung The Fountain Mémoire — der Readymade-Impuls und seine Narrative anläßlich des 100. Geburtstags von Marcel Duchamps Fountain zu überlegen.
Bei der erneuten Lektüre habe ich mir alle Stellen bildnerisch notiert. Alle, die irgendeine Information über den Pottwal enthalten. Das hat dazu geführt, dass ich den Wal mitsamt seiner Fontäne im Ganzen konstruieren und sichtbar machen wollte. Also habe ich nach den Textstellen die Proportionen des Wals berechnet und ihn aus den beschriebenen Einzelteilen zeichnerisch konstruiert.

griffelkunst: Daraus ist die Arbeit Wal, 2017 entstanden, die unserer Edition zu Grunde liegt. Was hat dich daran gereizt, die Zeichnungen als Radierung umzusetzen?

Julia Schmid: Mich hat gereizt, dass ich — der ersten Konstruktion folgend — nun ganz gezielt den Teilen des Wals (und so auch den Kapiteln) in einzelnen Graphiken intensiver folgen konnte.
Wal-Details nah am Text in mehreren Arbeitsgängen vertiefen zu können und zugleich beinahe abstrakte Zeichnungen zu erhalten, war spannend für mich. Allein der Buckel des Wals ist eine Landschaft, die Haut ist plötzlich abstrakter Expressionismus, der Kopf gleicht einer U-Boot Konstruktion etc..
Der Widerstand des Kupfers und die Leichtigkeit den Ätzlack zu „radieren“ — damit hatte ich vorher keine Erfahrung — erlauben es, verdichtete Strukturen übereinander zu legen und Details buchstäblich auf verschiedenen Ebenen zu realisieren.
Der besondere Aspekt der potentiellen Vervielfältigung hat mich gleich mehrfach gereizt:
Einerseits sind die Wal-Stücke, als Radierungen einzeln verpackt, quasi wie im Großmarkt, das Gegenteil vom auratisch-dämonisierten Individuum Moby Dick im Buch. Sie entsprechen mehr der Realität der Wal-Begegnungen weltweit. Andererseits wäre die Vervielfältigung von Walen, wie bei dem Poster, für die reale Spezies ja großartig!

griffelkunst: Hat sich durch die druckgraphische Umsetzung etwas verändert?

Julia Schmid: Sehr. Es ist eine eigene Arbeit geworden. Die Radierungen sind stärker verdichtet und auch schwärzer — als hätte man ein Brennglas an den Wal gehalten und würde plötzlich eine Fülle von zusätzlichen Information sehen. Die „Stücke“ funktionieren auch als einzelne Graphiken, obwohl man sie zusammensetzen kann. Bei der Serie WAL, 2022 kommt allerdings nicht der gesamte Wal neu zusammen.

griffelkunst: Welche Bedeutung kommt dem Poster und dem Booklet zu?

Julia Schmid: Wenn man die radierten einzelnen Wal-Stücke in der Hand hält, bekommt man gleichzeitig durch das Poster den entfernteren, ganzen Wal mit seiner Fontäne im Hintergrund zu sehen. Zwei Seiten einer Medaille.
Das Booklet stellt die Verbindung zur literarischen Herkunft her, die der zeichnerischen Konstruktion des großen Tieres zu Grunde liegt: der ganz konkreten Textbasis und der philosophischen Basis des ganzen Buches. Es enthält zudem vielfältige Informationen über Wale generell: zum Skelett, zum normalen Lebensraum im weiten Meer, zu Gewohnheiten der Tiere, ihr Leben in Walschulen — oder wie sie von Harpunen verletzt werden. Das Pendant zur utilitaristische Perspektive.
Welche Fragen sich inhaltlich, aber auch rein visuell aus diesen stilistisch verschiedenen Teilen der Edition ergeben, wird jeder individuell anders erleben. Alle heterogenen Teile der Edition zusammen erlauben aber vielleicht eine Idee der vielen möglichen Facetten des größeren Bildes …

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