Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>
<p>Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition</p>

Yvette Kießling bei der Arbeit an der Griffelkunst-Edition

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße

Robert Voit

C-Reihe, 344. Wahl, IV. Quartal 2011
Aus der Serie New Trees
FinArtPrint im Bubble-Jet Verfahren
50,0 x 42,0 cm / 40,0 x 32,0 cm

1. City Creek Rd, Mentone, California, USA 2006
2. Desert Hills, Las Vegas, Nevada, USA 2006
3. Mosselrivier Hermanus, South Africa 2006
4. Scottsdale, Arizona, USA 2006
5. Summer Glow Ave, Las Vegas, Nevada, USA 2009
6. Tierrasanta, California, USA 2005

Papierqualität: RAG Photographique 310 g
Hersteller: Grieger, Düsseldorf
Mappe: Graupappe mit Prägung, Leinenrücken und säurefreien Innenklappen
Hersteller Mappe: Christian Zwang, Hamburg

Anmerkungen zu einer photographischen Werkserie von Robert Voit

von Christoph Schaden

„Der Einfluss der physischen Welt auf die moralische,
das geheimnisvolle Ineinanderwirken des Sinnlichen und Außersinnlichen
gibt dem Naturstudium, wenn man es zu höheren Gesichtspunkten erhebt,
einen eigenen, noch zu wenig erkannten Reiz.“
Alexander von Humboldt, Ansichten der Natur, 1849

Bekanntermaßen bezeichnet der französische Begriff Camouflage ein Panoptikum verschiedener Natur- und Zivilisationsphänomene, die ausnahmslos von Täuschungsstrategien geleitet sind. Zumeist liegt solchen Irrführungen das visuelle Konzept eines Schöpfers zugrunde, der durch größtmögliche Anpassung an die Umwelt eine Unkenntlichkeit zu erreichen versucht. Wir attestieren ihm in dem Maße eine Könnerschaft, je mehr unser Auge betrogen wird. Es verwundert daher wenig, dass sich gerade die Mal- und Zeichenkünste die dialektische Erkenntnistechnik der Camouflage zueigen gemacht haben. Für die Photographie indes, die in ihrem indexikalischen Verhältnis zur sichtbaren Welt den Spuren des Lichts lange verhaftet blieb, schien ihr Nutzwert gering. Wir attestieren ihr bis heute – insbesondere auf dem Funktionsfeld des Dokumentarischen – in dem Maße eine Könnerschaft, je weniger unser Auge betrogen wird.

Die Bildserie New Trees von Robert Voit thematisiert mit Delikatesse den Zwiespalt unserer rezeptiven Erwartungshaltung. Denn seine Farbaufnahmen zeigen in einem streng dokumentarischen Stil, der mit ironischem Kalkül die Industrieaufnahmen von Bernd und Hilla Becher sowie die Pflanzenphotographien von Karl Blossfeldt rezitiert, allesamt Motive von Baumsolitären, die sich erst auf den zweiten Blick als verkleidete Mobilfunkmasten zu erkennen geben. Die künstlichen Baumphysiognomien, die in den Realraum positioniert wurden, zollen offenkundig einem diffusen Gestaltungswillen Tribut, bei dem das Verlangen nach Befriedung im Mittelpunkt steht. Um die Gefahren von Elektrosmog über den Sehsinn zu kompensieren, wurde den Mobilfunkmasten Natur simulierende Tarnkappen übergestülpt. Umso bizarrer wirkt es in den Bildern von Robert Voit, dass die entstandenen Baum-Fakes sich als idealtypische Vegetationsformen auf zumeist vertrautem Terrain verorten. Wir begegnen den neuen Bäumen etwa auf Friedhöfen, inmitten von Laubwäldern und mitunter sogar auf Golfplätzen, bevorzugt auch an Ausfallstraßen und Verkehrskreuzungen. Den primären Kommunikationsbewegungen der Gegenwart verpflichtet, scheint ihr Auftrag darin zu liegen, in einem ganz wörtlichen Sinne auf die jeweilige Umgebung auszustrahlen. Das reichhaltige Angebot der Camouflagen, die Robert Voit in seiner 2003 begonnenen Bilddokumentation weltweit aufspürten konnte, umfasst eine Vielzahl von Laub- und Nadelbäumen, Pinien und Palmen, aber auch Riesenkakteen und Baumruinen. Ihrer Funktion entsprechend können sie eine Höhe von bis zu 30 Metern aufweisen. Nicht nur eine Monumentalität zeichnet sie aus, sondern auch eine geradezu idealtypische Form, die meist einem der Geometrie folgenden Schöpfungsgedanken verpflichtet ist. Ein Pathos, der mit dem Faktor der Überwältigung spielt, ist der absurden Spezies der New Trees zweifellos eigen. Nicht zuletzt auch, weil sie in ihrer Wesenheit im Nietzscheanischen Sinne den Charakter eines Überbaumes aufweisen. „Seht her!“, scheinen sie stolz und unnahbar zu rufen, „wir wollen wahrgenommen werden. Aber eben als Baum!“

Kein Zufall ist es also, dass sich bei dem Naturstudium nicht nur ein ästhetischer Genuss einstellt, sondern auch ein gewisses Unbehagen. Auch wenn unser Auge betrogen wird, stellt sich eine Erkenntnis ein. Aus dem künstlichen Baumreservoir hat sich längst ein lukrativer Industriezweig entwickelt, der erhebliches Zukunftspotential aufweist und derzeit auch auf dem europäischen Kontinent expandiert. Freuen wir uns auf den nächsten Waldspaziergang!

344 C1
344 C2
344 C3
344 C4
344 C5
344 C6

Robert Voit

1969 in Erlangen geboren

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