Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>
<p>Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln</p>

Stefan Marx in der Werkstatt Felix Bauer, Köln

<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>
<p>Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011</p>

Aufbau Installation Thorsten Brinkmann “Ernie & Se King”, Kunstraum Seilerstraße 2011

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße

Ulla von Brandenburg

B-Reihe / 366. Wahl
II. Quartal 2017

Holzdruck

Karneval I–VII
1. Karneval I, 76,0 × 64,5 cm / 54,0 × 38,5 cm
2. Karneval II, 76,0 × 64,5 cm / 46,5 × 49,5 cm
3. Karneval III, 76,0 × 64,5 cm / 60,0 × 50,0 cm
4. Karneval IV, 76,0 × 64,5 cm / 46,5 × 45,5 cm
5. Karneval V, 76,0 × 64,5 cm / 60,0 × 50,0 cm
6. Karneval VI, 76,0 × 64,5 cm / 52,5 × 47,5 cm
7. Karneval VII, 76,0 × 64,5 cm / 43,0 × 42,5 cm

Papierqualität: 225 g/qm Zerkall Alt Cleve
Drucker: Atelier für Druckgrafik, Hamburg

Prozession in sieben Farben

von Brigitte Bedei

Scherenschnitt, Wandbild, Zeichnung, Graphik, 16-mm-Film, Installation oder Performance — das komplexe Werk von Ulla von Brandenburg ist vielfältig angelegt. Ihre Bildwelten sind beeinflusst von dramaturgischen Elementen aus dem Theater: Bühne und Theatervorhang, Rollenspiel und Kostümierung kehren in Themen und Materialien häufig wieder. Das Theater ist für sie wie ein komprimiertes Bild der Welt, ein Projektionsraum für Schein und Sein, Maskerade und Pose. In ihren Arbeiten spielt sie mit gesellschaftlichen Verhaltensmustern, Regeln und Konventionen und demonstriert deren Zeitlosigkeit. Häufig arbeitet Ulla von Brandenburg mit der Patina alter Theatervorhänge, mit deren Öffnen und Schließen eine Inszenierung im Theater beginnt oder endet. Der Vorhang, wie auch die wiederkehrende Bezugnahme auf den Spiegel, bilden in ihrem Werk die Grenze zwischen Realität und Illusion, Innen und Außen, Raum und Zeit. Immer wieder tauchen gewaltige, farbenfrohe Stoffkulissen in ihren Inszenierungen auf, die im Kontrast zu schwarzweißen One-Shot-Filmen sowie den zarten verschwommenen Zeichnungen stehen. Menschliche Figuren treten in diesem Kosmos vereinfacht, scherenschnittartig auf.

Scherenschnittartig angelegte Figuren, die sich aus Umrisslinien und Leerstellen formieren, dominieren auch die sieben Holzdrucke, die Ulla von Brandenburg für die griffelkunst entwickelt hat. Als Vorlagen dienen ihr verschiedene karnevalistische Motive aus der Volkskultur Osteuropas, Karnevalsmaskeraden, rituelle Spiele, regionale Kostüme und Bestandteile der insbesondere im Mittelmeerraum tief verwurzelten Theaterkultur. Heidnische Kostüme und Rituale werden von ihr verfremdet und erinnern in ihrer fließenden Darstellung an Zustände und Situationen, die archetypisch unheimliche Momente heraufbeschwören. Ein in rot angelegtes Motiv lässt in seiner Ausführung an ein bekanntes Verfahren aus der Psychologie denken, den Rohrschach-Test, in dem aus der Deutung von gespiegelten Tintenklecksen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit gezogen werden. In der Mitte des Bildes formiert sich ein tanzendes Paar, das von einer kostümierten Gruppe Schaulustiger betrachtet wird. Oder beobachten sie einen rituell motivierten Kampf? Aus negativ gedruckten Elementen formiert sich auf gelbem Grund Morena, eine Gestalt aus der slawischen Mythologie, die mit Winter, Nacht und Tod assoziiert wird und nach deren Verbrennung der Frühling Einzug halten soll. Jeder Hochdruck ist monochrom in einer anderen Farbe angelegt, sodass sich die Figuren in der siebenteiligen Serie zu einer bunten Prozession formieren und jeder auf seine Weise sein rituelles Spiel aufführt. Es sind Zooms auf sieben einzelne Szenen, eine Formation bizarrer Wesen, die sich nicht zu erkennen geben. Es bleibt unklar, ob es sich um fantastische Gestalten handelt oder um hinter Masken verborgene Menschen – in jedem Fall treiben sie ihr Unwesen mit dem Unbewussten und ziehen den Betrachter in ihren Bann.

Ulla von Brandenburg
geboren 1974 in Karlsruhe, lebt und arbeitet bei Paris
1995–98 Szenographie und Medienkunst, Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe
1998–2005 Hochschule für bildende Künste, Hamburg
2013 Kunstpreis Finkenwerder, Hamburg
2015 Internationaler Faber-Castell Preis für Zeichnung, Nürnberg
seit 2016 Professorin an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Karlsruhe

Einzelausstellungen
2017 Musée des Beaux Arts, Rennes, Frankreich
2016 It was a golden red sun and an elderly green moon, The Power Plant, Toronto, Kanada
Manchmal Ja, manchmal Nein, Haus Konstruktiv, Zürich
2014 Drinnen ist nicht Draußen, Kunstverein Hannover
2013 Innen ist nicht Außen, Secession, Wien, Österreich
Das Versteck des W.L., Galerie der Gegenwart, Hamburg

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