Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße

<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>
<p>In der Druckwerkstatt von Thomas Franke</p>

In der Druckwerkstatt von Thomas Franke

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Jonathan Meese signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

Raoul Ubac

B-REIHE, 331. WAHL, III. QUARTAL 2008
Ein tachistischer Photograph avant la lettre
Photographien aus dem Nachlass
30,4 x 24,0 cm / 25,5 x 19,0 cm

1. Agui au miroir au tain endommagé, 1932-33
2. Le combat de Penthésilée, 1937
3. Le combat de Penthésilée. Triomphe de la stérilité, 1937
4. Photo-relief, 1938
5. L’envers de la face, 1939
6. Les objets fossiles, 1939/40

Serie mit Mappe und Textheft

Papierqualität: ILFORD Multigrade IV FB
Hersteller: Atelier Margotow, Wahlerhausen
Mappe: Archivkarton mit Leinenrücken
Hersteller Mappe: Christian Zwang, Hamburg

Unter den Künstlern, die in den dreißiger Jahren die Formmöglichkeiten der Photographie aus dem Geiste des Surrealismus erweitert haben, war neben Man Ray keiner so erfindungsreich wie Raoul Ubac. Eine Claude Cahun, ein Jacques André Boiffard und Hans Bellmer haben das photographische Medium um neue inhaltliche Dimensionen bereichert, um jene dunkle Seiten der condition humaine, die bis dahin nur selten photographiert worden waren. Die photographische Technik selbst wurde ihnen dabei nicht zum Problem. Sie übernahmen sie unbesehen, so wie sie ihnen die Ingenieure übergeben hatten. Anders Ubac. Er verwandelte die optisch physikalische Mikrostruktur der Photographie, um sie aus den Fesseln jenes „rationalistischen Dünkels“1) zu lösen, die dieser Bildtechnik seit den ersten Tagen ihrer Erfindung die Grenzen gezogen hatte. Die in der Konstruktion des photographischen Apparats eingebaute Ideologie des Positivismus galt es zu negieren, sollte die Photographie Eingang finden in jene surrealistische Befreiungsästhetik, die den schöpferischen Kräften des Traums, des Unbewussten und des psychischen Automatismus in der Kunst huldigte. Zu diesem Zweck entwickelte Ubac die Techniken der Pétrification (Versteinerung) und der Brûlage (Verbrennen, Absengen). Während die klassischen automatischen Bildverfahren des Surrealismus, Frottage, Decalcomanie, Cadavre exquis u.a., dazu dienten, unter Zuhilfenahme der Spontaneität der Materie (von Farben, Wasser, Texturen etc.) oder des Zufalls nie zuvor gesehene, suggestive Formenwelten aus der Formlosigkeit zu heben, verfolgte Ubac mit der Brûlage den Zweck, zur Bewusstlosigkeit erstarrte Formen wieder zu verflüssigen, die in die Silbersalze der lichtempfindlichen Schicht eingefräste optische Projektion der Wirklichkeit in einen präkristallinen, schlieren-, magma- oder feuerartigen Zustand zurückzuführen.

Ubac verätzte die Unversehrtheit der körperlichen Erscheinung in einer Serie von solarisierten Photomontagen, die er, inspiriert durch die Tragödie Heinrich von Kleists, „Kampf der Penthesilea“ betitelte. Kleists Trauerspiel, das die unentwirrbaren Beziehungen von Sexualität und Gewalt, Vernunft und Wahnsinn zum Thema hat, in die die Amazonenkönigin Penthesilea und Achill, der Held der llias, im Kampf vor Troia miteinander verstrickt sind, hatte die Surrealisten tief beeindruckt. Penthesilea verliert am Ende über den unlösbaren Konflikt zwischen der Lust, den Anführer der gegnerischen Truppen zu töten und ihn zugleich zu lieben, den Verstand und verübt Selbstmord. Ubacs zwischen 1937 und 1939 entstandene Bilder veranschaulichen die Phantasmen des antiken Geschlechterkampfes nicht als pseudo realistisches Theater (Kino), sondern als real nicht mehr greifbare Chimären, als „Petrifikationen“, Abdrücke eines historisch weit zurückliegenden Geschehens in der dünnen Emulsion einer Glasplatte.
Giorgio de Chirico war der Leuchtturm der Surrealisten, sobald sich an ihrem Horizont die Gestade der antiken Überlieferung abzeichneten. Es sind de Chiricos aus Linealen, Holzgerüsten und Teilen von Gliederpuppen zusammengesetzte Kunst Menschen, die sich im Körper jener „Venus Anadyomene“ widerspiegeln, deren Außenhaut Ubac wie bei einer Anatomie geöffnet hat, so dass darunter ein unfruchtbarer, aus Steinbrocken, Draht und Stöcken notdürftig zusammengebastelter Organismus sichtbar wird (Le Triomphe de la Stérilité, 1937).2) Der gemeißelte, reliefartige Charakter dieser Photos entstand durch eine Negativ-Positiv- Kombination, genauer durch die Duplikation eines Negativs mit einem von ihm kopierten Diapositiv. Ubac verfeinerte die Methode, indem er erstens nicht gewöhnliche Aktaufnahmen, sondern von ihm selbst hergestellte räumlich und figürlich komplexe Photomontagen als Ausgangspunkt benutzte, zweitens das Negativ und das Diapositiv, die gemeinsam kopiert wurden, so gegeneinander verschob, dass sich eine Reliefwirkung ergab und schließlich die Duplikation teil- oder total- solarisierte, was ihre skulpturale Erscheinung noch einmal verstärkte.

