Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>
<p>Im Atelier von Anja Tchepets</p>

Im Atelier von Anja Tchepets

<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>
<p>Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis</p>

Druckstöcke und Andrucke von Birgit Brandis

<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>
<p>Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012</p>

Aufbau der Ausstellung von Kai Schiemenz im Kunstraum Seilerstraße, Frühjahr 2012

<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>
<p>Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011</p>

Ruth May beim Aufbau der Ausstellung im Kunstraum Seilerstraße, Herbst 2011

Thomas Rentmeister

E 427 ohne Titel, 2005
Multiple-Skulptur zum Zusammenbauen aus Malereiutensilien mit Aufbauanleitung
Skulptur: 79,0 x 40,0 x 39,0 cm
Bausatz: 65,0 x 65,0 x 5,5 cm

Hersteller: Malereibedarf von der Firma Boesner
Tiefziehteil und Umkarton: Heinz Felder GmbH, Solingen

Im Zentrum von Thomas Rentmeisters Ansatz steht die Skulptur. In verschiedenen Werkphasen thematisiert er ihr Verhältnis zum Raum und zum Menschen. Bekannt geworden ist der Bildhauer durch blasenförmige Gebilde aus Polyester, die sich an der Grenze zwischen innen und außen bewegen, zwischen flüssig und fest, schwebend und liegend. Die Oberfläche als Grenze befragt der Künstler auch in der anschließenden Werkphase, in der er Türme aus ausrangierten Kühlschränken mit Penatencreme verspachtelt und Nutellamasse in den Ausstellungsraum gießt.

Das Multiple für die griffelkunst zeugt einerseits von Rentmeisters Interesse an Objets trouvés und an Ausgangsmaterialien aus industrieller Fertigung. Andererseits verfolgt der Künstler einen stark konzeptionellen Ansatz und setzt sich auf verschiedenen Ebenen mit den Möglichkeiten des Multiples und den besonderen Voraussetzungen der griffelkunst auseinander. Rentmeister hat sich für ein Readymade im doppelten Sinn entschieden: So liefern wir die dreidimensionale Skulptur aus Malereiutensilien als Bausatz mit Aufbauanleitung, der nicht nur als Verpackung, sondern ebenso als ästhetisches Objekt funktioniert. Die Überlegungen zu seinem Entwurf für die griffelkunst und welche besonderen Qualitäten ein Multiple zu seinem Lieblingsmultiple machen, beschreibt Thomas Rentmeister in seinem Beitrag zum Katalog „Fünfter Graphikpreis der Griffelkunst-Mitglieder“:

Die Auswahl der Materialien und deren Verarbeitung zu einer Form sollte sich bei Multiples - wie auch bei anderen Kunstwerken – durch eine möglichst große Nähe zum Inhalt des Werkes auszeichnen, was bedeutet, dass sie grundsätzlich unbegrenzt ist. Speziell bei Multiples gibt es allerdings einige Einschränkungen der Form, die sich aus praktischen Überlegungen ergeben – die Beschränkung der Größe zum Beispiel. Die meisten Multiples sind nicht besonders groß. (Man stelle sich einmal eine drei Meter hohe Stahlplatte von Richard Serra als Multiple vor). Die Rahmenbedingungen unseres Multiples gaben Einschränkungen finanzieller Art vor. Da muss man schon ganz schön kreativ werden. Bei mir war es ganz einfach: Salopp ausgedrückt war eine Arbeit, die einer Art des Formenbaus bedurft hätte, zu teuer, also schlug ich die Readymade-Schiene ein. Der Basteltrieb und das Bedürfnis, mit jeder neuen Arbeit an eine Grenze zu stoßen, taten ihr Übriges. In diesem Fall war es die Frage danach, wie konstruiert eine künstlerische Idee sein kann – ohne ihre sinnliche Qualität zu verlieren. Die Arbeit bewegt sich sprichwörtlich und in doppelter Hinsicht (Malereibedarf als Skulpturenmaterial/Graphiken der Aufbauanleitung) auf der im Ausschreibungstext erwähnten „Grenze zwischen Zweidimensionalität und Objekthaftigkeit“ – wobei natürlich auch ein Funken Ironie eine Rolle spielt.
Ein Multiple, welches ich sehr gern mag, ist der Nudelvorhang von Martin Kippenberger mit dem Titel: Per Pasta ad Astra. Dabei handelt es sich um einen Lamellenvorhang aus aufgefädelten Röhrennudeln, den man zum Beispiel in eine Tür hängen kann. (Es war eine Edition im Kölnischen Kunstverein. Das muss so Anfang der 90er Jahre gewesen sein). Die besondere Qualität dieser Arbeit besteht für mich in der gelungenen Verschmelzung von Titel und Objekt. Der Titel, den ich übrigens sogar noch besser finde als sein lateinisches Original, hat in diesem Fall den gleichen Stellenwert wie das Objekt. Weitere interessante Aspekte bei der Edition sind die Zerbrechlichkeit des Materials und die Tatsache, dass man sich so etwas ohne großen Aufwand selber herstellen könnte. Es werden grundlegende Fragen der Vergänglichkeit und Wertschöpfung von Kunst angestoßen. Warum baue ich mir nicht selber so einen Vorhang sondern kaufe für vergleichsweise viel Geld ein echtes Exemplar aus der Edition, dessen langfristige Haltbarkeit nicht einmal besonders groß ist? Wird dagegen mein im Vergleich zu Originalkunstwerken (d.h. „Nicht-Multiples“) wiederum preisgünstig erstandenes Exemplar vielleicht einmal richtig viel wert sein? In Fall Kippenberger ja – hier bewahrheitet sich die Programmatik des Titels „Durch Nudeln zu den Sternen“ – auch eine Qualität.

Thomas Rentmeister

E 427
E 427

Thomas Rentmeister

1964 geboren in Reken/Westfalen, lebt in Berlin

 

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