Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.

<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>
<p>Drucke von Anja Tchepets entstehen</p>

Drucke von Anja Tchepets entstehen

<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>
<p>Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg</p>

Bogomir Ecker signiert in der Seilerstraße, Hamburg

<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>
<p>Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012</p>

Beim Aufbau der Ausstellung von Dasha Shishkin, Herbst 2012

<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>
<p>David Tremlett signiert in der Seilerstraße</p>

David Tremlett signiert in der Seilerstraße

<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>
<p>Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014</p>

Aufbau der Ausstellung “Thomas Kilpper – 150 Years of Printmaking”, 2014

Helga Paris

C-REIHE, 321. WAHL, I. QUARTAL 2006
aus der Serie Häuser und Gesichter. Halle 1983–85
Photographien

1. ohne Titel 30,2 x 40,2 cm / 18,5 x 27,8 cm
2. ohne Titel 40,2 x 30,2 cm / 27,8 x 18,5 cm
3. ohne Titel 40,2 x 30,2 cm / 27,8 x 18,5 cm
4. ohne Titel 30,2 x 40,2 cm / 18,5 x 27,8 cm
5. ohne Titel 30,2 x 40,2 cm / 18,5 x 27,8 cm
6. ohne Titel 30,2 x 40,2 cm / 18,5 x 27,8 cm

Papierqualität: Multibroom
Hersteller: Larry Lazarus, Hamburg

Die sechs edierten Motive stammen aus einer umfangreichen Serie von Photos, die Helga Paris Mitte der 80er-Jahre in Halle aufgenommen hat. Unter dem Titel „Häuser und Gesichter. Halle 1983-85“ sollten sie im Sommer 1986 in der Galerie Marktschlösschen Halle ausgestellt werden. Der Katalog war bereits gedruckt, als die Veröffentlichung des Buchs und kurz darauf die Eröffnung der bereits gehängten Ausstellung verboten wurden. Erst nach dem Fall der Mauer, zu Beginn des Jahres 1990, konnten die Hallenser sich ein eigenes Bild von den Photographien machen, die sie vier Jahre zuvor nicht hatten sehen dürfen.

1991 erschien Diva in Grau, ein Buch zur Serie, das dieses Jahr durch den Mitteldeutschen Verlag Halle in einer überarbeiteten Fassung neu aufgelegt wurde. Auf Wunsch von Helga Paris und mit freundlicher Genehmigung des Autors Helmut Brade übernehmen wir Auszüge aus dem Vorwort zur Neuauflage für unser Mitteilungsheft. Brade hat die Geschichte der Ausstellung von Anfang an begleitet. Sein Text beschreibt anschaulich, mit welcher Haltung Paris den Menschen begegnet ist, die sie photographiert hat, und vermittelt ein Gefühl für die Erfahrungen, die Helga Paris im Zusammenhang mit der Veröffentlichung ihrer Bilder machen musste.

Helga Paris war längst eine bekannte Fotografin, als sie fast zufällig, weil nämlich ihre Tochter in Halle studierte, in dieser Stadt fotografierte. Hätte Jenny in Rom studiert, hätte sie eben in Rom fotografiert. So hat sie eben in Halle wie in Rom fotografiert.
Es entstanden also Fotos. Und diese Fotos hat sie gezeigt. Die Wirkung war groß. Die Idee, das auszustellen, kam sofort, weil es interessante Fotos waren und weil sie eine Sicht auf die Stadt Halle offenlegten, die von außen, von Berlin, kam und deshalb anders und frischer war als die interne hallesche.
Das Ausstellungsvorhaben wurde dann zu einem monströsen Unternehmen mit harten Konfrontationen, administrativen Eingriffen, Verständnislosigkeiten auf allen Seiten, Protesten, Verboten; es führte zu einem Skandal, der sich erst nach der Wende auflöste.
Gleichzeitig wurde Helga Paris in Halle bekannt, wurde ungewollt zu einer Gallionsfigur in kulturpolitischen Auseinandersetzungen. Die Ausstellung kam nach vier Jahren Kämpfen im Januar 1990. Das war gewissermaßen ein Erfolg der Wende. Sie fiel in den Freudentaumel erlösender Befreiung und verdeckte damit gleichzeitig die ihr innewohnenden wirklichen Qualitäten. Helga Paris war zuerst, für sie unverstehbar, gehasst, plötzlich, auch unverstehbar, gefeiert. Beides geschah mit politischen Emotionen, keinesfalls nur aus künstlerischen Gründen. Sie war Spielball geworden in Kraftfeldern, die jenseits ihrer ursprünglichen Absicht lagen. (...)
Merkwürdig erscheint mir, dass Helga Paris nicht im Mindesten bewusst war, was sie mit ihren Fotos ausgelöst hat. (...) Ihre Fotos beschäftigen sich ausschließlich mit der Wirklichkeit, so wie sie da war. Sie sind empfindsam, sorgfältig und aufmerksam aufgenommen, ohne jeden Hass oder auch ohne jede Deprimiertheit. (...)
Man versäumt allzu leicht neben den Häusern, die uns Mangel und Zerfall zeigen, über die Menschen zu sprechen. Mag der Kampf mit Widrigkeiten auch für so manchen erniedrigend und unwürdig gewesen sein, so war er auch für viele Menschen in einem durchaus guten Sinne persönlichkeitsbildend. Mindestens in den Gesichtern, die uns Helga Paris überliefert hat, sehe ich Kraft, Trotz und Lebenswillen, ja zuweilen auch Lebensfreude und Hoffnung, Eigenschaften, die zu einer Veränderung fähig gemacht haben. In unserer jetzigen Epoche, wo langsam alles sauber und schön wird, scheinen diese liebenswerten Eigenschaften eher zu schwinden zugunsten von Angst und Härte. Die Fotos sind eben vielschichtig, darin liegt ihr besonderer und bleibender Wert. Sie sind deshalb heute erst recht interessant, wenn man die Nerven hat, sie genau anzugucken.

Helmut Brade in: Diva in Grau, Mitteldeutscher Verlag Halle 2006

321 C1
321 C2
321 C3
321 C4
321 C5
321 C6

Helga Paris

1938 geboren in Gollnow (Pommern)

© Griffelkunst e.V. 2017 Alle Rechte vorbehalten! Impressum