Herbert Molderings

1) Raoul Michelet (Pseudonym von Ubac) in – Actuation poétique, suivie d’exemples par Camille Bryen et Raoul Michelet, Paris 1935, S. 21.
2) Zuerst publiziert in der Zeitschrift Minotaure, Nr. 10, Paris 1937, S. 38.

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1910 geboren als Rudolf Gustav Maria Ernst Ubach. Nach einer Kindheit mit mehreren Ortswechseln (Köln, Frankfurt) wächst er in Malmedy, Belgien auf.
1928 erster kurzer Aufenthalt in Paris.
1930-34 Zweiter Aufenthalt in Paris, Atelier in der Rue de la Harpe. Erster Kontakt mit der Gruppe der Surrealisten sowie mit Otto Freundlich. Einfluss von Man Ray. Mitarbeit bei der ersten Präsentation des „L’Age d’or“ im Studio 28. Lässt sich vorübergehend als Student in der philosophischen Fakultät an der Sorbonne einschreiben.
Otto Freundlich bringt ihn mit der „Gruppe progressiver Künstler“ aus Köln zusammen, Bekanntschaft mit den Künstlern F.W. Seiwert, H. Hoerle, O. Coenen und R. Hausmann. Stammgast im Kölner Café „Monopol“. Ubac schreibt sich an der Werkkunstschule Köln ein; einjähriges Studium (Zeichnung und Photographie) bei Prof. Husmann und dem Photographen Wilhelm Weber.
1933 heiratet in Brüssel seine Frau Agui (Agathe Schmidt).
1934 Rückkehr nach Paris. Erste Dunkelkammer in Rue Hipp. Maindron.
Veröffentlichung von Gedichten von Camille Bryen und Photos von Ubac (unter dem Namen Raoul Michelet) unter dem Titel „L ́Actuation poétique“.
1936-39 Enge Zusammenarbeit mit der Surrealisten-Gruppe, an deren gemeinsamen Aktivitäten er teilnimmt. Seine Photos erscheinen in „Minotaure“.
1938 Teilnehmer an der internationalen Surrealistenausstellung mit einer Anzahl großformatiger Photos: von der „Straße der Mannequins“ fertig er auch Dokumentar-Photographien (vgl. die Griffelkunst-Edition von Denise Bellon)
1939 Der Krieg zerstreut die Surrealisten-Gruppe.
1940 flüchtet Ubac zunächst nach Carcassone in Begleitung von René Magritte und Jean Scutenaire.
1942 Gewinnt allmählich Abstand vom Surrealismus. Veröffentlichung von Photographien für „L’Exercise de la pureté“ von Jean Lescure.
1946 Während seines Aufenthaltes in Haute Savoie findet er ein Bruchstück einer Schiefertafel; mit Hilfe eines alten Nagels graviert er eine Zeichnung ein. Er beginnt eine lebenslange Arbeit an diesem Material.
1947 Ubac wendet sich wieder der Malerei zu.
1950 präsentiert er seine erste Ausstellung von Gemälden in der Galerie Maeght, von der er in Zukunft vertreten wird.
1951 Teilnahme an der 2. COBRA-Ausstellung, Lüttich
1959 Teilnahme an der documenta II in Kassel
1968 Retrospektive in Charlereoi, Brüssel und im Museum für Moderne Kunst in Paris.
1973 „Großer Nationalpreis“ des französischen Kulturministeriums
1985 Raoul Ubac erkrankt und stirbt in Dieudonné.

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