Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>
<p>Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße</p>

Ausstellung von Peter Kogler im Kunstraum Seilerstraße

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

Pia Stadtbäumer

C-REIHE, 328. WAHL, IV. QUARTAL 2007
aus der Serie glücklicher und nicht glücklicher Bürger, 2007
Lithographien

1. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 31,5 x 44,5 cm
2. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 33,9 x 37,0 cm
3. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 35,0 x 46,5 cm
4. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 27,0 x 39,0 cm
5. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 25,0 x 39,0 cm
6. ohne Titel 39,5 x 53,5 cm / 29,5 x 42,0 cm

Papierqualität: 230 g/qm Hahnemühle Bütten weiß
Drucker: Handpresse Pankow Peter Dettmann, Berlin

Das Werk von Pia Stadtbäumer ist voller historischer Bezüge. So zeigte die Künstlerin unlängst in der Galerie Six Friedrich/Lisa Unger in München die fast lebensgroße Plastik So reiten die Damen (Viviane) oder 2006 in der Produzentengalerie Hamburg Hirtenknabenspiel II (Leo) und Weitere galante Szenen (Inga).
In den Skulpturen verschmelzen Versatzstücke verschiedener kunsthistorischer Gemälde wie etwa Motive aus Die Schaukel und Blinde-Kuh-Spiel von Jean-Honoré Fragonard (1732-1806). Mit ihrer Figur Viviane lässt Stadtbäumer die süßlich dargestellten Rokoko-Mädchen wieder aufleben und zu einem Sinnbild zeitlos koketter Attitüde werden.
Für die Werkgruppe Hirtenknabenspiel bezieht sich die Künstlerin auf eine einzige Referenz: Das Gemälde Der Titusbogen in Rom (1860) von Franz von Lenbach. Bayrische Hirtenjungen dienten dem Künstler damals als Modelle, um die Posen der römischen Knaben, die auf dem Gemälde zu sehen sind, nachzuspielen. Pia Stadtbäumer wiederholte dieses Rollenspiel und ließ ein Modell die Posen der kunsthistorischen Modelle einnehmen. Wie die Figur Viviane isoliert sie auch die Hirtenjungen aus ihrem historischen Kontext, übernimmt lediglich die Pose und transferiert die Figuren in einen zeitgenössischen Kontext.

Mit der Frivolität und Extravaganz des Rokoko, jener Phase am Ende des 18. Jahrhunderts, die gekennzeichnet ist durch einen überraschend leichten Umgang mit Erotik, einer Zeit des Vergnügens, der Lust und des heiteren Lebensgenusses, spielt Stadtbäumer auch in der für die griffelkunst entstandenen Serie. Einige ihrer Figuren scheinen direkt dieser Zeit entsprungen, was insbesondere an der Kleidung, den Frisuren und den Attitüden der Akteure deutlich wird (Blatt 4-6). Es ist nicht unbedingt ein kunsthistorisches Interesse, das Stadtbäumer die Zeit des Rokoko zitieren lässt. Die Wahl der Epoche entspringt vielmehr ihrem Interesse an einer Kultivierung des Gefühls, das nicht mit Empfindsamkeit gleichzusetzen ist. Posen und Gesten als körperlicher Ausdruck von Gefühlen wurden gerade in der Extravaganz des Rokoko gepflegt. Selbstverliebt betrachten die Akteure ihre Posen im Spiegel (Blatt 4 und 6).

Parallelen macht Stadtbäumer zu den 1920er Jahren aus. Auch in dieser Zeit findet sich ein exaltierter Umgang mit Gefühlen. Eine Gruppe ekstatisch tanzender Frauen scheint dieser Zeit unmittelbar entsprungen, wie Gestik und Kleidung zeigen.
Mit der Abstrahierung des Hintergrundes und der Isolierung der Figuren lenkt Pia Stadtbäumer den Blick auf Posen und Gesten der von ihr ins Bild gesetzten Akteure. Formal schlägt sie dabei insbesondere mit der räumlichen Gestaltung der einzelnen Szenen eine Brücke zu ihrem bildhauerischen Werk. So verwendet sie dort häufig künstliche Baum- und Astfragmente als Sockelvariante, die in Blatt 2 in gleicher Funktion wieder auftauchen.
Mit ihren sechs Lithographien aus der Serie glücklicher und nicht glücklicher Bürger folgt Pia Stadtbäumer ihrem Interesse an der Kultivierung von Ausdruck und Gefühl. Diese empfindet die Künstlerin in den zitierten Epochen als besonders ausgeprägt. Die Exaltiertheit des Ausdrucks, der Psyche, des Selbst meinen zudem eine Selbstabschließung vor der Welt und eine Distanzierung zur Empfindsamkeit. Damit variiert Stadtbäumer das Spiel der historischen Zugehörigkeit und kommt so zu zeitlosen Ausführungen.

328 C1
328 C2
328 C3
328 C4
328 C5
328 C6

Pia Stadtbäumer

1959 geboren in Münster

 

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